merken
PLUS Politik

Kehrt Tschechiens Ex-Präsident zurück?

Buchmacher haben Vaclav Klaus für die Präsidentenwahl in zwei Jahren längst auf der Rechnung. Die Corona-Krise könnte für ihn ein Sprungbrett sein.

Tschechiens Ex-Präsident Vaclav Klaus könnte bei der Präsidentenwahl in zwei Jahren noch einmal antreten.
Tschechiens Ex-Präsident Vaclav Klaus könnte bei der Präsidentenwahl in zwei Jahren noch einmal antreten. © Ondøej Deml/CTK/dpa

Von unserem Korrespondenten Hans-Jörg Schmidt in Prag

Solche Töne hatte Vaclav Klaus (79) schon lange nicht mehr gehört. Als der frühere tschechische Präsident jüngst auf einer Protestdemonstration in Prag vor geschätzt 3.000 Gegnern des Regierungskurses gegen die Corona-Pandemie sprach, riefen ihm ein paar Enthusiasten zu: „Vašek na Hrad!“ (Vašek auf die Burg!).

In einem Radio-Interview später gab sich „Vašek“ Klaus zwar ahnungslos: „Es gab da viele Sprechchöre, ich habe das alles gar nicht verstanden.“ Aber auf wiederholte Nachfrage der Moderatorin, ob er denn noch einmal für das höchste Amt kandidieren wolle, sagte er schließlich, hörbar geschmeichelt: „In der Politik sollte man nie nie sagen“. Derzeit plane er aber erst einmal, seinen ältesten Sohn und dessen konservative Splitterpartei unterstützen zu wollen, damit die ins neue Parlament einziehen könnten.

Buchmacher haben Klaus für die Präsidentenwahl in zwei Jahren längst auf der Rechnung. Mit einer Quote von 5,5 zu 1 liegt er an zweiter Stelle der Favoriten hinter dem derzeitigen Ministerpräsidenten Andrej Babiš. Im Herbst wurden Klaus noch deutlich weniger Chancen eingeräumt, lag sein Kurs bei 15 zu 1.

Anzeige
Den Wissensdurst zu Hause stillen
Den Wissensdurst zu Hause stillen

Die vhs Görlitz trotzt Corona mit kostenlosen Online-Vorträgen.

Klaus hat zwar schon zwei Amtszeiten als Präsident hinter sich (2003 bis 2013). Doch seinerzeit galt ein anderes Wahlrecht: Der Präsident wurde damals von den Abgeordneten und Senatoren gewählt. Danach erst ging Tschechien zur Direktwahl des Staatschefs durch das Volk über. Diese Änderung würde es ihm ermöglichen, noch einmal auf die Prager Burg zurückzukehren.

Wie ernst man die Ambitionen von Klaus nehmen muss, steht auf einem anderen Blatt. In dem Radio-Interview meinte er unter anderem, dass vom künftigen US-Präsidenten Joe Biden nicht so wahnsinnig viel zu erwarten sei, weil der schlichtweg schon in die Jahre gekommen sei. Biden ist aber ein Jahr jünger als Klaus. Klaus wäre bei seinem Amtsantritt 2023 81 Jahre und am Ende seiner Amtszeit 86 alt. Daran ändert nicht, dass sich der einstige Basketball-Nationalspieler fit hält, etwa mit Tennis.

Dass Klaus mit der neuerlichen Kandidatur spielt, hat mit seinem Wesen zu tun. „Ich habe mich schon als Schüler immer mit meinen Lehrern gestritten, weil ich überzeugt davon war, Recht zu haben“, schrieb er rückblickend in einem Lebenslauf. Und er kann nicht ohne Politik sein. Seit seinem Präsidentschaftsende 2013 führt er im mondänen Prager Villenviertel Hanspaulka einen konservativen Think tank, schreibt ein Buch nach dem anderen und tritt bereitwillig auf Veranstaltungen der AfD auf, deren Ansichten er weitgehend teilt. Er rühmt sich der Freundschaft mit Marine Le Pen, bestreitet den Klimawandel als eine „kommunistische Verschwörung“, lobt die Annexion der Krim durch Russland und wird nicht müde, die Europäische Union als Teufelswerk unter der Fuchtel der Deutschen zu bezeichnen.

Klaus lehnt Corona-Maßnahmen ab

Über Corona hat er auch schon zwei Bücher geschrieben. Tenor: Die Maßnahmen gegen das Virus haben schlimmere Auswirkungen als das Virus selbst. Dem kann man, wenn man mag, zustimmen, sagen selbst seine Gegner. Doch sie werfen Klaus vor, seine immer noch vorhandene Autorität zu missbrauchen. Gesundheitsminister Jan Blatný reihte ihn unter die „schlimmsten Verschwörungstheoretiker“ ein.

Auf der Prager Demonstration lehnte er es ab, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Er befürwortete stattdessen eine Durchseuchung der Bevölkerung. „Früher sind in einer Epidemie die Kranken isoliert worden, heute sind die Gesunden isoliert“, sagte er. Dabei ignorierte er, dass Kranke auch schon vor der Erkennung als solche andere Menschen infizieren können.

Im Radio-Interview geriet er völlig aus dem Häuschen über Forderungen von einheimischen Politikern, in der komplizierten Corona-Lage Tschechiens die Nachbarn, etwa die Deutschen, um Hilfe zu bitten: „Eine größere Form der Erniedrigung eines Tschechen kann es gar nicht geben“, sagte Klaus. Bewusst polarisierende Aussagen mit nationalistischem Anstrich, mit denen Klaus seine Chancen für eine Wiederwahl auslotet.

Weiterführende Artikel

Corona: Hilfe für Tschechiens Skigebiete

Corona: Hilfe für Tschechiens Skigebiete

Ob Jeschken, Iser- oder Riesengebirge: Die Betreiber mussten die Pisten inzwischen wieder schließen - wegen Corona. Nun sollen sie unterstützt werden.

Tschechien will Corona-Tests für Pendler bezahlen

Tschechien will Corona-Tests für Pendler bezahlen

Tschechische Pendler, die nach Sachsen kommen, brauchen wöchentlich einen Corona-Test. Die Kosten dafür will der tschechische Staat übernehmen.

Tschechien zahlt den Preis für großzügige Festtage

Tschechien zahlt den Preis für großzügige Festtage

Die Infektionszahlen in Sachsens Nachbarland steigen deutlich an, Krematorien sind am Limit - manche auch darüber hinaus.

Tschechien geht wieder in den harten Lockdown

Tschechien geht wieder in den harten Lockdown

Das Nachbarland fährt das Leben nach Weihnachten erneut herunter. Die höchste Gefahrenstufe dort führt zu massiven Einschränkungen.

Welche Folgen das alles in den nächsten Umfragen unter der Wählerschaft haben, muss abgewartet werden. Fakt ist, dass der Widerstand unter den Tschechen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung wächst. Seit drei Tagen sinken die Zahlen der Infizierten in Tschechien gegenüber der Vorwoche, wenngleich sie sich immer noch auf einen höheren Niveau als in Deutschland befinden. Doch auch die Infektionsraten speziell in den Grenzregionen zu Sachsen und Bayern gehen zurück. Das erhöht den Druck der Bevölkerung auf die Regierung, die Maßnahmen erneut zu lockern - was bislang jedoch immer nachteilige Folgen hatte.

Mehr zum Thema Politik