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Gaststätten dicht, Skihänge auf

Tschechien reagiert auf steigende Infektionszahlen. Doch der Lockdown ist nicht so hart wie in Deutschland.

Als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen schließt das Nachbarland erneut Restaurants und Kneipen.
Als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen schließt das Nachbarland erneut Restaurants und Kneipen. © dpa

Es war ein kurzes Luftholen. Nach gerade einmal zwei Wochen müssen Restaurants und Cafés ab Freitag in Tschechien wieder schließen und dürfen nur den Außer-Haus-Verkauf fortführen. Hotels mussten die gebuchten Silvesterurlaube wieder stornieren. Wellness- und Fitnesscenter, Zoos, Museen und Galerien dagegen müssen ihren Betrieb wieder ganz einstellen. Außerdem gilt wieder eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 23 und 5 Uhr. Die steigenden Infektionszahlen zwangen die Regierung, das kurze Intermezzo der Lockerung wieder zu beenden.

Eigentlich hätte das schon viel früher geschehen müssen, denn die Infektionszahlen stiegen faktisch wieder, als die Lockerungen gerade in Kraft traten. Die Regierung steuerte letzte Woche zunächst nur leicht dagegen, indem Restaurants schon 20 statt 22 Uhr schließen mussten. Doch das Wunder geschah nicht. Auch Tschechien muss die Weihnachtszeit nun in einem Lockdown verbringen. Allerdings fällt der nicht ganz so streng aus wie vorher und erst recht nicht so wie im benachbarten Sachsen. Denn die Geschäfte bleiben alle offen und auch der Sonntagsverkauf ist gestattet. Der war in den Wochen vor der Lockerung ausgesetzt.

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Skifahren nur für Tschechen

Als kleines Trostpflaster öffnen am Freitag sogar die Skigebiete. Viele von ihnen haben bereits bestätigt, dies auch vom ersten Tag an umzusetzen. Die Skibedingungen sind oberhalb 800 Meter dank der Schneefälle und Kunstschneeproduktion Anfang Dezember gut. Die Regierung verlässt sich darauf, dass die geschlossenen Hotels und Gaststätten dafür sorgen, dass tatsächlich nur Ski gefahren und nicht in Apres-Ski-Bars gefeiert wird. Für Sachsen sind die geöffneten Skigebiet und Geschäfte allerdings weit weg, denn der Grenzübertritt ohne triftigen Grund wie Arbeit oder Arztbesuch nicht gestattet.

Als große Verlierer der erneuten Schließung sehen sich in Tschechien Hotels und Gaststätten. Letztere konnten wenigstens eine teilweise Kompensation ihrer Verluste erkämpfen. Dafür hatte sich ein Teil sogar der Schließung ab 20 Uhr widersetzt. Doch auf eine großzügige Entschädigung von 75 Prozent wie in Deutschland können Gaststätten in Tschechien nicht hoffen. Zwar versprach Premierminister Andrej Babis sogar 100 Prozent Kompensation. Doch die Zuschüsse orientieren sich nicht am realen Umsatz. „Im besten Fall bekommen die Betreiber 40 Prozent ihres eigentlichen Umsatzes“, hat Tomas Prouza, der Präsident des tschechischen Handels- und Tourismusverbands, errechnet.

Ab Freitag gilt für Gaststätten wieder Außer-Haus-Verkauf (Okénko). Foto: Neumann
Ab Freitag gilt für Gaststätten wieder Außer-Haus-Verkauf (Okénko). Foto: Neumann © Steffen Neumann

Die Weihnachtseinkäufe werden Tschechinnen und Tschechen nun also noch in Ruhe tätigen können. Wie es nach den Feiertagen weitergeht, ist aber völlig offen. Die Kurve geht bei Neuinfektionen wieder ungebremst nach oben. Am Mittwoch wurden 8.235 neue Fälle gemeldet, der R-Wert liegt bei 1,2. Die 7-Tage-Inzidenz lag in den grenznahen Kreisen Ústi nad Labem schon bei knapp 400, in Decin bei 340 und in Teplice bei 300.

„Zu Ansteckungen kommt es vermehrt in Schulen und Familien“, sagt Lenka Simunkova, Chefin des Bezirkshygieneamtes Usti Sie begrüßt die erneute Schließung von Gaststätten. „Dort sitzen Menschen über Stunden zusammen ohne Mundschutz“, sieht sie ein großes Ansteckungsrisiko. Gerade das mangelhafte Tragen des Mundschutzes gerade bei persönlichen Begegnungen privat und auf Arbeit ist für sie eine der Hauptursachen für die Verbreitung des Coronavirus.

Die Nähe zu dem derzeit stark betroffenen Sachsen sieht sie allerdings nicht als Gefahr. Die Grenze werde faktisch nur noch von Pendlern überschritten. „Bei ihnen registrieren wir zwar mehr Fälle als noch im Frühjahr. Sie sind aber sehr diszipliniert im Einhalten der Quarantänebestimmungen“, sagt Simunkova.

Für die nächsten Wochen ist die Hygieneamtschefin allerdings pessimistisch. Eine völlige Selbstisolation, die nötig wäre, um die Zahlen wesentlich zu senken, sei nicht möglich. „Entwarnung wird es erst mit der Impfung geben“, sagt Simunkova.

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