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Letzter Lastenträger im Riesengebirge tot

Schon als Kind hatte Helmut Hofer Postsäcke befördert, später Kohle, Wasser und Müll. Jetzt starb er mit 88 Jahren.

Helmut Hofer, der letzte Lastenträger des Riesengebirges, ist gestorben.
Helmut Hofer, der letzte Lastenträger des Riesengebirges, ist gestorben. © www.laznelibverda.cz (Ausriss)

Mit Helmut Hofer (88) ist der letzte noch lebende Vertreter der einstigen Gilde der Lastenträger auf die Schneekoppe im Riesengebirge verstorben. Wie Helmut Hofer zu Lebzeiten im Gespräch mit einer Regionalzeitung informierte, war die Familie Hofer in Gross-Aupa (Velká Úpa) auf der heute tschechischen Seite des Riesengebirges seit 100 Jahren ansässig. Nach dem Vorbild von Vater Robert war Sohn Helmut dem „Handwerk“ des Lastenträgers bereits im Alter von sechs Jahren mit seiner eignen Hucke verbunden. Anfänglich nahm er Postsäcke von bis zu 60 Kilo auf die Schultern, später waren es bis zu 300 Kilo an Transportgut wie Lebensmittel, Trinkwasser, Bier, bis hin zu Kohle, die für gewöhnlich auf den Gipfel geschleppt wurden.

Auf der Rücktour waren es Müll, Verpackungen und leere Bierfässer, die er wieder zu Tal brachte. Ebenso Postkarten – an normalen Tagen bis zu 300, an Feiertagen waren es bis zu 1.000. Helmut Hofer selbst war als professioneller Lastenträger zwischen 1948 und 1953 aktiv, schulte dann aber in einer Textilfabrik zum Elektriker um, nachdem eine Erkrankung den Träger-Job nicht mehr zuließ.

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Sein Vater hatte 1941 für den Bau der meteorologischen Station auf der Schneekoppe ein 160 Kilo schweres Stahlrohr, 2.50 Meter lang, auf den Gipfel bugsiert. Die Familie Hofer und 15 weitere deutsche Familien konnten nach dem Zweiten Weltkrieg in Velká Úpa bleiben. Ihnen blieb, weil sie als Lastenschlepper am besten mit den Gegebenheiten des Warentransports auf zwei Beinen vertraut waren, das Schicksal von Vertreibung und Zwangsumsiedlung erspart.

Mit der Errichtung von Seilbahnen in den 1950/1960er Jahren wurden die Trägerdienste nach und nach entbehrlich. Hofer erinnert sich, dass er 1961 das letzte Mal als Träger auf den Gipfel unterwegs war. Heute erinnert ein „Weg der Träger“ an die beschwerliche Zeit.

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