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Hoffnung für Stürmer-Baude

Der neue Eigentümer des Ausflugsziels im Erzgebirge will zurück zum Original. Bis dahin braucht es aber noch viel Zeit.

Jahrelang standen Touristen am Hotel Stürmer vor verschlossenen Türen. Nun besteht Hoffnung, dass sich das ändert. Fotos: Egbert Kamprath
Jahrelang standen Touristen am Hotel Stürmer vor verschlossenen Türen. Nun besteht Hoffnung, dass sich das ändert. Fotos: Egbert Kamprath © Egbert Kamprath

Das Hotel Bouřňák (Stürmer) gehört zu den bekanntesten Erzgebirgsbauden. Doch das einst beliebte Ausflugsziel steht schon lange leer. Zwar gab es immer wieder große Pläne. So sollte nicht nur das Hotel wiedereröffnet, sondern auch ein Aussichtsturm gebaut werden. Doch für die frühere Eigentümerin Iveta Boudišová und ihren Mann Jaroslav Pok, einst Bürgermeister von Moldava (Moldau), die immer noch in der Kommunalpolitik von Moldava aktiv sind, war die Baude am Ende nichts anderes als ein Spekulationsobjekt. Und als solches konnten sie die Baude nach Jahren der Untätigkeit endlich an einen potenten Bieter verkaufen.

Neuer Eigentümer ist keine geringerer als die führende tschechische Immobilienfirma J&T Real Estate (J&T RE). Sie gehört zum slowakisch-tschechischen Imperium J&T, die in fast allen Wirtschaftszweigen ihre Finger hat und indirekt auch an den Kohletagebauen und Kraftwerken der Mibrag bei Leipzig beteiligt ist. Personell verflochten ist J&T auch mit der Firma, die vor einigen Jahren noch bei Moldava einen großen Windpark bauen wollte.

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Nun setzt J&T offenbar auf Tourismus. Das Potenzial, das im Osterzgebirge schlummert, ist ihr dabei nicht entgangen. „Ich habe das Erzgebirge als Tourist schätzen gelernt“, sagt Martin Kodeš, Vizevorstand von J&T RE. „Die Investition in das Hotel sehen wir aber vor allem im Kontext der fortschreitenden Revitalisierung und Entwicklung des Osterzgebirges“, begründet er den Schritt. Die Frage, wie hoch diese Investition bisher war und noch sein wird, bleibt unbeantwortet. J&T RE hat aber ambitionierte Pläne. Die Sanierung der Baude soll so nah wie möglich am Original erfolgen, das 1930 eröffnet wurde.

Haus mit besonderer Architektur

Schaut man alte Aufnahmen an, ist die besondere Architektur noch zu erkennen, die heute durch unpassende Umbauten und die Verwendung fremden Materials verdeckt ist. Das Gebäude atmet ganz den Stil der Moderne der 1920er-jahre und würde glatt auch als Villa in Prag durchgehen. Architekt war der Prager Josef Hörich. Initiiert hatte den Bau der Lehrer Karel Lím aus Duchcov (Dux), dem es gelang, von den Lobkowiczern die dafür nötigen Grundstücke zu bekommen und der sich Zeit seines Lebens um den Tourismus im Osterzgebirge verdient gemacht hat.

So ein guter Geist fehlte offenbar in den letzten Jahren. Um ein Haar wäre das benachbarte Skigebiet am Stürmer pleite gegangen, unter anderem deshalb, weil sich Eigentümer von Bergbaude und Skigebiet gegenseitig blockierten. Dazu kamen schneearme Winter. Dabei hat das Skigebiet die steilsten Abfahrten des Erzgebirges und ist gerade deshalb auch bei deutschen Wintersportlern sehr beliebt. Und wandermüde Ausflügler mussten ein ums andere Mal unverrichteter Dinge am Stürmer ohne Einkehr weiterziehen. Das einzige, was all die Jahre nicht fehlte, war die Sicht ins böhmische Land.

Hotel mit Sonnenterrasse und Sauna

Die Pläne von J&T Real Estate versprechen der lange vernachlässigten Baude eine Zukunft als Hotel und Restaurant. Das ist in Zeiten der Pandemie, unter der die Tourismusbranche besonders zu leiden hat, eine gute Nachricht, findet auch Jan Zelenka, der im nahen Mikulov (Niklasberg) eine Pension betreibt. „Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann die Baude zuletzt geöffnet war. Aber es wird höchste Zeit, dass etwas passiert. Ich hoffe, dass es der neue Eigentümer wirklich ernst meint und nicht wieder spekuliert“, sagt Zelenka.

Doch J&T Real Estate zeigt sich entschlossen: Sobald alle Genehmigungen eingeholt sind, sollen zunächst alle Veränderungen an Fassade und Dach rückgängig gemacht werden, teilt die Firma mit. Dann folgt ein Umbau der Innenräume einschließlich der Verlegung neuer Versorgungsleitungen. Auch die unpassende Asphaltfläche vor der Baude soll neu gestaltet werden.

„Durch die Sanierung entstehen zehn moderne Appartements. Bestandteil des Hotels werden auch eine Sauna und eine Sonnenterrasse“, sagt Jiří Ochetz, Marketing-Chef von J&T Real Estate. Außerdem wird das Restaurant mit 25 Plätzen innen sowie Plätzen auf der Terrasse wiedereröffnet. Das Restaurant soll wie einst nicht nur Hotelgästen dienen, sondern endlich auch wieder Tagesausflüglern.

Auch ein Schild im Skigebiet Stürmer weist darauf hin, dass das Hotel Bournak geschlossen ist.
Auch ein Schild im Skigebiet Stürmer weist darauf hin, dass das Hotel Bournak geschlossen ist. © Egbert Kamprath


Bis es so weit ist, müssen sich Touristen aber noch gedulden. Als Erstes werden sie sogar weniger sehen als bisher. Das Gebäude wird mit einer Holzverkleidung versehen, „damit das Haus bis zum Start der Sanierung nicht noch mehr Schaden nimmt“, so Sprecher Ochetz. Immerhin ist das Hotel dem rauen Erzgebirgsklima ausgesetzt. Der Berg heißt nicht umsonst im Tschechischen wie Deutschen Stürmer. Geht alles glatt, könnte die Baude laut Ochetz in vier Jahren eröffnet werden.

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