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Auch Tschechiens Gaststätten fehlt das Personal

Zwar sind die Gäste nach der Corona-Krise wieder zurück. Doch die Gastronomie kann den Andrang nicht mehr bewältigen. Beispiele aus der Grenzregion.

Von Petra Laurin
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Symbolbild
Symbolbild © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Noch im September sah es so aus, als wenn die Gaststätte "Nostalgie" in der Nähe des Kristýna Sees ihr Geschäft komplett schließen muss. Im Monatsblatt des Rathauses "Hrádecko" erschien sogar schon eine Anzeige, dass ein neuer Mieter für das gut einführte Lokal gesucht wird. Letztlich fand sich eine andere Notlösung. "Wir haben die Öffnungszeiten gekürzt", sagt Kellnerin Kateřina Svobodová. An Werktagen ist nun noch bis 15 Uhr geöffnet, vorher war das Restaurant täglich bis 21 Uhr für die Gäste da. Die meisten Kunden sind Deutsche, die hier gern Fischgerichte und Hühnerleber essen.

Die Probleme sind dieselben wie auf deutscher Seite. "Die Gäste müssen leider mit kürzeren Betriebszeiten, der Betreiber mit geringeren Umsätzen und ich mit niedrigerer Miete zurechtkommen", so Kateřina Kořínková, Eigentümerin der Gaststätte und des Hauses. Zuvor konnte das Unternehmen pro Monat einen Umsatz von bis zu einer halben Million Kronen im Monat machen. Doch ohne Personal lassen sich längere Öffnungszeiten nicht mehr bewerkstelligen. "Wir sind weniger, uns fehlt vor allem noch ein Koch", berichtet Kateřina Svobodová, die seit drei Jahren in der "Nostalgie" arbeitet. Das Restaurant hat sechs Mitarbeiter, notfalls helfen weitere aus.

"Die Branche kämpfte schon vor Corona mit Problemen, die Menschen standen unter Druck, waren jeden Tag in der Arbeit, darunter leiden ihre Familien", meint Kateřina Kořínková, die selber zehn Jahre in der Nostalgie arbeitete und noch sehr an dem Betrieb hängt. "Ein Gehalt von rund 35.000 Kronen (1.400 Euro) motiviert heutzutage keinen Koch mehr", sagt sie. Die Fachleute kochen nach ihrer Aussage lieber für einen besseren Lohn hinter der Grenze oder fanden während des Lockdowns einen ruhigeren Job in einem anderen Bereich, zum Beispiel in einer Fabrik. Während der Pandemie sind die Umsätze in zahlreichen Gastronomie-Betrieben auf ein Drittel gesunken.

In der Gaststätte "Lidový dům" (Volkshaus) kocht die Besitzerin selbst. Probleme sollen auch andere gastronomische Betriebe an der Grenzregion haben, wie das Restaurant "U Parku" (Beim Park) in Rumburk (Rumburg). In der "Rožanka", einem Wirtshaus direkt an der Grenze in Rožany, kochen inzwischen Vietnamesen. Andererseits blieben auch Menschen, die ihre Arbeit lieben und die glauben, dass die Gaststätten nun offen bleiben und sich gut entwickeln werden, der Branche treu.

Laut der Umfrage von "Grason Solutions", die Arbeitsangebote in der Branche vermittelt, hat die Gastronomie bedeutend weniger Mitarbeiter als im Jahr zuvor. Weg sind zwei Drittel der Köche. Bei Kellnern macht der Rückgang rund 40 Prozent aus. Die Hälfte von früheren Gastromitarbeitern denkt nicht an eine Rückkehr - wegen schlechter Arbeitsbedingungen in etlichen Betrieben, vieler Überstunden und niedrigem Verdienst. Sie sehen die Zukunft der Branche eher skeptisch. Nur ein Viertel des Personals wollte für eine Teilzeit-Beschäftigung zurückkehren. Die Umfrage zeigte auch, dass die Mitarbeiter der Gastronomie ihre neue Zukunft in Warenlagern, im Bauwesen oder Handel fanden.

"Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage nach Arbeit in der Gastronomie etwa um die Hälfte zurückgegangen", sagt Grason-Mitbegründer Karel Mařík. Gaststätten müssen demnach besser zahlen, wollen sie verlässliches Personal erhalten. Laut der Schätzungen von Branchenverband "Apron" können noch rund zehn Prozent der Gaststätten in Schwierigkeiten geraten. "Wenn nicht ein neuer Lockdown kommt, könnte sich die Gastronomie in zwei, drei Jahren erholen ", meint Direktorin Kateřina Holnová.