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Reisewarnung für fast ganz Tschechien

Corona: Liberec und Karlsbad sind nun Risikogebiet, der Bezirk Usti bleibt dagegen risikofrei. Pendler haben Ausnahmen.

Zuletzt waren die Corona-Zahlen in Tschechien stark gestiegen. Am Dienstag wurde mit 2.394 neu Infizierten landesweit der zweithöchste Wert überhaupt erreicht.
Zuletzt waren die Corona-Zahlen in Tschechien stark gestiegen. Am Dienstag wurde mit 2.394 neu Infizierten landesweit der zweithöchste Wert überhaupt erreicht. © Vítimánek/CTK/dpa

Die Bundesregierung hat weite Teile Tschechiens zum Risikogebiet erklärt, aber nicht das ganze Land. Entscheidend aus sächsischer Sicht. Für den Bezirk Karlsbad mit seinen Kurorten und den Bezirk Liberec gilt nun die Reisewarnung, der benachbarte Bezirk Usti bleibt aber genauso wie der Mährisch-Schlesische Bezirk risikofrei. Zuvor hatten tschechische Medien noch gemeldet, ganz Tschechien solle zum Risikogebiet erklärt werden. Bisher galt diese Einstufung nur für Prag und den Bezirk Mittelböhmen.

Für Reisen nach Karlsbad, Pilsen und weitere Landesteile: Selbst bei einer Rückkehr von einem Tagesausflug über die Grenze muss eine zweiwöchige Quarantäne eingehalten werden. Diese kann man durch die Vorlage eines maximal 48 Stunden alten SARS-CoV-2-Negativ-Tests umgehen. In den ersten zehn Tagen nach der Einreise ist dieser Test kostenlos. Einreisende nach Deutschland sind zudem verpflichtet, sich umgehend beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Dies gilt bereits für all jene, die in den vergangenen 14 Tagen aus dem neu deklarierten Risikogebiet eingereist sind.

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Ausnahmen von diesen Verpflichtungen lässt die Sächsischen Corona-Quarantäne-Verordnung unter anderem für Mitarbeiter im internationalen Güterverkehr, Grenzpendler sowie für zwingend notwendige und unaufschiebbare Reisen aus beruflichen, medizinischen und sozialen Gründen zu.

„Wir haben uns das Virus aus Prag importiert“, erklärt die Leiterin des Bezirkshygieneamts Lenka Šimůnková.
„Wir haben uns das Virus aus Prag importiert“, erklärt die Leiterin des Bezirkshygieneamts Lenka Šimůnková. ©  privat

Keine Grenzschließung

Die Entscheidung des RKI bedeutet aber keine Grenzschließung wie noch im März. Auch werde allein wegen Corona an der Grenze zu Tschechien nicht verstärkt kontrolliert. „Änderungen im Grenzregime durch die Bundespolizei sind nicht beabsichtigt“, teilte Axel Bernhardt von der Bundespolizeidirektion Pirna mit. Kontrollen führt die Polizei im „Rahmen ihrer originären Aufgabenzuständigkeit“ dennoch durch, und das sowohl in internationalen Zügen als auch an Straßen im Grenzgebiet. „Sollten dabei Anzeichen auf eine Erkrankung eines Reisenden vorliegen, würden die zuständigen Behörden in Kenntnis gesetzt und Folgemaßnahmen veranlasst“, so Bernhardt weiter.

Die Einstufung weiterer Teile Tschechiens als Risikogebiet hatte sich angedeutet. Nachdem Prag schon vor zwei Wochen zum Risikogebiet erklärt worden war, begannen die Fallzahlen auch in den anderen Landesteilen zu steigen. Am Dienstag wurde mit 2.394 neu Infizierten landesweit der zweithöchste Wert überhaupt erreicht.

Die Bezirke Liberec und Karlovy Vary hat es nun auch erwischt. Und auch der Bezirk Ústí vermeldet inzwischen 118 Infizierte auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. „Und der Trend zeigt weiter nach oben“, erklärt die Leiterin des Bezirkshygieneamts Lenka Šimůnková. Trotzdem kam der Bezirk noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Lockerung geht zu weit

Šimůnková macht für den rasanten Anstieg zwei Faktoren verantwortlich: die inzwischen konsequente Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten sowie eine zu weit gehende Lockerung. „Wir haben uns das Virus aus Prag importiert“, erklärt sie. Am stärksten breitet es sich ihr zufolge in Schulen, Kindergärten, Sportklubs sowie auf Feiern und in Restaurants aus. „Bei uns waren zum Beispiel Diskotheken immer noch geöffnet. Das hat ökonomische Gründe, sorgt aber für diese rasante Ausbreitung“, sagt Šimůnková.

In Tschechien hatte sich in den letzten Monaten Sorglosigkeit ausgebreitet. „Die Gesellschaft ist leider nicht besser vorbereitet als im Frühjahr“, fällt Hygienechefin Šimůnková ein hartes Urteil. Anders sieht es mit ihrer Behörde aus. Sie wurden seit Ausbruch der Corona-Pandemie vom Staat finanziell besser ausgestattet. Allein Ústí konnte zehn neue Mitarbeiter einstellen, darunter fünf Epidemiologen und ein IT-Techniker. Auch die Testaktivität ist deutlich gestiegen. „Im Bezirk Ústí werden täglich rund 800 Tests durchgeführt. Das ist ein Vielfaches als noch im Frühjahr“, sagt Šimůnková. Ähnlich ist die Lage im Bezirk Karlovy Vary.

Zum Problem wird angesichts des rasanten Zuwachses die Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten. „Akut fehlen uns dafür mindestens zehn Mitarbeiter“, sagt die Chefhygienikerin. „Im Moment schaffen wir es noch. Aber wir brauchen schon zwei bis drei Tage“, so Šimůnková weiter.

Gleichzeitig nehmen die Einschränkungen wieder zu. Inzwischen müssen im öffentlichen Verkehr und auch sonst überall in Innenräumen wieder Masken getragen werden. Das gilt auch für weiterführende Schulen, wo die Maske sogar im Unterricht Pflicht ist.

Weitere Maßnahmen folgen

Kaum im Amt, hat der neue Gesundheitsminister Roman Prymula weitere Maßnahmen angekündigt. So müssen Restaurants und Bars neu schon 22 Uhr schließen als bisher 24 Uhr. Die Besucherzahlen auf Veranstaltungen werden gesenkt. Bei Sportveranstaltungen im Freien dürfen maximal 2.000 Menschen dabei sein, in Innenräumen bis zu 1.000. Weitere Veranstaltungen mit Stehplätzen dürfen außen nicht mehr als 50 und in Gebäuden nicht mehr als 10 Gäste haben. Seit Montag arbeitet wieder der zentrale Krisenstab der Regierung.

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Einen Notstand, der der Regierung weitreichende Befugnisse einräumen würde, hält der neue Gesundheitsminister derzeit nicht für nötig, schloss aber auch nicht aus, dass es „in ein bis zwei Wochen“ dazu kommen könnte. In zwei Wochen sind Regionalwahlen, bei denen der ANO-Partei von Premierminister Andrej Babiš Verluste drohen. Beobachter meinen, dass der Premier bis dahin harte Maßnahmen möglichst verhindern will.

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