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Tätowiererin wirbt für Liberec

Die Stadt will 2028 Europäische Kulturhauptstadt werden. Zwölf Prominente unterstützen das Vorhaben.

Von Petra Laurin
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Anna „Anuka“ Marková, Tätowiererin aus Liberec, ist Botschafterin für die Bewerbung der Stadt um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“.
Anna „Anuka“ Marková, Tätowiererin aus Liberec, ist Botschafterin für die Bewerbung der Stadt um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. © Stadt Liberec

Normalerweise bringt Anna „Anuka“ Marková mit filigranen Nadeln Farbe auf die Haut von Menschen. Die Tschechin ist Tätowiererin. Nun wurde sie ausgewählt, um den Unterstützerkreis für die Bewerbung der tschechischen Stadt Liberec (Reichenberg) um den Kulturhauptstadt-Titel bunter zu machen. Sie ist eine von zwölf Botschaftern und Botschafterinnen für dieses Vorhaben. Für 2028 hat Liberec sein Interesse angekündigt. Auch Brno (Brünn), Broumov (Braunau) und České Budìjovice (Budweis) wollen ihren Hut in den Ring werfen. Liberec möchte bei der Bewerbung eng mit Zittau zusammenarbeiten, die mit ihrer Kandidatur für die Europäische Kulturhauptstadt 2025 scheiterte.

Die Botschafter sollen der Stadt bei der Kampagne um den Titel behilflich sein. Dabei setzt man auf bekannte und angesehene Persönlichkeiten, die aber die Vielfalt der Region widerspiegeln sollen. Ihre Hauptaufgabe wird es sein, die Stadt und ihre Visionen bekannt zu machen, gern weltweit, wie es aus der Verwaltung heißt.

Anuka Marková war früher Schauspielerin am städtischen Theater. Doch inzwischen ist sie hauptberuflich als Tätowiererin tätig und Mitinhaberin des Rasg-Tattoo-Studios in Liberec. Sie hat zudem bislang dreimal als Model bei Tattoo-Wettbewerben gewonnen. Sie interessiert sich für Street-Art (moderne Straßenkunst), besucht Ausstellungen von unbekannten Underground-Künstlern und möchte in Liberec eine Ausstellung mit Werken verschiedener Street-Art-Künstler organisieren.

Auch weitere Botschafter haben sich bereits Gedanken gemacht. Darunter sind Christina Winkelbauer-Kelly, die Urenkelin des Grafen Franz Clam-Gallas aus London, und die Modedesignerin Kamila Boudová, die in Liberec studierte und jetzt das Fach „Nachhaltige Mode“ in Paris unterrichtet. Auch der Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor, Jaroslav Rudiš, der auch in deutscher Sprache schreibt und in Berlin lebt, bringt sich ein. Rudiš stammt aus Turnov (Turnau), hat in Liberec studiert und 2002 in Berlin seinen ersten Roman „Der Himmel unter Berlin“ veröffentlicht.

Weitere Botschafter sind der Architekt Osamu Okamura, Dekan der Fakultät für Kunst und Architektur an der Technischen Universität von Liberec sowie Leon Jakimič, der Gründer und Inhaber der Glasfirma Lasvit, deren Installationen weltweit zu finden sind. Auch über die Musik sollen die Liberecer Visionen bekannt gemacht werden. Dafür sorgen soll mit Hubert Bittman ein tschechischer Komponist deutscher Abstammung. Er hat unter anderem Musik für Filme wie „Das Goebbels-Experiment“ und „Lieber Onkel Hitler – Briefe an den Führer“ geschaffen. 2009 hat er den Musikpreis Grammy als Produzent eines Jazz-Albums gewonnen; er ist der einzige tschechische Grammy-Preisträger bislang.

Verein "Liberec 28" gegründet

Es sind Persönlichkeiten wie Bittman, auf die man in Liberec setzt. Es gehe um Menschen „mit einer starken Biografie, die in Tschechien sowie im Ausland bekannt und tätig sind“, sagt Ivan Langr, Bürgermeister für Kultur und Schulwesen.

Um viele einzubinden, hat die Stadt vor Kurzem den Verein „Liberec 2028“ gegründet, der die Kampagne koordinieren wird. Man zählt dabei auch fest auf die Zusammenarbeit mit den Partnerstädten Zittau und Augsburg. „Wir bieten allen Partnern eine Mitwirkung am Programm an. Die positive Wirkung wird natürlich viel breiter sein und fällt dann nicht nur auf unsere Stadt“, sagt Ivan Langr.

Das Vorhaben soll auch bei der Bevölkerung ankommen, Aktivität und individuelle Kreativität wecken, wie sich Langr wünscht. Das Hauptziel sei es, die Menschen zu begeistern, sie in die Entwicklung einzubinden. Denn letztlich solle alles die Lebensqualität in Liberec verbessern. Oberbürgermeister Jaroslav Zámečník will seine Stadt in ganzer Breite voranbringen – „in der Kultur, der Bildung, in Sport und Tourismus, bei Innovation und Digitalisierung von Dienstleistungen“. Es gehe auch um die Stärkung der Gemeinschaft.

Bislang trugen zwei tschechische Städte den Titel "Europäische Kulturhauptstadt". Im Jahr 2000 war es Prag, 2015 folgte Pilsen. Für beide bestätigten die Verwaltungen, dass der Titel dazu beigetragen hat, dass sich die Bewohner am kulturellen Leben deutlich mehr beteiligten, gleichzeitig wurde ein vielfältigeres Angebot an Gemeinschaftsaktivitäten geschaffen, an denen verschiedene Zielgruppen interessiert waren. Die Städte begrüßten auch eine Rekordzahl von Touristen und dieser Trend habe für mehrere Jahre angehalten, heißt es. Zusätzlich sei die Initiative eine hervorragende Gelegenheit zur Stadterneuerung und Stärkung des internationalen Images.

Der Titel der europäischen Kulturhauptstadt wird von der EU jährlich an zwei Städte aus verschiedenen Mitgliedsländern verliehen. 2025 ist Chemnitz für Deutschland am Start. 2029 ist Polen ausersehen, eine Kulturhauptstadt zu stellen. 2016 trug bereits Wroclaw (Breslau) den Titel; das Jahr der Oderstadt gilt als eines der erfolgreichen in der Geschichte der Kulturhauptstädte. 2028 darf neben Tschechien auch Frankreich eine Kulturhauptstadt stellen. Wer es wird, ist noch offen.