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Was für die Wintersport-Elite getan wird

Sowohl Tschechien als auch Polen investieren im Riesengebirge, um wieder international wettbewerbsfähig zu sein. Das kann aber noch Jahre dauern.

Im polnischen Jakuszyce entsteht ein neues Zentrum für Skilanglauf und Biathlon. Im Herbst soll es fertig sein. Die Sportler in Harrachov möchten für ihr Sprung-Areal etwas Vergleichbares haben.
Im polnischen Jakuszyce entsteht ein neues Zentrum für Skilanglauf und Biathlon. Im Herbst soll es fertig sein. Die Sportler in Harrachov möchten für ihr Sprung-Areal etwas Vergleichbares haben. © Josef Slaviík

Drei von fünf Schanzen im tschechischen Harrachov (Harrachsdorf) sind wieder nutzbar. Die Anlagen mit den Bezeichnungen K40, K70 und K90 sind derzeit Trainingsort für einen Teil der tschechischen Wintersport-Nationalmannschaft, die sich dort auf Wettbewerbe in der Nordischen Kombination für Jugendliche vorbereitet.

Zuvor musste erst die großen und dann die drei kleinen Schanzen gesperrt werden, weil sie marode waren. Seit 2019 bemühte sich der heimische Ski- und Touristenclub Buchar erfolgreich um eine Sanierung von zumindest einigen Anlagen. „2020 haben wir in Eigenregie die Schanzen K40 und K70, den Turm für die Trainer und den Lift auf Vordermann gebracht. Seit Januar ist auch die dritte Schanze K90 in Betrieb“, sagt stolz Josef Slavík, Gründungsmitglied des Vereins und einer der Initiatoren der öffentlichen Sammlung für eine schnelle Rettung der Anlagen. Auf dem vom Verein eingerichteten Spendenkonto liegen zurzeit 320.000 Kronen (knapp 12.400 Euro).

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Im Januar fand in Harrachov wieder ein erster internationaler Jugendwettbewerb statt, nun trainieren dort unter strengen Corona-Auflagen die einheimischen Sportler. „Ob es in diesem Jahr noch weitere Rennen geben wird, ist derzeit nicht klar“, sagt Slavík, dessen ganzes Leben sich um die Schanzen dreht. Der Erhalt der Schanzen für den tatsächlichen Betrieb bedeute für die Engagierten laut Slavík etwa 1.000 Stunden Arbeit pro Monat. Geschuftet werde auf dem Gelände auch an den Wochenenden, vielfach ehrenamtlich. „Wir wollen damit den Verfall der Anlage bremsen, und sie betriebsfähig halten, bis eine vollständige Sanierung durchgeführt werden kann“, sagt Josef Slavík.

Alpine Bedingungen simuliert

Auf der polnischen Seite des Riesengebirges, in Jakuszyce (Jakobsthal) bei Szklarska Porêba (Schreiberhau) entsteht derzeit indes ein neues Zentrum für Skilanglauf und Biathlon. Die beiden Orte wollen in Zukunft eng kooperieren und gemeinsam einen polnisch-tschechischen Ski-Komplex von internationaler Bedeutung schaffen. „Das ist unser Ziel und eine Herzensangelegenheit zugleich“, so Slavík.

Das Niederschlesische Sportzentrum auf der Polana Jakuszycka (Jakobsthaler Lichtung) ist bereits im Rohbau fertiggestellt, berichtet das Polnische Fremdenverkehrsamt. Schon in diesem Herbst solle Polens größte Sport-Investition der letzten Dekade eröffnet werden. Auf der Jakobsthaler Lichtung, direkt an der Grenze zu Tschechien, befindet sich ein Langlaufzentrum mit rund 150 Kilometern Loipen. Seit mehr als vier Jahrzehnten wird dort unter anderem der Piastenlauf, die größte und renommierteste Ski-Langlaufveranstaltung des Landes, ausgetragen.

Spitzen- und Breitensport sollen im künftigen Zentrum besondere Möglichkeiten finden. So werden dort die Athleten des polnischen Nationalkaders unter simulierten alpinen Bedingungen trainieren können. Neben Anlagen für Wintersport mit Biathlontrasse werde es auch ein Sommerstadion sowie Trainingshallen für Volley- und Basketballer geben. Darüber hinaus gehören das neue Museum für Sport und Tourismus, ein Hotel mit 190 Betten, das über 38 Zimmer mit Hypoxie-Kammern fürs Höhentraining verfüge, ein Konferenzzentrum, mehrere Restaurants und ein Wellnessbereich dazu.

Im September 2021 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Der Komplex dann ganzjährlich offen sein. „Wenn es uns gelingt, die Modernisierung des Skisprungareals in Harrachov ebenso durchzuführen, kann sich die Zusammenarbeit mit dem Niederschlesischen Skizentrum schön entwickeln“, meint der Liberecer Hauptmann Martin Půta.

Großschanze soll gerettet werden

Mit der Spendensammlung des Vereins könne die Sanierung der Großschanze aber nicht finanziert werden. Die Rettung der Anlage soll zu einer Staatsaufgabe werden. Weiteres Geld sollen die Region, das Tschechische Olympische Komitee, das sich dort ein Trainingszentrum wünscht, sowie der Eigentümer des Areals und die Gemeinde Harrachov aufbringen. Alle bestätigten schon früher ihren Willen, den Komplex zu erneuern. Die Kosten wurden auf umgerechnet rund 20 Millionen Euro geschätzt.

Momentan hat Harrachov wegen des Corona-Stillstands im Tourismus aber große ökonomische Sorgen. In dem Budget der Stadt fehlen rund vier Millionen Kronen (155.000 Euro). In die Stadtkasse fließen keine Einnahmen aus der Vermietung von Unterkünften, durch die der Winterdienst und Pflege der Langlaufloipen finanziert werden.

Zurzeit laufe für die Sanierung der Schanzen eine Machbarkeitsstudie durch die Region Liberec (Reichenberg). Sie soll in wenigen Wochen beendet werden. Man geht von einem Komplettprojekt aus: betroffen seien kleine und große Schanzen sowie die Loipen. Der erste realistische Termin für einen internationalen Wettbewerb liege darum erst im Jahr 2026. Die letzte Weltmeisterschaft im Skifliegen fand 2014 in Harrachov statt. (mit klö)

Harrachovs Tradition:

  • Skispringen in Harrachsdorf hat eine mehr als 100-jährige Tradition. 1908 entstanden der deutsche Wintersportverein Harrachsdorf-Neuwelt und der erste tschechische Skiverein.
  • 1919 errichtete der deutsche Wintersportverein die Teufelsberg-Schanze. Sie war zu jener Zeit die größte in der Tschechischen Republik. Weitere entstanden 1928 und 1930.
  • 1952 wurden die Schanzen neu aufgebaut. 1955 wurde das Areal modern konzipiert, und die großen Schanzen K70 und die K50 neu profiliert. Dazu kam eine 30 Meter-Pionierschanze.
  • Die Skiflugschanze entstand mit Zustimmung der FIS 1979, sie wurde später wegen schwerer Stürze gesperrt und umgebaut; die vorerst letzte Skiflug-WM lief dort 2014.

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