merken
PLUS Bautzen

Wenn Shoppen in Tschechien plötzlich teuer wird

Mehreren Kunden fiel nach dem Einkauf im Nachbarland eine hohe Gebühr auf der Kontoabrechnung auf. Was steckt dahinter?

Günter Böhm aus Kamenz wunderte sich nach dem Einkauf in Tschechien über die Gebührenabrechnung auf seinen Kreditkartenbelegen. Die, sagt er, habe es früher nicht gegeben.
Günter Böhm aus Kamenz wunderte sich nach dem Einkauf in Tschechien über die Gebührenabrechnung auf seinen Kreditkartenbelegen. Die, sagt er, habe es früher nicht gegeben. © Matthias Schumann

Kamenz/Sebnitz. Günter Böhm ist sauer - und das hat mit einem Einkauf in Tschechien zu tun. Am 14. Mai, einen Tag nach der Wiederöffnung der Grenze, ergriff der Kamenzer die Chance, sich in Dolni Poustevna, einem Sebnitzer Nachbarort, mit billigen Zigaretten einzudecken. Vier Stangen zu je 41,50 Euro wechselten den Besitzer. Um die Rechnung von insgesamt 166 Euro zu begleichen, griff Günter Böhm zur Kreditkarte. Bei der seien bislang nie Auslandsgebühren angefallen, versichert er.

Sein Unverständnis war groß, als er statt der erwarteten 166 Euro plötzlich einen Abrechnungsbetrag von 169,67 auf seinem Kontoauszug feststellte. Zum Unmut steigerte sich das, als auch seinem Sohn bei Zahlung mit der Bankkarte statt des Warenwertes von 240 Euro rund fünf Euro mehr abgebucht wurden. Beide sind Kunden der Postbank.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Kunden verschiedener Banken sind betroffen

Auf dieses Geldinstitut ist das Phänomen aber nicht beschränkt. Bei Sächsische.de meldete sich eine weitere Grenzgängerin: "Ich habe bei Sebnitz Zigaretten, leckere Kekse, Kaffee und Energy-Drinks gekauft. Endsumme 246 Euro", schreibt sie. Und weiter: "Abgebucht wurden dann tatsächlich ganze 262,07 Euro, Gebühren waren mit 6,81 Euro ausgewiesen. Trotzdem sind da immer noch etwa 9 Euro mehr abgebucht." Ihr Konto, sagt sie, habe sie bei der Ostsächsischen Sparkasse.

Was auffällt: Beide haben im Dragon-Shopping-Center in Dolni Poustevna eingekauft. Der Laden ist beliebt bei Deutschen, befindet sich nur rund 50 Meter hinter der Grenze.

Die Gegenprobe einer Sparkassen-Kundin im Travel-Free-Shopping-Center hinter der Grenze in Sohland lässt aufhorchen: Sie, sagt sie mit Blick auf ihre Kontoauszüge, habe keine zusätzlichen Gebühren bei der Kartenzahlung entrichten müssen.

Vor diesem Hintergrund ist Günter Böhms Vermutung zunächst kaum von der Hand zu weisen: "Ich vermute, der Dragon-Shop haut die zusätzlichen Kosten auf die Rechnung mit drauf", sagt er. Was aber keiner der Kartenzahler bedacht hat, ist die Frage, in welcher Währung sie ihr Entgelt eigentlich entrichtet haben.

Auffällig: Alle Kunden, die erhöhte Gebühren bei der Abrechnung nach Kartenzahlung feststellten, kauften im Dragon-Shop hinter der Grenze bei Sebnitz ein. Die Besitzerin erklärt die hohen Gebühren aber mit den unterschiedlichen Wechselkursen. Das sehen di
Auffällig: Alle Kunden, die erhöhte Gebühren bei der Abrechnung nach Kartenzahlung feststellten, kauften im Dragon-Shop hinter der Grenze bei Sebnitz ein. Die Besitzerin erklärt die hohen Gebühren aber mit den unterschiedlichen Wechselkursen. Das sehen di © Daniel Schäfer

Am Telefon weist die vietnamesische Besitzerin des Dragon-Shops Böhms Vorwurf von sich: "Wenn deutsche Kunden bei uns mit Karte zahlen, ist es immer ein bisschen teurer als bei Bargeld", sagt sie und vermutet in gebrochenem Deutsch den Umrechnungskurs von Kronen in Euro als Übeltäter. Dieser würde schwanken, die tagesaktuellen Umrechnungskurse stimmten nicht zwingend mit den Wechselkursen überein. Das spiegele sich in der Abrechnung der Banken wider.

Die Gebühren-Tücken sind versteckt

Die Postbank und die Ostsächsische Sparkasse lassen sich die Vorgänge schildern, nehmen sich Zeit zur Spurensuche, befragen Fachabteilungen und Preis-Leistungsverzeichnisse. Schließlich kommen beide zu demselben Schluss: "Uns sind Fälle bekannt, in denen Kunden meist unwissentlich an den Cash-Terminals zusätzlichen Gebühren zugestimmt und per Pin die Zahlung autorisiert haben. In diesen Fällen wurden die Kunden vorher gefragt, ob sie in Euro oder der Landeswährung zahlen wollen. Die Sondergebühren wurden fällig, wenn die Kunden die Option Euro wählten", teilt Andreas Rieger, Unternehmenssprecher der Ostsächsischen Sparkasse, mit.

Ähnliche Töne kommen von der Pressestelle der Postbank aus Bonn: Normalerweise, heißt es von dort, fallen beim Bezahlen mit den verschiedenen Karten der Postbank in EU-Staaten keine Gebühren an. Bei Zahlungen außerhalb der EU und in anderen Landeswährungen würden allerdings Auslandseinsatzentgelte von 1,85 Prozent berechnet.

Die horrend gestiegenen Gebühren erklärten sich aber anders: Wenn der Kunde außerdem die Möglichkeit wähle, in seiner eigenen Währung - also in Euro - zu bezahlen, erwiesen sich die Konditionen meist als deutlich schlechter. "Tschechien gehört zwar zur EU, die Landeswährung ist aber nicht der Euro, sondern die Tschechische Krone. Die Kunden und Kundinnen waren bisher vermutlich im europäischen Ausland mit Landeswährung Euro unterwegs", erklärt Pressesprecher Oliver Rittmaier.

Tipp: Immer in der Landeswährung zahlen

Den Vorgang, der bei der Kartenzahlung mit Euro beispielsweise in Tschechien ausgelöst wird, erklärt Andreas Rieger ungefähr so: Wenn der Händler die Zahlung in Euro bei seiner tschechischen Bank anweise, stelle diese den Währungstransfer bei der deutschen Bank in Rechnung. Auch die erhebe zusätzliche Beträge. Beides tauche anschließend auf der Abrechnung des Kunden auf.

Das klingt verwirrend, ist aber einfach zu beheben: "Kunden sollten beim Einkauf oder beim Geldabheben im europäischen Ausland mit anderer Währung als Euro und außerhalb Europas darauf achten, Angebote zur direkten Abrechnung in Euro zu vermeiden. Dies kann zu unverhältnismäßig ungünstigen Umrechnungs- und Zusatzgebühren führen." Völlig gebührenfrei zahlen könne man in Tschechien außerdem in Bargeld.

Weiterführende Artikel

Corona: Was gilt jetzt für Tschechien?

Corona: Was gilt jetzt für Tschechien?

Ob zum Einkaufen, Tanken, Essen oder Urlaub: Die Reise nach Tschechien ist wieder möglich. Was bei kurzen und langen Aufenthalten beachtet werden muss.

Tschechien: Tanktourismus hält an

Tschechien: Tanktourismus hält an

Die Preise für Benzin sind im Nachbarland leicht gestiegen. Ein Vergleich lohnt sich deshalb. Die Zapfsäulen stehen deswegen aber nicht still.

So geht es in den Urlaub nach Tschechien

So geht es in den Urlaub nach Tschechien

Seit 1. Juni sind für alle Deutschen wieder Reisen ins Nachbarland möglich. Einige Hürden gibt es aber noch.

"Man will mich aus der Politik entfernen“

"Man will mich aus der Politik entfernen“

In Tschechien haben mehrere Parteien einen Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Andrej Babis gestellt. Die Entscheidung soll es am Abend geben.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen