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Wie Liberec Kulturhauptstadt werden will

Die Stadt in Nordböhmen bereitet sich auf ihre Bewerbung für 2028 vor. Dabei sollen auch bekannte Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland helfen. Und Zittau.

Der Blick vom Turm des Rathauses auf Liberec.
Der Blick vom Turm des Rathauses auf Liberec. © Petra Laurin

Die Stadt Liberec (Reichenberg) will in sieben Jahren Kulturhauptstadt Europas sein. Deshalb sucht sie schon jetzt in der Heimat und bei ausländischen Städten wie Zittau und Augsburg nach Unterstützern. Ihr Angebot: Eine Zusammenarbeit beim Programm. "Die positive Wirkung wird natürlich viel breiter sein und fällt nicht nur auf unsere Stadt zurück", sagt Ivan Langr, der in Liberec für Kultur und Schulwesen verantwortlich ist.

Der Kulturhauptstadt-Titel soll die Vielfalt und Zusammengehörigkeit Europas zeigen. Den verleiht die Europäische Union seit 1985 jedes Jahr. Damit werden Städte und Regionen ausgezeichnet, die durch partizipative und nachhaltige Konzepte ihre kulturellen Besonderheiten erfahrbar machen. "Wir sind vorbereitet, diesen Weg zu gehen", sagt Bürgermeister Jaroslav Zámečník. "Manchmal ist der schon das Ziel." Die grundlegende Vision des gesamten Projekts sei daher, die kulturelle Strategie der Stadt zu erfüllen.

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Bunte Botschafter

Die Bevölkerung soll an der Entwicklung teilhaben, um die Lebensqualität in Liberec zu verbessern. "In Kultur, Bildung, Sport, Tourismus, Stärkung der Gemeinschaft, Innovation und Digitalisierung von Dienstleistungen sowie bei Ausübung bürgerlicher und sozialer Rechte", erklärt der Bürgermeister. Der gemeinsame Nenner aller 55 Städte, die seit 1985 den Titel der Kulturhauptstadt Europas erhalten haben, sei die Idee der Europäischen Union. "Das heißt Reichtum und Vielfalt der Kulturen Europas aufzeigen und das Zugehörigkeitsgefühl zu einem gemeinsamen Kulturraum stärken - das ist der Weg, den wir absolvieren möchten", so Jaroslav Zámečník.

Bei der Kandidatur setzt Liberec auf zwölf Botschafter, um das Vorhaben bekannt zu machen. "Es handelt sich um Persönlichkeiten mit einer starken Lebensgeschichte, die in Tschechien sowie im Ausland bekannt und tätig sind", sagt Ivan Langr. "So vielfältig die Gruppe der Botschafter ist, so bunt wird auch die Kandidatur." Die erste Hälfte ist bereits bekannt, die restlichen sechs möchte Liberec im Mai vorstellen.

Für die Kandidatur will sich zum Beispiel Christina Winkelbauer Kelly engagieren, die Urenkelin des Grafen Franz Clam-Gallas aus London oder die Modedesignerin Kamila Boudová, die in Liberec studierte und jetzt die nachhaltige Mode in Paris unterrichtet. Der Aufgabe nahm sich auch der Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Jaroslav Rudiš an, der auch in deutscher Sprache schreibt und in Berlin lebt. Sowie der Architekt Osamu Okamura, Dekan der Fakultät für Kunst und Architektur an der TU Liberec. Weiterer Botschafter ist LeonJakimič, Gründer und Inhaber der Glasfirma Lasvit, deren Installationen weltweit zu finden sind. Nicht zuletzt über die Musik soll geworben werden. Dafür setzt sich Hubert Bittman ein, tschechischer Komponist deutscher Abstammung und Besitzer des Grammy Awards 2009.

Unterstützung vor Ort

"Schon lange behaupte ich, dass Kultur- und Kunsterziehung die Gabe haben, bessere Seiten an Menschen zu öffnen", meint Ivan Langr. Auch laut der Ratsherrin für Kultur, Fremdenverkehr und Denkmalpflege bei der Region Liberec, Květa Viklátová, wird das Kulturangebot der Stadt Liberec stets reicher und bunter. "Wir haben bei der Kandidatur eine große Chance, erfolgreich zu sein", sagt sie. Hauptmann Martin Půta meint, der Titel wäre für die Stadt eine tolle Werbung und ein Marketingmagnet. Die erste Idee für Kandidatur entstand vor zweieinhalb Jahren. "Ende 2020 begannen wir uns mit der Kulturstrategie und Planung zu befassen", berichtet Ivan Langr. Als einziger Gegenkandidat ist zurzeit Brno bekannt.

Im Wettbewerbsverfahren um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" in Deutschland hatte sich Chemnitz durchgesetzt. An dem nahm auch Liberec' Partnerstadt Zittau teil. In Tschechien gewann den Titel 2000 Prag und 2015 Pilsen. Beide Städte bestätigten, dass er dazu beitrug, dass sich die Bewohner deutlich mehr an dem kulturellen Leben beteiligten. Gleichzeitig entstand ein vielfältigeres Angebot an Gemeinschaftsaktivitäten, an denen verschiedene Zielgruppen interessiert waren. Die Städte verzeichneten auch eine Rekordzahl von Touristen - ein Trend, der mehrere Jahre anhielt. Zusätzlich bedeutet der Titel eine hervorragende Gelegenheit, um die Stadt zu erneuern und das internationale Image zu stärken.

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