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Gebührenfalle Geldautomat in Tschechien

Abrechnung in Euro oder in Kronen? Diese Entscheidung kann an Geldautomaten in Tschechien teuer werden. Und noch etwas kommt beim Abheben hinzu.

Geldautomat am Rathaus von Dubí nahe Zinnwald. Abheben mit oder ohne Umrechnung?
Geldautomat am Rathaus von Dubí nahe Zinnwald. Abheben mit oder ohne Umrechnung? © Egbert Kamprath

Kreditkarten gelten im Nachbarland Tschechien zwar als weitläufig akzeptiertes Zahlungsmittel, doch viele Leute haben in bar gern immer noch einige Kronen dabei. Häufig ist es doch einfacher, das Bier, die Fahrkarte oder den Friseur gleich cash zu bezahlen.

Das Geld gibt es grundsätzlich bequem am Automaten. Nicht nur bei Insidern hat sich dabei inzwischen herumgesprochen, dass man bei der Menüführung etwas aufpassen muss.

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Der kaufmännische Blick
Der kaufmännische Blick

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Anders als noch vor einigen Jahren werden die Bedienschritte zwar in deutscher Sprache aufgezeigt, doch irgendwann landet der Kunde vor der Wahlmöglichkeit, ob man sein Geld mit oder ohne Umrechnung erhalten will. Wer auf die Taste „mit Umrechnung in Euro“ drückt, erhält sofort einen Überblick über Betrag in Euro und bekommt den Tauschkurs angezeigt.

Tschechien: Geld besser ohne Umrechnung abheben

Auf den ersten Blick hat so der Kunde den Eindruck von Transparenz und Überschaubarkeit. Allerdings erhält er sein Geld für einen rund drei Kronen schlechteren Kurs als die offizielle Umrechnung. Diese ärgerliche Kostenfalle nennt sich „Dynamic Currency Conversion“. Wenn man 100 Euro abhebt, gehen also rund acht Euro verloren. Dazu gibt es eine Alternative: Man kann die Abhebung ohne Umrechnung tätigen. Dazu muss man nur die entsprechende Taste nach der Eingabe des Betrags in Kronen drücken.

Die Erfahrungen zeigen: Es ist günstiger, 1.000 Kronen zu verrechnen. In diesem Fall würde man dafür nur etwas mehr als 39 Euro zahlen - statt 43,77 wie es hier angeboten wird.
Die Erfahrungen zeigen: Es ist günstiger, 1.000 Kronen zu verrechnen. In diesem Fall würde man dafür nur etwas mehr als 39 Euro zahlen - statt 43,77 wie es hier angeboten wird. © Egbert Kamprath

Seit einiger Zeit hat diese Sache bei vielen Banken allerdings auch wieder einen Haken. Es erscheint plötzlich ein Textfeld, wonach für Besitzer ausländischer Karten eine Gebühr von 125 Kronen, also rund 5 Euro, fällig ist. Geringe Geldbeträge können so schnell teuer werden. Bei 50 Euro sind das immerhin 10 Prozent, die noch einmal zu Buche stehen.

Wenn man etwa aus Richtung Dippoldiswalde/Altenberg nach Tschechien fährt, steht nach Zinnwald am Rathaus von Dubí der erste Geldautomat, betrieben von Česká Spořitelna. Ein SZ-Test mit mehreren verschiedenen deutschen Karten ergab immer wieder das gleiche Resultat. Auch mit der DKB-Karte, für die eigentlich weltweit bargeldloses Abheben am Automaten versprochen wird, ging es nicht ohne Zusatzkosten von 125 Kronen weiter.

Geld gibt es an diesem tschechischen Geldautomaten nur, wenn man einer Gebühr von 125 Kronen, also rund 5 Euro, zustimmt.
Geld gibt es an diesem tschechischen Geldautomaten nur, wenn man einer Gebühr von 125 Kronen, also rund 5 Euro, zustimmt. © Egbert Kamprath

Auf Anfrage dazu teilte die deutsche Kreditbank mit: „Seit dem 1. Juni 2016 erstatten wir - unabhängig vom Aktivkundenstatus - keine individuellen Entgelte mehr, die von Geldautomatenbetreibern erhoben werden. Diesen Service können wir nicht aufrechterhalten, da wir auf die Rahmenbedingungen keinen Einfluss haben.“

Viel abheben hilft, um Höhe der Gebühr zu relativieren

Marcus Herrmann, stellvertretender Unternehmenssprecher der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, sagt dazu „Wenn Kundinnen und Kunden im Ausland Geld abheben, werden bei der Sparkassen-Card zwei Prozent (mindestens jedoch 7,50 Euro) Gebühren sowie 0,65 Prozent Währungsumrechnungsentgelt erhoben. Bei der Kreditkarte Classic der Ostsächsischen Sparkasse sind es ebenfalls zwei Prozent (mindestens 7,50 Euro) Gebühren sowie weiter zwei Prozent Währungsumrechnungsentgelt. Besitzt der Kunde die Kreditkarte Gold seiner Sparkasse, entfallen die Gebühren.

Die Preise für Abhebungen im europäischen Ausland sind seit Mai 2020 unverändert und entsprechen der EU-Preisverordnung von 2020. Zu beachten ist jedoch, dass gegebenenfalls die Fremdbank, die den Automaten zur Verfügung stellt, ihrerseits Gebühren erhebt.“

Alternativen gibt es da nur wenige. Eine Möglichkeit wäre, einen möglichst hohen Kronenbetrag abzuheben. Das relativiert die Gebührenhöhe etwas. Der Kurs bewegt sich in der letzten Zeit ohne sehr große Schwankungen um 1:25. Da kann man das Geld für spätere Ausflüge auch mal zu Hause in der Schublade liegen lassen oder zahlt im Nachbarland bar, statt mit Karte. Beim Tanken sind so auch auf einmal schnell einhundert Euro ausgegeben.

Außerdem ist es gerade im Grenzgebiet Gang und Gäbe, dass in Gaststätten oder bei den vietnamesischen Händlern der Euro als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Der Kurs bewegt sich meist in der Nähe der offiziellen Umrechnung.

Komerční Banka schlägt keine Gebühr drauf

Doch nicht alle tschechischen Banken berechnen für das Geld abheben am Automaten separate Gebühren. Man muss nur etwas suchen und sich möglicherweise testweise durch das Menü klicken. Eine dieser Ausnahmen ist bislang zum Beispiel die Komerční Banka – KB-Bank. Zumindest die Abhebung mit der deutschen DKB-Karte hat hier bei einem Test ohne Zusatzkosten funktioniert. Das entsprechende Automatennetz ist zwar nicht so engmaschig, doch im Internet findet man die Standorte. In Teplice sind es zum Beispiel die beiden großen Einkaufszentren Olympia und Fontana.

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Einen Tipp hat auch der Betreiber der Skilifte in Telnice. Er schreibt auf Facebook, dass auch ČSOB keine Gebühr verlangen würde. Diese Bank unterhält Geldautomaten unter anderem in Děčín, Teplice, Krásná Lipá und Ústí nad Labem.

Tatsache ist aber auch: Die Banken investieren viel, um die vergleichsweise teure Versorgung mit Bargeld abzusichern. Dass sie es versuchen, sich diese Kosten von den Kunden zurückzuholen, liegt auf der Hand.

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