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Corona: Region Liberec ist jetzt Risikogebiet

Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für die Grenzregion ausgesprochen. Wie geht's nun weiter?

Die Grenzübergänge - hier von Seifhennersdorf nach Varnsdorf - sind frei passierbar, es gibt keine Grenzkontrollen.
Die Grenzübergänge - hier von Seifhennersdorf nach Varnsdorf - sind frei passierbar, es gibt keine Grenzkontrollen. © Matthias Weber/photoweber.de

Eines stellt Alfred Klaner von der Bundespolizei gleich klar: "Von Grenzschließungen ist aktuell keine Rede hier bei uns." Auch gezielte Grenzkontrollen seien derzeit nicht vorgesehen seitens der Bundespolizei. Das sei die aktuelle Festlegung, die sich aber jederzeit ändern könne. Nachdem die Infektionszahlen im Nachbarland wieder gestiegen sind, gelten jetzt tschechische Gebiete entlang der deutschen Grenze als Corona-Risikogebiet. Das geht aus der am Mittwochabend aktualisierten Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Das Auswärtige Amt hat für diese Region auch eine Reisewarnung ausgesprochen.

"Wir werden nun nicht jedes Fahrzeug, das aus Tschechien kommt, kontrollieren", sagt Alfred Klaner. Wenn aber im Rahmen der üblichen Kontrollen die Beamten feststellen, dass jemand aus Tschechien kommt, werden sie auch weiter nachfragen. "Im Zweifel muss derjenige dann nachweisen, wo er genau gewesen ist, zum Beispiel mit Hotel- oder Tankquittungen", so Alfred Klaner. Denn an der Grenze im Dreiländereck ist die Lage besonders ungewöhnlich: Während der Kreis Liberec von der deutschen Regierung zum Risikogebiet erklärt wurde, gilt der benachbarte Kreis Usti nicht als solches. Beide Kreise grenzen direkt an Deutschland an. So sind beispielsweise die Grenzorte im Oberland, wie Varnsdorf, Rumburk, Jirikov nicht betroffen. Sie liegen im Kreis Usti. Die Orte, die ans Zittauer Gebiet angrenzen, zum Beispiel Hradek (Grottau) oder Krompach (Krombach) liegen allerdings im Liberecer Kreis und sind damit Risikogebiet.

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Die Reisewarnung ist kein Verbot. Sie soll aber abschrecken. Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen. Das gilt selbst nach einem Tagesausflug. "Wir weisen die Bürger darauf hin, dass sie sich gut überlegen sollten, wo sie jetzt hinfahren. Sie müssen damit rechnen, dass sie entweder nachweisen müssen, wo sie waren oder sich in Quarantäne begeben müssen, wenn sie aus Tschechien einreisen", erläutert der Bundespolizeisprecher. Das sei auch deshalb wichtig, weil die Bezirke Usti und Liberec direkt nebeneinander liegen. So könnten Deutsche ja in Liberec gewesen sein, aber über einen Grenzübergang aus dem Gebiet Usti zurückkehren. 

Wer trifft Entscheidung zu Risikogebieten?

Warum aber dieser Unterschied zwischen Usti und Liberec? Die Einteilung, welche Regionen zum Risikogebiet erklärt werden, nehmen das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Innenministerium nach einer gemeinsamen Analyse vor. Das Robert-Koch-Institut erklärt die Vorgehensweise: Zunächst werde analysiert, in welchen Staaten oder Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. "Die Fallzahlen sind aber nicht das einzige Kriterium", erklärt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin beim RKI. Auch bei Regionen, wo die Fallzahlen unterschritten werden, prüfen die Ministerien, ob das Infektionsrisiko trotzdem erhöht ist. So wird beleuchtet, welche Vorkehrungen das jeweilige Land trifft, ob die Ausbrüche lokal begrenzt oder flächendeckend sind, wie die Testkapazitäten vor Ort sind und wie viele Einwohner überhaupt getestet wurden.

Dass dies auch in nahe beieinander liegenden Regionen sehr unterschiedlich sein kann, ist nicht ungewöhnlich. "Es gibt ja auch bei uns in Deutschland Landkreise, die stärker betroffen sind", so Susanne Glasmacher vom RKI. 

Hygiene-Expertin: "Zu viele Lockerungen in Tschechien"

Am Dienstag wurde in Tschechien mit 2.394 Neu-Infizierten landesweit der zweithöchste Wert überhaupt erreicht. Im Bezirk Liberec waren es Anfang der Woche 190 Infizierte pro 100.000 Einwohner. Allein 105 bestätigte Fälle gab es am Dienstag. Das ist das dritte Mal innerhalb einer Woche, dass die Zahl bei über 100 lag, zuvor passierte das nur einmal seit März. 

Und auch der Bezirk Ústí vermeldet inzwischen 118 Infizierte auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. "Der Trend zeigt weiter nach oben", berichtet die Leiterin des Bezirkshygieneamtes Lenka Šimůnková. Trotzdem gab es für dieses Gebiet noch keine Warnung von deutscher Seite. Šimůnková macht für den rasanten Anstieg zwei Faktoren verantwortlich: Die inzwischen konsequente Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten sowie zu weit gehende Lockerungen. "Wir haben uns das Virus aus Prag importiert", erklärt sie. Am stärksten breitet es sich ihr zufolge in Schulen, Kindergärten, Sportklubs sowie auf Feiern und in Restaurants aus. "Bei uns waren zum Beispiel Diskotheken immer noch geöffnet. Das hat ökonomische Gründe, sorgt aber für diese rasante Ausbreitung", sagt Šimůnková.

Ihre Behörde sei dabei seit Beginn der Pandemie staatlich gut unterstützt worden. Allein Ústí konnte zehn neue Mitarbeiter einstellen, darunter fünf Epidemiologen. Auch die Testaktivität sei deutlich gestiegen. "Im Bezirk Ústí werden täglich rund 800 Tests durchgeführt. Das ist ein Vielfaches als noch im Frühjahr", sagt die Leiterin des Hygieneamtes. 

Der Liberecer Bezirkshauptmann Martin Puta hat die Einstufung seiner Region als Risikogebiet schon erwartet. "Wir zahlen für die sommerliche Siegerstimmung in unserem Land und unterschätzen die Situation verantwortungsbewährter Behörden und Personen in Tschechien", schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Jetzt kehre das Virus zurück. Gegen die Einordnung als Risikogebiet könne man nichts tun. Für eine Vielzahl von Menschen aber bedeute sie Komplikationen.

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Keine Einschränkungen gibt es hingegen zunächst im Zugverkehr zwischen Deutschland und Tschechien. "Unsere Züge fahren weiter planmäßig, auch durch Tschechien", bestätigt Jörg Puchmüller von der Länderbahn, die den Trilex auf den Strecken an der Grenze betreibt. Für die Bahnmitarbeiter im Grenzverkehr gelten, wie für Pendler, Ausnahmen. Auswirkungen habe die Reisewarnung natürlich aber auf die Fahrgäste, so Puchmüller. "Da ist aber jeder selbst verantwortlich. Wir können als Bahnunternehmen nicht kontrollieren, wer zum Beispiel Pendler ist oder woher die Fahrgäste kommen." 

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