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Böhmische Schweiz wartet auf Touristen

Mit einem Mix aus Sorge und Zuversicht blickt Hřensko auf den Sommer; erste Hoteliers geben auf oder ihr Haus ab.

Jan Pecka gibt nach drei Jahren das alte Gaswerk wieder auf. Restaurant und Pension sollen aber der Corona-Schließung mit einem neuen Betreiber wieder öffnen.
Jan Pecka gibt nach drei Jahren das alte Gaswerk wieder auf. Restaurant und Pension sollen aber der Corona-Schließung mit einem neuen Betreiber wieder öffnen. © Petr Špánek

Für Zdeněk Pánek ist es ein Zeichen mit Symbolkraft: Während Tschechien noch die vierte Pandemiewelle mit vielen Toten in den Knochen spürt, schwimmen in der Edmundklamm bei Hřensko (Herrnskretschen) in der Böhmischen Schweiz romantisch die grünen Boote auf dem angestauten Wasser. Die Zahl derer, die sich ausgestattet mit Mundschutz den sonst so beliebten Ausflug gönnen, hält sich noch in Grenzen. Aber Bürgermeister Pánek sieht es so: „Für uns ist das auch ein Dienst an der Allgemeinheit. Auch wenn wir Minus machen, wir lassen die Boote fahren und das jeden Tag von 9 bis 18 Uhr.“ Dabei war das Haupthindernis für den traditionellen Saisonbeginn zu Karfreitag weniger die Coronapandemie, sondern der Borkenkäfer. Eine Vielzahl abgestorbener Bäume drohte in der Klamm umzufallen. Deswegen ließ die Gemeinde gemeinsam mit dem Nationalpark die Bäume vorsorglich fällen. Noch sind nicht alle gefällten Bäume abtransportiert. „Aber die Edmundklamm ist jetzt sicher. Die Wilde Klamm bleibt wegen der Fällungen allerdings noch mindestens einen Monat geschlossen“, sagt Pánek.

Nachdem am 12. April das Verbot aufgehoben wurde, sich außerhalb der Grenzen des eigenen Landkreises zu bewegen, keimt Hoffnung auf, dass wenigstens tschechische Touristen das Angebot der Gemeinde annehmen und einen Ausflug in die Klamm planen. Doch der Landkreis Děčín ist immer noch schwer von der Pandemie betroffen. Die Inzidenz letzte Woche von 373 Infektionen auf 100.000 Einwohner gehört zu den höchsten in ganz Tschechien.

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Gewagtes Unterfangen

Entsprechend leer ist es auch wochentags auf den Straßen. Doch während das Dorf nach außen hin wie ausgestorben erscheint, passiert hinter den Kulissen so einiges. Fünf Pensionen wechseln derzeit den Besitzer. Unter den Verkäufern ist auch Jan Pecka. Gerade erst hatte er das alte Gaswerk (Stará Plynárna) aufwendig saniert, umgebaut und erweitert, da trennt er sich schon wieder davon. „Die monatelange Schließung ist frustrierend. Aber vor allem hatte ich Zeit, über das Leben nachzudenken“, begründet Pecka den Sinneswandel. „Ich hatte ohnehin vor, mich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Nur wegen des Gaswerks hatte ich meine Meinung noch einmal geändert. Das ist ein besonderes Objekt.“

Nun kam der Rückzug früher als gedacht. Immerhin bekommt er das Gaswerk fast zu seinem Wunschpreis von über einer Million Euro verkauft. Neue Eigentümerin wird eine Pragerin. Das originelle Restaurant und die Pension sollen weitergeführt werden, sobald ein Betreiber gefunden ist. „Ich habe schon einen in der engeren Auswahl. Mir ist natürlich an einer Fortsetzung gelegen, nachdem ich drei Jahre meines Lebens in das Haus gesteckt habe“, sagt Pecka. Außerdem bleibt der Rumburker mit einem Bein in Hřensko, wo er letztes Jahr eine Pension übernommen hat. „Die wird aber mit deutlich weniger Aufwand ganz ohne Restaurantbetrieb laufen“, sagt er.

Auch die anderen vier Pensionen sollen fortgeführt werden. Sie gehören alle einer Person, die sich nach gut 20 Jahren im Geschäft zurückziehen will. Zwei Pensionen sind zumindest schon verkauft.

In diesen Zeiten eine Pension zu übernehmen, ist gewagt. Erst recht, eine neue zu eröffnen. Petr Kotyza hat aber genau das letzten Herbst getan. Doch nach nur drei Tagen musste die Pension Jitřenka (deutsch: Morgenstern) wegen der gestiegenen Infektionszahlen wieder schließen. „Wir mussten Buchungen im Wert von 15.000 Euro abschreiben. So was schmerzt“, sagt Kotyza. Vor allem, wenn man zwei Jahre Sanierung hinter sich hat und endlich mal Geld verdienen muss. „Für die Beschäftigten gibt es Geld aus dem Kurzarbeitsprogramm, aber das ist nicht so großzügig wie in Deutschland. Außerdem habe ich Unterstützung für die Fixkosten beantragt, aber das ist umständlich. Meine Familie kann zum Glück noch vom Ersparten leben“, zählt Kotyza auf, wie er über die Runden kommt.

Als Pension gebaut

Er hat das schon stark beschädigte Haus vor drei Jahren mit einem Partner übernommen. „Wir hatten damals unsere erfolgreiche Baustofffirma in Ústí an einen größeren Konkurrenten verkaufen können“, erzählt er. Das Objekt aus dem Jahr 1927 hatte es ihm angetan. Es wurde als Pension gebaut und blieb das auch nach 1945. Nur der Name änderte sich in Jitřenka, was auf Deutsch Morgenstern heißt. „Wir wollten seinen historischen Charakter erhalten und zugleich den Standard in Hřensko heben“, formuliert Kotyza seinen Anspruch. Dazu kommt die Lage. Die Pension gehört zu den wenigen, die direkt im Elbtal liegen. Die meisten Hotels und Pensionen in dem Grenzort konzentrieren sich dagegen im Ortskern im Tal der Kamenice (Kamnitz).

„Klar, tagsüber ist hier Autoverkehr. Aber der flaut irgendwann ab und dann haben Sie diesen Blick auf die Elbe und die Felsformationen in der Sächsischen Schweiz. Den genieße ich wie am ersten Tag“, gesteht Kotyza mit unverminderter Begeisterung. Noch mehr würde ihn allerdings freuen, wenn er endlich mit dem Gästebetrieb starten könnte. Geht es nach den Reservierungen, sind die Aussichten rosig. „Ab Juni sind wir schon zu 70 Prozent ausgebucht.“

Ob die Buchungen auch wirklich eingelöst werden, ist aber noch sehr fraglich. Tschechien hat schon die vierte Welle hinter sich und beginnt vorsichtig zu öffnen. Da die Impfungen jedoch erst ähnlich weit sind wie in Deutschland, könnten die Ansteckungen wieder steigen. Kotyza ist da optimistischer: „Ich habe das Gefühl, dass die meisten bei uns schon Covid hatten. Da gibt es kaum noch Möglichkeit, sich anzustecken“, sagt er, der selbst bisher um die Krankheit herumgekommen ist. Schon jetzt steht aber fest, dass der grenzüberschreitende Tourismus erst allmählich zurückkehren wird. „Im Sommer ist bei uns verkehrte Welt. Die Mehrheit der Buchungen sind aus dem Inland, weil viele Tschechen in diesem Jahr auf einen Auslandsurlaub verzichten. Im Herbst hatten wir noch zwei Drittel deutsche Buchungen“, sagt Kotyza und ergänzt: „Ich hoffe, die Deutschen kommen spätestens im September wieder zurück.“

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