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Wie das Isergebirge in die Vase kommt

Floristin Jana aus Jablonec findet für ihre Blumensträuße alles, was sie braucht in ihrer Heimat.

Floristin Jana Krupová nutzt für ihre Sträuße nur heimische oder im Isergebirge gezüchtete Pflanzen.
Floristin Jana Krupová nutzt für ihre Sträuße nur heimische oder im Isergebirge gezüchtete Pflanzen. © Petra Laurinova

Durch eine persönliche Krise fasste Jana Krupová den Mut, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Das war kurz vor der Corona-Krise. Die 37-jährige Ökologin aus dem tschechischen Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) wollte nicht mehr nur über Umweltschutz sprechen und Menschen darin unterrichten, sie wollte auch nach diesen Regeln leben. Also verließ die junge Mutter ihren Posten im Zentrum für ökologische Bildung im Liberecer Tiergarten und machte sich selbstständig. Der Wunschberuf: Floristin. In ihre Sträuße kommen allerdings nur Blumen, die im heimischen Isergebirge wachsen oder die sie dort selber züchten kann.

„Es ist eine richtige Sehnsucht. Schon immer hat es mir großen Spaß gemacht, die Erde unter den Fingern zu spüren – wie auch meiner Mama und Oma“, erzählt sie. Doch Jana Krupová machte keine entsprechende Ausbildung zur Gärtnerin oder Floristin. Zunächst studierte sie Geobotanik, später Sozialwesen. Die Pflanzen als Forschungsmaterial unter dem Mikroskop zu beobachten, war aber nicht das Richtige für sie. Blumen hat sie lieber für die Vase gepflückt und Kräuter für einen Tee gesammelt. Auch die ökologische Bildung, der sie sich dann jahrelang widmete, fand sie zum Schluss zu viel theoretisch. Jetzt lebe sie endlich nach eigenen Vorstellungen, wie die Tschechin schwärmt.

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Im Einklang mit der Natur

„Ich lasse in meinem Garten nur das wachsen, was die Menschen hier schon immer angepflanzt haben“, sagt die begeisterte Frau entschieden. Die Idee basiere auf den Grundlagen der Permakultur. Es handelt sich um eine Planungs- und Entwurfsmethode, die ein Überleben im Einklang mit der Natur ermöglichen soll. Dabei stehen die vielfältigen Funktionen einzelner Elemente und ein Kreislaufsystem im Mittelpunkt. Im optimalen Fall kann man mit etwas Geduld und relativ wenig materiellem Aufwand einen hohen Ertrag erzielen – und das nachhaltig und umweltschonend. Doch so arbeiten nur wenige Gärtner, Landwirte und Blumenzüchter.

Derzeit stammen gut 80 Prozent aller verkauften Schnittblumen aus Afrika und Südamerika. Da es für Pestizide in Schnittblumen keine Grenzwerte gibt und weil die Blumen auch den langen Weg zum Kunden überstehen müssen, wachsen sie mit viel Chemie heran. Die Möglichkeit, den Menschen etwas anderes anzubieten und ständig inmitten von Blumen zu leben, hat Jana begeistert. Sie veränderte ihren Garten, legte kleine Blumenfelder an.

Die selbst ernannte Isergebirgsgärtnerin Jana hat ihren Zaubergarten an der Jablonecer Talsperre. Die steile Wiese am Rande des Waldes hatte sie schon vor einigen Jahren gekauft, kurz bevor die erste Tochter zur Welt kam. „Ich fühlte damals ganz intensiv, dass ich einen grünen Fleck brauche“, erzählt sie. Die Hanglage schafft Herausforderungen: Ihre Kaskadenbete mit Blumen werden darum von schweren Granitsteinen gestützt.

Holzhütte im Sommer

Die Töchter, die sechsjährige Evièka und die zwei Jahre ältere Majda sind mittlerweile fleißige Helferinnen. Auf dem Grundstück steht eine neue Werkstatt. Die Floristin und ihre Mädchen nutzen im Sommer zudem eine kleine fast hundert Jahre alte Holzhütte, die auf dem Gipfel des Grundstücks versteckt ist. Ohne Strom und ohne Gas. Das Wasser läuft nur aus einem Hahn im Garten. Der Platz im Inneren ist knapp – reicht für die drei Betten, einen Tisch und einen Ofen. „Wir haben aber einen kühlen Keller, der für die Lagerung der Blumen ideal ist“, zeigt Jana auf eine Klappe im Fußboden. Jana nutzt Blumen aus eigener Zucht. 

Sie pflückt sie aber auch im Wald, auf den Isergebirgswiesen oder bei Bächen – in Deutschland wäre das nicht möglich. Da dürfen Wildpflanzen nur für den eigenen Bedarf gesammelt, nicht aber verkauft werden. „Zu jeder Jahreszeit verändert sich das Angebot in der Natur“, freut sich die Floristin. Sie kennt sich gut aus und weiß genau, wo Ranunkeln, Kamillen, Lein oder Kornblumen zu finden sind. „Dann binde ich alles zusammen und genieße die Vielfalt der einmaligen Kombinationen. Alles ist frisch und duftig“, erzählt sie.

Verkauf im Garten geplant

Jana Krupová ist mit ihren Kunden über soziale Netzwerke im Internet in Kontakt und mit ihren wilden Isergebirgssträußen fasziniert sie die Menschen auf Märkten. Sie möchte die Blumen bald auch direkt in ihrem Garten verkaufen. „Die Besucher können sich dann die Pflanzen selbst aussuchen und einen Kaffee trinken, während ich die frischen Blumen nach ihren Vorstellungen binde“, schildert sie ihre Pläne. Im Winter macht die Blumenfreundin übrigens Sträuße und Kränze aus trockenen Gewächsen, vor allem in der Vorweihnachtszeit. Zudem bietet sie seit sieben Jahren Kreativkurse für Frauen an.

Ökologische Blumenfarmen sind übrigens auch in Jesenné (Jesen), einer Gemeinde im Bezirk Semily sowie in Jindřichovice pod Smrkem (Heinersdorf an der Tafelfichte) entstanden. Ihre Besitzerinnen sehen sich nicht als Konkurrenten, sie unterstützen und inspirieren sich gegenseitig. Und haben einen gemeinsamen Wunsch: Die Leute sollten ihr Lebenstempo etwas bremsen, um die Natur wieder wahrzunehmen.

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