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Porsche: Was wird aus Grab in Liberec?

Der Stadtteil Vratislavice will die Familiengruft des Autobauers Ferdinand Porsche restaurieren lassen und sucht dafür Partner.

Das Ginzkey-Mausoleum auf dem Friedhof in Vratislavice soll saniert werden.
Das Ginzkey-Mausoleum auf dem Friedhof in Vratislavice soll saniert werden. © Jaroslav Appeltauer

Ferdinand Porsche, der legendäre Fahrzeugkonstrukteur und Gründer des gleichnamigen Unternehmens, ist der wohl berühmteste Sohn von Maffersdorf, heute Vratislavice nad Nisou in Tschechien. Die Verwaltung des Liberecer Stadtteils möchte nun die Grabstelle seiner Vorfahren sowie die des Teppichfabrikanten Ignaz Ginzkey (1818 bis 1876) restaurieren. Man wolle nicht mehr dulden, dass die einst prachtvollen Grabstätten zu Schandflecken verkommen, heißt es aus dem Rathaus.

„Unser Vorhaben umzusetzen ist nicht so einfach“, sagt Pavel Svoboda, Sekretär des Rathauses. Die Rechtsnachfolger der einstigen Besitzer dieser Ruhestätten seien meist unbekannt, das Grabnutzungsrecht sei laut dem geltenden Gesetz mittlerweile erloschen. „Die Gräber, um die sich nachweislich niemand kümmert, gelten nach Ablauf eines Jahres als verlassen und fallen dem Staat zu. Und von diesem möchten wir sie übernehmen“, ergänzt Petra Procházková, die Friedhofsverwalterin.

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Vratislavice hat die Friedhofsverwaltung erst vor drei Jahren vom Technischen Dienst der Stadt Liberec (Reichenberg) übernommen. „Leider bekamen wir dazu kaum Dokumentationen. So müssen wir nach und nach die Besitzer konkreter Gräber selbst ermitteln“, erklärt der Sekretär. Nach einem Aufruf im Januar auf der Webseite und Amtstafel des Rathauses kamen erste Hinweise aus der Bevölkerung.

Skoda bekundet Interesse

„Möglicherweise gibt es über einen Rechtsanwalt einen Kontakt zu den Nachfahren der Familie Ginzkey, die sich nach der Vertreibung aus Tschechien in Österreich niederließ“, so Svoboda. Ob sie sich an der Instandsetzung des künstlerisch wertvollen Mausoleums an der Südseite des Friedhofs beteiligen, darüber könne man derzeit nicht spekulieren. Interesse an der Familiengruft der Porsches bekundete bereits die Gesellschaft Škoda Auto, die vor vier Jahren das Geburtshaus Ferdinand Porsches zum Museum umgebaut hatte. Es bietet Einblicke in sein Leben und Schaffen und zeigt neben der Ingenieurskunst auch die Anfänge des Automobils. Es ziehe viele Gäste an. Das sei auch für den Friedhof denkbar.

Ferdinand Porsche kam 1875 als drittes Kind des Klempners Anton Porsche in Maffersdorf zur Welt. Als 18-Jähriger ging er nach Wien. Er stieg zum Chef einer Prüfabteilung auf, wurde Entwicklungs- und Produktionsleiter, schließlich Generaldirektor, bis er 1930 sein eigenes Konstruktionsbüro in Stuttgart eröffnete, wo er sich der Entwicklung von Personen- und Sportwagen sowie Flugmotoren widmete. Ferdinand Porsche starb 1951 in Stuttgart. Seine Urne wurde in der Hauskapelle des Schüttgutes in Zell am See beigesetzt. Porsches Eltern wurden in Maffersdorf beerdigt.

Ignaz Ginzkey war Unternehmer und Gründer einer international bekannten Teppichfabrik in Maffersdorf. Der Gärtnersohn setzte erfolgreich auf das Verspinnen von bisher nicht zu verwertenden Wollabfällen und später auf Dampfkraft sowie Kunstwolle. 1924 stattete Ginzkeys Unternehmen das New Yorker Hotel Waldorf-Astoria mit den größten Teppichen der Welt aus.

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