merken
PLUS Zittau

Liberecer Forscher entwickeln Öko-Masken

Bisheriger Mundschutz besteht aus Kunststoff. Die tschechische Variante setzt hingegen auf Milchsäure. Worin liegen die Vor- und Nachteile?

Die beiden Wissenschaftler Petr Louda und Jirí Chvojka sind mit dem neuen Material für die Masken zufrieden.
Foto: TU Liberec
Die beiden Wissenschaftler Petr Louda und Jirí Chvojka sind mit dem neuen Material für die Masken zufrieden. Foto: TU Liberec © TU Liberec

Jeden Tag werden weltweit Millionen Atemschutzmasken produziert - und weggeworfen. Die Natur braucht Jahrzehnte, um den beinhalteten Kunststoff abzubauen. Nun bieten Forscher der Technischen Universität Liberec (TUL) eine Lösung an. Für die Herstellung der Masken und Respiratoren nutzen sie Milchsäure. "Es ist eine Substanz, die auch unser Körper gut kennt, denn sie hat einen positiven Effekt auf beanspruchte Muskulatur, fördert deren Erholung", erklärt Petr Louda, Leiter der Materialabteilung an der Fakultät für Maschinenbau. Der Körper könne sie ebenso leicht abbauen wie die Natur. Nach Gebrauch werde die Maske problemlos in den Kompost geworfen.

"Polypropylen als Hauptmaterial für Masken zerlegt sich in der Natur erst über Jahrzehnte, möglicherweise Hunderte von Jahren", berichtet er. Mit Milchsäure sind die Wissenschaftler bei wesentlich besseren Werten. Die Herstellung von effizientem Filtermaterial in Laborbedingungen verspricht hoffnungsvolle Ergebnisse.

Anzeige
Pädagogische/r Mitarbeiter/in gesucht
Pädagogische/r Mitarbeiter/in gesucht

Bei der VHS ist schnellstmöglich die Stelle eines/r pädagogische/r Mitarbeiter/in Schwerpunkt Sprachen (40 h/Woche) unbefristet zu besetzen.

Die Polymilchsäure wird von Textilexperten verarbeitet und ist aus chemischer Sicht eine verlängerte Kette der Milchsäure. "Das Nanomaterial wird so geschichtet, dass die Maske wirksam filtert und außerdem kann man mit ihr auch bequem atmen", teilt Jiří Chvojka zur Produktion mit. Er ist Bereichsleiter für Nanofaser-Materialien. Aus der Säure lassen sich auch Gummibänder für die Masken produzieren. Damit wird der Verbrauch von Kunststoff weiter reduziert. "Ein nächster Vorteil dieses Nanotextils besteht darin, dass man das Material genau wie Polypropylen durch klassisches Laserschweißen verbinden kann", sagt Jiří Chvojka. Die Produktion müsse also nicht speziell verändert werden.

Bei der Entwicklung haben sich die tschechischen Wissenschaftler von der Medizin inspirieren lassen, wo die biologisch abbaubaren Materialien zum Beispiel für die Herstellung von chirurgischen Nähfäden verwendet werden. Seit über einem Jahr arbeiten sie an dem Projekt. Den Auftrag und das Geld bekamen sie von einem privaten Investor im Frühjahr 2020, als die Coronavirus-Pandemie ausbrach. Die Wissenschaftler zeigen sich aber auch gegenüber der Zusammenarbeit mit weiteren Partnern offen. Milchsäure kann beispielsweise problemlos als Alternative zur Herstellung von PET-Flaschen - einer weiteren Umweltbedrohung - verwendet werden.

Weiterführende Artikel

Corona: Montagsdemonstrant bekommt Ärger

Corona: Montagsdemonstrant bekommt Ärger

Infektionszahlen, Polizeikontrollen und die Auswirkungen auf das Leben der Bewohner: Aktuelle Geschichten und Entwicklungen dazu sind hier zu lesen.

Der einzige Nachteil ist zurzeit der Preis. Masken oder Flaschen aus Milchsäure kosten zweimal so viel wie die Produkte aus Polypropylen. "Der Preis kann aber gut durch den Markt reguliert werden, denn je größer die Nachfrage wird, desto niedriger könnte er sein", so Jiří Chvojka. Mit Blick auf den steigenden Bedarf an Masken hoffen die Wissenschaftler, dass auch der Druck wächst, abbaubare Materialien bei der Produktion zu verwenden. "Für diese Alternative sind wir nun gut vorbereitet", meint Petr Louda.

Mehr zum Thema Zittau