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So wird an verschwundene deutsche Friedhöfe gedacht

Die deutsche Minderheit in Tschechien hält die Erinnerung wach. Und die Gemeinden finden das gut.

Martin Herbert Dzingel, Präsident der Landesversammlung, und Bürgermeister Jan Papajanovský neben der Gedenktafel im Franz-Preidl-Park.
Martin Herbert Dzingel, Präsident der Landesversammlung, und Bürgermeister Jan Papajanovský neben der Gedenktafel im Franz-Preidl-Park. © Steffen Neumann

Der Priester segnet den Sarg, der daraufhin ins Grab gelassen wird. Es ist nur ein Sarg, aber er ist die letzte Ruhestätte für Dutzende Menschen. Geboren und gestorben vor langer Zeit in Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz). Schon einmal zur ewigen Ruhe gelegt auf dem Friedhof neben der Wallfahrtskapelle der Jungfrau Maria. Als der Platz nicht mehr reichte, gründete die Stadt 1922 einen neuen Friedhof außerhalb der Stadt. Der alte Friedhof blieb bestehen.

Doch die Zeiten änderten sich. In den 1950er Jahren, nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung, wurde der alte Friedhof dem Erdboden gleichgemacht. Zwar wurden die Gebeine der Verstorbenen auf den neuen Friedhof umgesetzt. „Allerdings derart unsensibel, dass wir bei der Umgestaltung des Parks letztes Jahr noch Dutzende Gebeine fanden“, erzählt Bürgermeister Jan Papajanovský. Für ihn war klar, dass dieser Fund einen pietätvollen Umgang erforderte. Es war auch offensichtlich, dass es sich um deutsche Bürger handeln musste. Vor 1945 und erst recht vor 1922, als der alte Friedhof aufgegeben wurde, lebten im damaligen Böhmisch Kamnitz fast ausschließlich Deutsche. Gleichzeitig war es nicht möglich, die Gebeine zu identifizieren, geschweige denn Nachkommen ausfindig zu machen.

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Wie gerufen kam Papajanovský in dieser Situation die Anfrage der Landesversammlung der deutschen Vereine, die im vergangenen Jahr mit der Erfassung des Zustands deutscher Gräber und Friedhöfe begonnen hatte. Als Erstes waren die Bezirke Karlovy Vary (Karlsbad) und Ústí nad Labem (Aussig) dran. Dort leben heute noch die meisten Angehörigen der deutschen Minderheit, es gibt aber auch Zehntausende Gräber, um die sich niemand mehr kümmert. Der Befund war entsprechend. Es gab aufopferungsvolle Pflege einzelner Bürger, Vereine oder der Gemeinde. „Die Regel war eher, dass die Gräber und Friedhöfe in keinem guten Zustand waren“, berichtet Lucie Römer, die für die Landesversammlung die Gräber erfasste. Das reichte bis zu gezielter Zerstörung und Beseitigung von Gräbern und Grabplatten.

Es stellte sich auch die Frage, wie mit Friedhöfen umzugehen ist, die es nicht mehr gibt. Die Landesversammlung wählte sieben Gemeinden aus, in denen sie durch eine Gedenktafel auf den früheren Friedhof aufmerksam machen wollte. „Die Reaktionen waren sehr positiv. Fünf von sieben stimmten zu“, sagt Martin Herbert Dzingel, Präsident der Landesversammlung. Häufig handelte es sich um jüngere Bürgermeister wie im Fall von Jan Papajanovský. „Die junge Generation verhält sich völlig normal. Da gibt es einen ehemaligen Friedhof oder wie hier einen Knochenfund und damit wird pietätvoll umgegangen“, lobt Dzingel.

Finanziert wurden die Gedenkplatten durch das Bundesinnenministerium und die katholische Ackermann-Gemeinde. Die Stadt Česká Kamenice kümmerte sich um die Bestattungszeremonie für die Gebeine. Sie haben auf dem neuen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. „Und wie es der Zufall will, ist auch der neue Park am selben Tag fertig geworden“, freut sich Papajanovský. An den Friedhof erinnert neben der Gedenktafel noch eine letzte Grablege des Industriellen und Wohltäters Franz Preidl, zu dessen Ehre der Park nun Franz-Preidl-Park genannt wurde. Die Grabstätte soll noch saniert werden.

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