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Ohne Ausländer geht in Prag nichts mehr

Ein Viertel der Bevölkerung in Prag sind Zugereiste von jenseits der Grenzen. Der Trend nimmt zu. Befürchtungen auch, wenngleich sie laut Statistik übertrieben sind.

Von Hans-Jörg Schmidt
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Ein Viertel der Bevölkerung in der Moldau-Metropole Prag sind inzwischen Zugereiste.
Ein Viertel der Bevölkerung in der Moldau-Metropole Prag sind inzwischen Zugereiste. © Martin Rak/Czechia Digital Media Library

Man muss vorsichtig sein, wenn man als hiesiger Korrespondent leichthin von „den Pragern“ schreibt und eigentlich in allererster Linie die Tschechen meint. Zur Einwohnerschaft der Moldau-Metropole gehören zunehmend auch Ausländer. Nach der jüngsten statistischen Erhebung des Instituts für Planung und Entwicklung der Hauptstadt Prag (IPR) kommt ein Viertel der Prager von jenseits der Grenzen. Zumeist handelt es sich um Ukrainer, Slowaken, Russen und Vietnamesen. Unter den Ukrainern sind logischerweise viele Kriegsflüchtlinge. Aber die Ukrainer stellten auch schon vor Putins Krieg den Löwenanteil unter den Zugezogenen.

Prag ist deshalb so interessant, weil die Moldau-Metropole seit der tschechischen EU-Mitgliedschaft rasch zur erfolgreichsten Stadt Ost-Mitteleuropas aufgestiegen ist. Ob man sie deshalb gleich „kosmopolitisch“ nennen kann, wie es der zuständige stellvertretende Bürgermeister Petr Hlaváček jüngst in einer Zeitung tat, würde ich anzweifeln.

"Neu-Prager" verjüngen das Durchschnittsalter

Man weiß aus der Geschichte, dass beispielsweise Tschechen und Deutsche mehr oder weniger nebeneinanderher lebten, obwohl sie sich durchaus ähnlich waren. „Die ‚Neu-Prager‘ sind zwischen 24 und 42 Jahren alt und verjüngen damit das Durchschnittsalter“, erklärt IPR-Direktor Ondřej Boháč. Einige Bereiche wie das Gastgewerbe oder der Bau würden längst nicht mehr ohne sie auskommen, heißt es.

Die Neuangekommenen wohnen ganz gut verteilt in den Plattenbaubezirken Prags. Die Behörden achten so gut es geht darauf, dass es zu keinen Ballungen kommt, sich gar nicht erst Parallelwelten entwickeln, sagt das IPR-Institut. „Wir versuchen, den aus westlichen Städten bekannten Problemen vorzubeugen.“

Dennoch sehe die tschechische Öffentlichkeit den Anstieg der Ausländerzahl nicht nur positiv, nicht nur als Chance. Es bestehe auch Sorge und speziell Angst vor wachsender Kriminalität. Die entsprechende Statistik der Polizei sieht jedoch anders aus. Zwar sind - wie erwähnt - 25 Prozent der Prager Ausländer. Aber nur sieben Prozent sind mal kriminell aufgefallen.