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Tschechien: Kontroverses Denkmal beschmiert

Die Statue eines Grenzsoldaten erregt in Cínovec die Gemüter. Die Dörfler wollen sich jetzt wehren.

Von Steffen Neumann
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Ein unbekannter Täter begoss das Denkmal mit roter Farbe.
Ein unbekannter Täter begoss das Denkmal mit roter Farbe. © Egbert Kamprath

Lange blieb der Grenzsoldat mit Hund in Cínovec (Hinterzinnwald) nicht unversehrt. Nur etwas mehr als eine Woche nach der Einweihung wurde die Sandsteinstatue von einem unbekannten Täter mit roter Farbe übergossen. Die Polizei ermittelt.

Hinter dem Denkmal steht der Klub der tschechischen Grenzsoldaten. Die Statue soll an die Verteidiger der nationalen Grenzen erinnern. Warum dies in Cínovec geschieht, wo früher die Grenze zwischen zwei sozialistischen Bruderstaaten verlief, wurde nicht erklärt. Auf mehrfache Nachfragen antwortete der Klub bisher nicht. Recherchen haben aber ergeben, dass das Grundstück, auf dem das Denkmal steht, einem früheren Grenzsoldaten aus Teplice (Teplitz) gehörte, der es dem Klub vermachte.

Ursprünglich sollte hier eine überlebensgroße Statue für die Verteidiger des Grenzlands aus Cheb (Eger) stehen, die dem Klub aber nicht verkauft wurde. Der Klub sieht nur auf den ersten Blick wie ein Nostalgieverein aus. Das tschechische Innenministerium führt ihn als extremistische Organisation, weil seine Vertreter wiederholt die demokratische Ordnung in Frage stellen. Vor Jahren errichtete der Klub an gleicher Stelle bereits ein Denkmal, das ebenfalls wiederholt beschmiert wurde. Täter konnten nie ausfindig gemacht werden.

Denkmal für Mörder

Den Einwohnern von Cínovec ist das Denkmal sichtlich unangenehm. Für sie ist das wie ein Kuckucksei, das ihnen ins Nest gesetzt wurde. „Hier sind eigentlich alle dagegen und wir müssen jetzt mit diesem Schandfleck leben“, wählt Veronika Pacáková, die nur wenige Meter entfernt wohnt, klare Worte. Das Denkmal feiere Mörder und beschmutze das Andenken an Hunderte Grenztote an der Grenze zur Bundesrepublik. An der Grenze starben auch Flüchtlinge aus der DDR oder wurden festgenommen und in der DDR zu vielen Jahren Haft verurteilt.

Die Dörfler wollen sich das Denkmal nicht gefallen lassen. Schon die feierliche Einweihung geriet zu einer Protestaktion. Dutzende Menschen waren erschienen, zeigten Plakate und versuchten die Veranstaltung zu stören. Sie schrien „Mörder“ und „Opfer des Kommunismus“. Einer der Gegendemonstranten fuhr mit einem Motorrad nahe am Denkmal vorbei. Die Polizei musste eingreifen.

Freiheitsdenkmal geplant

Ein Ehepaar, dem eines der Nachbargrundstücke gehört, kündigte die Errichtung eines eigenen Denkmals „Wege zur Freiheit“ an. Es soll eine Art Gegendenkmal sein und in Sichtweite zu dem Grenzsoldaten mit Hund stehen. „Es soll an jene Menschen erinnern, die die Freiheit wollten und im Geist frei blieben, egal ob ihnen die Flucht gelang oder sie an der Grenze sterben mussten“, sagt Anna Šavel. „Uns ist aber wichtig, dass es nicht ‚gegen‘, sondern ‚für‘ etwas stehen wird“, ergänzt Vladimír Šavel. Gemeinsam mit einem Freund wollen sie ein Spendenkonto anlegen und einen Verein gründen. Im Unterschied zum Grenzsoldaten soll ihr Denkmal aus einem Wettbewerb hervorgehen. „Es soll künstlerisch wertvoll sein, geschmackvoll und dezent“, wünscht sich Šavel.

Das Ehepaar hatte ihr Grundstück erworben, um ein Eigenheim zu bauen. „Jetzt haben wir uns entschieden, dass ein Teil der Unterstützung der Demokratie dienen wird“, ergänzt Šavel und fügt hinzu: „Eigentlich können wir dem Grenzschützerklub nur dankbar sein, dass er die Zivilgesellschaft wachgerüttelt hat, um sich für die Freiheit einzusetzen“, so Anna Šavel. Die beiden planen, das Denkmal nächstes Jahr im Sommer einzuweihen.