merken
PLUS Zittau

Bienen bauen an diesem Lampenschirm mit

Ein Student aus Liberec nutzt Insekten, um Leuchten aus Wachs zu fertigen. Dafür erhielt er jetzt einen Preis. Sein Produkt nützt auch Imkern.

Die Lampe aus Bienenwachs wurde teils von Bienen gefertigt.
Die Lampe aus Bienenwachs wurde teils von Bienen gefertigt. © E. Seibert

Bienen als Bestäuber in der Landwirtschaft, als Honigproduzenten, als Nahrung für Vögel – der Nutzen der kleinen Insekten ist unbestritten. Bienen als Lampendesigner – das ist neu. Doch im tschechischen Liberec (Reichenberg) tun die schwarz-gelben Winzlinge genau das. Und derjenige, der sich die Dienste der Bienen zunutze macht, der Student Eduard Seibert, hat dafür nun einen von sechs Preisen für eine gelungene Neugründung im Jahr 2020 erhalten. Er gehörte zu elf Finalisten eines Wettbewerbs der Liberecer Hochschule. Insgesamt wurde an sie ein Preisgeld von knapp 274.000 Kronen verteilt. Wie viel Seibert erhält, wurde nicht mitgeteilt.

Er hat eine Leuchte entwickelt, an deren Herstellung hunderte Arbeitsbienen mitgewirkt haben. Seibert studiert an der Fakultät für Kunst und Architektur der Technischen Universität Liberec. Fünf Jahre lang habe er an dem Projekt getüftelt. „In dieser Zeit habe ich verstanden, wie wichtig Bienen für das Ökosystem sind“, sagt er. Parallel widmete er sich in seiner Abschlussarbeit der Auswirkung von künstlichem Licht auf den menschlichen Organismus. Nun führt er an der Fakultät sein Promotionsstudium fort.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Der Student Eduard Seibert aus Liberec gewann für seine Leuchte einen Preis.
Der Student Eduard Seibert aus Liberec gewann für seine Leuchte einen Preis. © TU Liberec

Anfangs ging es Eduard Seibert um die Form. Er wollte Waben für die Leuchte mittels 3-D-Druck herstellen. Doch dann entschied er sich, die Natur mitwirken zu lassen. Dafür werde eine Matrize aus mit Bienenwachs zusammengeklebten Teilen als Zwischenwand in den Bienenstock eingesetzt. Die Bienen bearbeiten sie solange mit ihren Fresswerkzeugen, bis sie ganz dünn sei. Danach versteifen sie die Fläche mit einer hauchdünnen transparenten Masse.

Man müsse das zum richtigen Zeitpunkt in Gang bringen, sonst seien die Bienen mit der Wabenarbeit für das Jahr schon fertig. Dann dauere es ein ganzes Jahr, bis sie wieder ans Werk gehen. Die Zwischenwand sei rechtzeitig zu entnehmen, also bevor sie mit zu viel Honig gefüllt ist. „Den Bienen schadet das nicht. Dennoch stehen uns noch viele Untersuchungen bevor“, schildert der junge Künstler. In einem einzigen Bienenstock können jährlich bis zu drei Leuchten entstehen. Noch dieses Jahr möchte Seibert, unter dem Markennamen „Beehive“ (deutsch: Bienenkorb) um die Hundert Stück produzieren. Jede Lampe sei ein Original, Form und Farbe seien niemals gleich.

Damit das Wachs nicht schmilzt, darf das Licht nicht wärmer als 62 Grad Celsius werden. Deshalb wählte Seibert eine LED-Diode mit zwei Watt als Quelle. Sobald das Produkt die technische Zulassung erhalten habe, werde es in einem Prager Präsentationsraum, den Seibert mit einigen Glas- und Schmuckkünstlern in der Nähe des Nationalmuseums vorbereitet, erhältlich sein. „Der Preis wird bei etwa 8.000 Kronen (rund 310 Euro) liegen“, kündigt er an.

Ein Teil des Erlöses komme den Imkern zugute, damit sie zum Beispiel den Bienen ein Überwintern aus eigenem Honigvorrat gewähren können, um so ihre Widerstandsfähigkeit und Vitalität zu steigern. Dadurch könne auch die Anzahl der Imker wachsen und Seibert wolle selbst mit der Bienenzucht beginnen. „Der europaweite Bienenschwund ist alarmierend, mancherorts ging die Zahl der Insekten um 80 Prozent zurück“, warnt Eduard Seibert. Derzeit arbeitet er mit drei Imkern zusammen, mit dem Preisgeld für seine Gründung wolle er sich dieses Jahr eigene Bienenstöcke anschaffen.

„Das Ziel des Wettbewerbs, der zum sechsten Mal stattfand, ist es, den Unternehmergeist an der Universität anzuregen“, erklärt Hochschulsprecher Radek Pirkl. Dieses Mal seien 19 Projekte eingereicht worden, elf davon kamen ins Finale. Der mit 60.000 Kronen dotierte Hauptpreis ging an einen ökologischen Blumentopf aus abgefallenen Blättern, den zweiten Preis gewann ein besonderer Hühnerstall.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau