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Per Direktzug von der Grenze nach Prag

Der Bezirk Ústí hat den beliebten Wochenendverkehr zum Schluckenauer Zipfel auf der Schiene erweitert.

Mit dem Lausitzer Schnellzug gibt es an Wochenenden erstmals eine Direktverbindung mit dem Zug von Mikulášovice (Nixdorf) nach Prag. Zur Jungfernfahrt gab es einen feierlichen Empfang.
Mit dem Lausitzer Schnellzug gibt es an Wochenenden erstmals eine Direktverbindung mit dem Zug von Mikulášovice (Nixdorf) nach Prag. Zur Jungfernfahrt gab es einen feierlichen Empfang. © KZC

Großer Bahnhof im April in Mikulášovice (Nixdorf). Der Untere Bahnhof (Dolní nádraží) war Zielstation eines Schnellzugs aus Prag. Die Freiwillige Feuerwehr besorgte dem mit Diesellok bespannten Zug in historischem Gewand eine Wasserbrücke. Zum Empfang des „Lausitzer Schnellzugs“ gab es Brot und Salz und ein Band wurde feierlich durchschnitten. Das fühlte sich in der langgestreckten Gemeinde im Schluckenauer Zipfel fast an wie Großstadt.

Das weckt bei Jiří Rak, Tourismusmanager in der Böhmischen Schweiz Erinnerungen an frühere Zeiten. „In der ersten Republik, also zwischen den Weltkriegen, gab es einen Schnellzug von Rumburk über Mladá Boleslav nach Prag, also auf der gleichen Strecke“, erzählt Rak. „Es ist pikant, dass damals auch die Züge von Berlin nach Wien über diese Strecke geleitet wurden, weil diese Verbindung schneller war als durch das Elbtal und über Prag.“ Von so einer internationalen Verbindung kann der Schluckenauer Zipfel zurzeit nur träumen. Vor vielen Jahren gab es mal eine Direktverbindung von Rumburk über Děčín nach Prag. Aber die war nicht von langer Dauer. Heute kommt man nur noch von Šluknov direkt nach Kolín in Mittelböhmen und lässt dabei die Hauptstadt weit rechts liegen. Doch der neue Schnellzug weckt zumindest über die Wochenenden Hoffnung auf mehr.

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„Dieser Zug ist für uns die Chance auf weitere Besucher, die nicht mehr individuell mit dem Auto anreisen müssen. Gleichzeitig hilft diese Verbindung, die Strecke zwischen Panský (Herrnwalde) und Mikulášovice zu beleben“, sagt Jan Kolář, Bürgermeister von Krásná Lípa (Schönlinde), der zur Jungfernfahrt des Zuges anwesend war. Krásná Lípa ist das Zentrum der Böhmischen Schweiz, Sitz von Nationalparkverwaltung und Nationalparkhaus. Eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist inzwischen wesentlich, um die auch durch die Corona-Beschränkungen wachsenden Touristenzahlen in vernünftige Bahnen zu lenken. „Der motorisierte Individualverkehr ist nicht nur aufgrund fehlender Parkplätze ein großes Problem geworden. Für so einen Ansturm von Pkw ist der Nationalpark gar nicht ausgelegt“, so Kolář.

Der Lausitzer Schnellzug im Unteren Bahnhof von Mikulášovice.
Der Lausitzer Schnellzug im Unteren Bahnhof von Mikulášovice. © KZC

Die neue Direktverbindung aus der tschechischen Hauptstadt ist sicher das touristisch attraktivste Angebot in der neuen Saison. Schon einige Jahre bestellt der Bezirk Ústí Wochenendverkehr auf Strecken, die im Wochenverkehr nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann. Statt die Strecken ganz aufzugeben, sollen sie für Touristen erschlossen werden. Mit wachsendem Erfolg. Die Verbindungen finden nicht nur immer mehr Fahrgäste, es werden auch jedes Jahr mehr. Seit diesem Jahr sind es auf dem Gebiet des Bezirks Ústí insgesamt zehn touristische Bahnlinien. Davon führen allein drei über die Bezirksgrenzen hinweg nach Cranzahl in Sachsen, nach Liberec und mit dem schon erwähnten Lausitzer Schnellzug nach Prag.

Das besondere an diesen Zügen ist, dass sie auf landschaftlich reizvollen Strecken fahren, die wiederum teils Technische Denkmäler sind, wie im Fall der Erzgebirgsbahn nach Moldava (Moldau). Außerdem sind die Betreiber der Bahnlinien angehalten, historische Züge einzusetzen. Das lockt nicht nur Bahnfans. Reisen im Stil früherer Zeiten können Fahrgäste auch mit dem „Lausitzer Schnellzug“ erleben. Er verbindet die tschechische Hauptstadt einmal am Tag nicht nur mit dem Schluckenauer Zipfel und dem Nationalpark Böhmische Schweiz, sondern auch mit dem touristisch beliebten Mácha-See und der reizvollen Landschaft des böhmischen Lausitzer Berglands. Haltepunkte sind demnach Doksy (Hirschbach) und die Glasmacherstadt Nový Bor (Haida).

Kurzhalte auch an kleineren Stationen bieten die Möglichkeit für Rundtouren, um an einer anderen Station zur Rückfahrt wieder einzusteigen. Das gilt aber vor allem für Touristen aus Prag. Wer von Sachsen aus startet, kann den Zug etwa zu einer nostalgischen Reise an die Moldau nutzen, vorbei an reizvoller Landschaft. Um Schnelligkeit geht es dabei nicht. Der Zug braucht für eine Strecke über vier Stunden. Um die Zeit angenehm zu verleben, gibt es sogar eine kleine Bar. Der Zug ist auch für Radtouristen interessant. „Wir haben Abteile zum Transport von Rädern“, sagt Bohumil Augusta von der Bahnfirma KŽC, die die regelmäßigen Züge betreibt. Augusta freut sich, dass die Züge trotz Corona bereits gut ausgelastet sind. An die bisher zwei Waggons wird bald ein dritter angehängt.

Bis zum 22. Mai gibt es auf einem Teil der Strecke von Nový Bor bis Mikulášovice Schienenersatzverkehr. Wer die Strecke also im Zuge des kleinen Grenzverkehrs testen möchte, sollte noch so lange warten. Alle anderen Verbindungen sind trotz noch bestehender Corona-Einschränkungen in Betrieb.

Auch der Bezirk Ústí registriert die wachsenden Fahrgastzahlen mit Interesse. Eigentlich hatte Bezirksrat Jiří Řehák in diesem Jahr mit der Strecke Děčín-Telnice eine elfte Strecke für den Wochenendverkehr angekündigt. Doch die Inbetriebnahme dieses Abschnitts wird sich noch verzögern.

Interessante touristische Züge

  • T1 Česká Kamenice-Kamenický Šenov
  • T2 Děčín-Krásná Lípa-Mikulášovice (mit Fahrradwaggon)
  • T3 Ústí nad Labem-Zubrnice
  • T4 Litoměřice-Chotiměř
  • T5 Libochovice-Roudnice nad Labem
  • T6 Kadaň-PodbořanyT7 Chomutov-Cranzahlweb

Die kompletten Fahrpläne kann man online nachlesen.

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