merken
PLUS Freital

SOE: Überwältigende Hilfe für tschechische Tornado-Opfer

Nach dem Aufruf der Feuerwehr in Altenberg standen die Fahrzeuge mit Hilfsgütern Schlange. Die Not in Tschechien ist groß. Gebraucht wird Baumaterial.

Initiatorin Gabriela Forkel von der Zinnwalder Feuerwehr und Jakub Fiser von der tschechischen Partner-Feuerwehr aus Kostany beluden am Sonntag mit vielen Helfern einen 40-Tonner mit Hilfsgütern.
Initiatorin Gabriela Forkel von der Zinnwalder Feuerwehr und Jakub Fiser von der tschechischen Partner-Feuerwehr aus Kostany beluden am Sonntag mit vielen Helfern einen 40-Tonner mit Hilfsgütern. © Egbert Kamprath

Altenberg. Die Emotionen überwältigen sogar die stärksten Männer. "Am Telefon haben sich fremde Menschen bei mir bedankt und dabei wurde oft geweint", sagt Gabriela Forkel von der Feuerwehr Altenberg. Sie hatte die Spendenaktion für die Tornado-Opfer in Tschechien organisiert. Zehntausende hatten ihren Aufruf auf der Facebook-Seite der Gesamtfeuerwehr Altenberg gelesen, der auch Hunderte Male geteilt wurde.

"Die Reaktion war gigantisch", sagt Forkel. Am Wochenende standen die Fahrzeuge an der Feuerwache in Altenberg Schlange. Sie brachten Paletten abgepacktes Wasser, Hygieneartikel, Schlafsäcke, Bekleidung oder Schaufeln. Das wurde sofort gebraucht. Die Feuerwehr aus der tschechischen Partner-Gemeinde Kostany kam mit einem 40-Tonner, um alles abzuholen. Das Fahrzeug war nicht groß genug, um sofort alles mitzunehmen.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Lager voll mit Hilfsgütern

Die Aktion nahm ungeahnte Ausmaße an. Andere Feuerwehren der Region beteiligten sich spontan und sammelten ebenfalls Spenden. Am Sonntag rollten beispielsweise aus Königstein, Bad-Gottleuba, Holzhau und Dippoldiswalde Fahrzeuge an. Dazu waren unzählige Spenden der Altenberger eingetroffen. Schnell war klar, dass der Lkw einer Teplicer Spedition nicht ausreichen würde. Als dieser voll war, stapelten sich noch immer die Paletten in der Halle.

Der Transport ist bereits in der Krisenregion angekommen. Am Mittwoch holt der 40-Tonner ein zweites Mal Hilfsgüter in Altenberg ab. Allerdings wird jetzt nicht mehr alles benötigt. Darüber ist Forkel aus dem tschechischen Brünn informiert worden, wo die Hilfsaktionen für die Krisenregion in Mähren koordiniert wird. "Die Lager mit Hilfsgütern sind dort voll. Was noch als Spende gebraucht wird, ist Baumaterial", sagt Forkel.

Betroffene konnten nur noch beten

Die 46-Jährige stammt aus Tschechien und lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Seit 2012 gehört sie der Freiwilligen Feuerwehr in Zinnwald an. Familienangehörige von ihr leben noch in Mähren, wo der Tornado wütete, mehrere Orte verwüstete und sogar Todesopfer forderte. "Meine Mutter hat mich sofort angerufen und gesagt, dass es ihr gutgeht", erzählt Forkel. Ihr Wohnort wurde verschont.

Gänsehaut hatte sie beim Gespräch mit ihrer Tante. Als der Himmel schwarz wurde und es eindringliche Warnaufrufe gab, habe sich die Familie in den Keller geflüchtet und nur noch gebetet. "So etwas will niemand selbst erleben", sagt Forkel. Auch ihre Tante hatte Glück im Unglück. Ihr Haus blieb intakt.

Eigentlich hatte Gabriela Forkel nur bei den Kameraden in Kostany angefragt, ob diese bei einem Hilfstransport auch Spenden aus Deutschland mitnehmen würden. Dann startete sie den Aufruf im Internet.

Feuerwehrleute beim Beladen der Hilfsgüter am ehemaligen Grenzübergang Altenberg. Abgepacktes Wasser gehörte auch dazu.
Feuerwehrleute beim Beladen der Hilfsgüter am ehemaligen Grenzübergang Altenberg. Abgepacktes Wasser gehörte auch dazu. © Egbert Kamprath
An der Feuerwehr Königstein wurden die gespendeten Sachen auf Transporter mit Anhänger geladen und über Bad Gottleuba-Berggießhübel nach Zinnwald gebracht.
An der Feuerwehr Königstein wurden die gespendeten Sachen auf Transporter mit Anhänger geladen und über Bad Gottleuba-Berggießhübel nach Zinnwald gebracht. © Marko Förster
Die Freundschaft der deutschen mit den tschechischen Feuerwehren wurde auch per Flaggen am Hilfstransport dokumentiert.
Die Freundschaft der deutschen mit den tschechischen Feuerwehren wurde auch per Flaggen am Hilfstransport dokumentiert. © Egbert Kamprath
Zeitweise standen die ankommenden Hilfstransporte aus dem Landkreis in Zinnwald Schlange, wo die Sachspenden dann auch in den 40-Tonner umgeladen wurden.
Zeitweise standen die ankommenden Hilfstransporte aus dem Landkreis in Zinnwald Schlange, wo die Sachspenden dann auch in den 40-Tonner umgeladen wurden. © Egbert Kamprath
Die Halle mit den Winterdienstfahrzeugen in Altenberg dient vorübergehend als Lager.
Die Halle mit den Winterdienstfahrzeugen in Altenberg dient vorübergehend als Lager. © Egbert Kamprath

Tschechen sind von Hilfswelle überrascht

Dem folgte auch die Feuerwehr in Borna-Gersdorf, die ihrerseits die Einwohner um Spenden bat. Viele brachten dringend benötigte Dinge, sodass der Mannschaftswagen sogar mit Anhänger zum Sammelpunkt nach Altenberg fahren musste. Eine tolle Aktion von den Bahretalern und der Region zur Unterstützung unserer vom plagten Nachbarn, sagt Thomas Fischer. Er ist Vorsitzender des Bornaer Vereins Sächsische Industrie- und Heimatgeschichte sowie Chef der Firma Bornaer Hotelconcept GmbH, die eine Geldspende zum Wiederaufbau eines Kindergartens im Krisengebiet übergab.

Gesammelt wurde auch in Freital. Dort riefen Akteure eines sich in Gründung befindenden Kinder-Vereins dazu auf, Spenden zu sammeln. Es kamen Bekleidung, Spielsachen, Möbel, Bettzeug, Sportgeräte zusammen.

Bei der Feuerwehr in Königstein gingen neben unzähligen privaten Spenden vom Besteck über Plüschtiere bis hin zu Anziehsachen auch eine Euro-Palette Mineralwasser ein, welche die Stadtverwaltung Königstein gespendet hatte.

Wie dringend in Krisenzeiten schnelle Hilfe benötigt wird, wissen noch alle Betroffenen aus dem Landkreis, die die Flut 2002 erlebt haben. In Tschechien hat keiner mit so einer Hilfswelle gerechnet. "So eine heftige Antwort aus Sachsen auf den Spendenaufruf hat dort niemand erwartet", sagt Forkel.

Sie hat direkt mit dem Interventionsteam in Brünn verhandelt, sodass die Hilfslieferung direkt ins Krisengebiet gefahren wurde. In der Krisenregion ist kein Bürgermeister mehr normal erreichbar, weil diese auch betroffen sind.

Zwei Tage lang wurde in Altenberg sortiert und gepackt. Die Helfer haben sich in Schichten abgelöst. Auch Geldspenden gingen ein. "Jeden Euro haben wir dokumentiert und gleich Baumaterial davon gekauft", sagt Forkel. Sie hofft, dass sie nun so schnell wie möglich Fotos von der Übergabe der Spenden bekommt.

Weiterführende Artikel

So stark war der Tornado in Tschechien

So stark war der Tornado in Tschechien

Meteorologen haben den verheerenden Sturm nun einer Kategorie zugeordnet. Derweil laufen in dem Gebiet die Aufräumarbeiten.

„Der Tornado hätte auch Deutschland treffen können“

„Der Tornado hätte auch Deutschland treffen können“

Aus Sicht von Meteorologe Andreas Friedrich war der Tornado in Tschechien überraschend und gefährlich. Er erklärt, wann die Überlebenschancen hoch sind.

Tornado verwüstet Teile Tschechiens

Tornado verwüstet Teile Tschechiens

In manchen Orten Tschechiens sieht es aus wie nach einem Krieg. Ein Unwetter forderte mehrere Menschenleben, viele weitere wurden verletzt.

Die Gesamtfeuerwehr Altenberg bedankt sich bei allen Helfern und der Stadtverwaltung Altenberg, die unkompliziert Fahrzeuge und Unterstellmöglichkeiten für die Spenden zur Verfügung stellte.

Spendenkonto für die Tornado-Opfer in Tschechien:

Empfänger: Diakonie CCE , IBAN: CZ50 2010 0000 0021 0069 1426 , BIC: FIOBCZPP, Verwendungszweck: Tornado

Mehr zum Thema Freital