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Waldkapelle wird neu aufgebaut

Das Gotteshaus bei Dolni Maxov in Tschechien überlebte den Krieg, aber nicht den Sozialismus. Der Isergebirgsverein hat sich dem Projekt nun angenommen.

Einheimische, Urlauber und Helfer aus Deutschland bauen gemeinsam die Waldkapelle bei Dolní Maxov in Tschechien wieder auf. Sie wurde einst abgerissen.
Einheimische, Urlauber und Helfer aus Deutschland bauen gemeinsam die Waldkapelle bei Dolní Maxov in Tschechien wieder auf. Sie wurde einst abgerissen. © Oliver Scholze

Wo die Wiesen mit Blick auf die tschechischen Orte Dolní Maxov, Josefův Důl und Antonínov (Unter Maxhof, Josefsthal und Antoniewald) enden und der Wald beginnt, stand einst eine kleine Waldkapelle.

Jahrelang spendete das Heiligtum oberhalb von Josefsthal den Menschen in der Umgebung Trost. Zwei Weltkriege hat die Kapelle überstanden, ebenso die Vertreibung der deutschen Mitbürger, wie auch die Neubesiedelung der Grenzregion durch die Tschechen. Ungeachtet der neuen religionsfeindlichen Staatspolitik nach 1948 suchten Gläubige sie weiter auf, zündeten Kerzen an, gossen die Blumen und hielten den Raum und die Ausschmückung in Schuss. Doch die sogenannte „Normalisierung“ der 1970er-Jahre setzte dem jäh ein Ende. Die Kapelle wurde ausgeplündert und zerstört. „Dies leitete den endgültigen Verfall ein: Nach 1978 brach das Dach ein, es blieb nur eine Ruine übrig, die bald darauf verschwand“, erzählt Oliver Scholze.

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Vor einiger Zeit aber, haben sich die Mitglieder des Isergebirgsvereins Patron vorgenommen, dieses Gotteshaus neu aufzubauen. „Hier wusste niemand mehr, wie die Kapelle ausgesehen hatte. Aber von unseren ehemaligen Landsleuten, die heute in Neugablonz (bei Kaufbeuren) leben, erhielten wir sieben alte Bilder, die uns als Vorlage dienen“, sagt Scholze, ein Lehrer und Hauptinitiator des Vorhabens.

An der Wiederherstellung beteiligen sich rund 50 Einheimische, darunter auch Kinder. Auch Besitzer von Wochenendhäuschen sowie einige Freunde aus Deutschland machen mit. Manche legen selbst Hand an, andere helfen mit Spenden, einer steuerte ein altes Foto bei. Und so nimmt die kleine Kapelle Gestalt an, genau am ursprünglichen Standort, am Weg zwischen Josefsthal und Maxhof. Der sogenannte „Maxwaldweg“ führt durch den Wald, den man früher Pfockepusch nannte. „Wann die ursprüngliche Holzkapelle errichtet wurde, ist nicht überliefert. Wir wissen jedoch, dass sie später durch eine Steinkapelle von Adolf Zenker ersetzt und am 17. Mai 1885 geweiht wurde“, erklärt Scholze. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde sie vom Maler Dominik Brosick abgebildet, die Zeichnung erschien in der Publikation „Heimatkunde für den Bezirk Gablonz“.

Mehr als 60 Jahre später wurde sie vom Bürgerverein Patron als Hauptmotiv für das Vereinslogo auserkoren. Aus der sozialistischen Zeit stammt die Geschichte des mutigen Straßenarbeiters Josef Urban, der hier viele Jahre gearbeitet hat. Das Schicksal der Kapelle sah er voraus und fasste deshalb eines Abends einen riskanten Entschluss: Bei Unwetter, im Schutz der Dunkelheit, holte er aus dem Heiligtum eine etwa ein Meter hohe Skulptur und rettete sie so vor Dieben und Kunsthehlern. Es handelt sich um eine barocke Passionsgruppe, sie diente quasi als Altar. „Solche Skulpturen schmückten früher Hausaltäre wohlhabender Familien und hatten auch Platz in kleinen ländlichen, aber auch in schuleigenen Kapellen“, informiert Lenka Kluková vom Erzbistum Prag.

Petr Novotny, der Stiefenkel von Josef Urban, hat die Skulpturengruppe nun dem Museum in Josefův Důl gestiftet. In der Einrichtung, die vor Jahren vom sudetendeutschen Landsmann Gerhard Kutnar gegründet wurde, befindet sich auch eine Porzellanstatuette des heiligen Antonius von Padua, die ebenfalls aus jener Kapelle stammen soll. Schon bald wird sich zu ihr eine Vitrine mit der Passionsgruppe und einer Infotafel gesellen. Die neu errichtete Kapelle sollte bis zum Winter fertig sein.

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