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Teures Bargeld in Tschechien

Hohe Gebühren am Automaten, unsichere Kurse in Gaststätten, verdächtige Wechselstuben: Wie kommt man günstig zu tschechischen Kronen?

Geldautomat am Rathaus von Dubí nahe Zinnwald. Abheben mit oder ohne Umrechnung?
Geldautomat am Rathaus von Dubí nahe Zinnwald. Abheben mit oder ohne Umrechnung? © Egbert Kamprath

Wer in Tschechien Bargeld braucht, war mit der Abhebung am Geldautomaten lange auf der sicheren Seite. Doch inzwischen ist die bequeme Form, an Bargeld zu kommen, zu einer kleinen Wissenschaft geworden. Eine erste Hürde kam mit dem Service „Dynamic Currency Conversion“ (DCC), bei dem Banken einen sicheren Kurs anbieten.

Das Problem: Der Kurs ist so ungünstig, dass man finanziell immer besser fährt, die Variante ohne festen Umtauschkurs zu wählen, was bei Automaten in der Regel die linke Taste ist.

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Tschechien: Hohe Gebühren an Geldautomaten

Wer sich gegen DCC entscheidet, muss bei der Česká spořitelna (Tschechische Sparkasse) seit einiger Zeit trotzdem zahlen. Mit einer zusätzlichen Gebühr in Höhe von 125 Kronen (rund 5 Euro) wird der Umtauschkurs am Ende fast so ungünstig wie mit DCC. Noch mehr langt die Moneta Money Bank zu. An ihren Automaten beträgt die zusätzliche Gebühr 195 Kronen (fast 8 Euro). Diese Bank hat zwar nicht so ein großes Automatennetz. Einer der Automaten steht aber zum Beispiel ausgerechnet in der Grenzgemeinde Dolní Poustevna (Niedereinsiedel), wo viele Deutsche Bargeld zum Einkaufen brauchen.

Schmerzlicher ist das bei der Česká spořitelna. Die hat das dichteste Automatennetz in Tschechien. Das ist übrigens auch der Grund für die zusätzliche Gebühr. „Wir haben über 1.700 Automaten in Tschechien. Das ist finanziell sehr aufwendig, zumal ein Viertel der Abhebungen durch Kunden anderer Banken im In- und Ausland erfolgt“, reagiert Bank-Sprecher Filip Hrubý. Die zusätzliche Gebühr sei durch die Notenbank Česká národní banka (ČNB) abgesegnet und wird auch nicht infrage gestellt.

„Die Notenbank greift nicht in die Preispolitik der Banken ein. Aber wir prüfen, ob die Kunden ausreichend über die Gebühren informiert werden. Das ist hier der Fall“, bestätigt ČNB-Sprecherin Denisa Všetíčková. Die Kunden müssen der Gebühr nicht zustimmen, sondern können die Dienste anderer Banken wählen. Und das ist die gute Nachricht. SZ hat die Geldautomaten weiterer Banken getestet. Alle bieten zwar den Service DCC an, verlangen aber im Fall der Ablehnung keine zusätzliche Gebühr. Zwar sind deren Filialnetze weniger verbreitet.

Banken ohne Extra-Gebühren

Aber sowohl in der Bezirksstadt Ústí nad Labem (Aussig) als auch in den kleineren Städten wie Děčín (Tetschen), Teplice (Teplitz), Most (Brüx) und Česká Lípa sind ausreichend andere Banken mit ihren Automaten vertreten. Auch in noch kleineren Städten wie Litoměřice (Leitmeritz) oder sogar Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz), Varnsdorf (Warnsdorf), Rumburk (Rumburg) oder Nový Bor (Haida) gibt es eine Auswahl.

Zu den Banken, die keine Extra-Gebühr verlangen, zählen die Komerční banka (KB), die Československá obchodní banka (ČSOB), die Raiffeisen banka, die Unicredit banka, die Fio banka oder die Sberbank. Da die Unicredit-Bank mit der Hypovereinsbank auch in Deutschland aktiv ist, heben Kunden dieser Bank an den Automaten in Tschechien ganz ohne Gebühr ab.

Provisionen lauern

Ein anderes Kapitel sind Automaten der Firma Euronet. Die tauchen zunehmend in touristisch stark frequentierten Dörfern wie Jetřichovice (Dittersbach) in der Böhmischen Schweiz auf. Hier müssen Kunden ebenfalls mit zusätzlichen Provisionen rechnen. Außerdem ist die Bedienoberfläche unübersichtlicher. Wählt man Englisch oder Deutsch als Sprache, bekommt man zunächst nur hohe Geldbeträge zum Abheben angeboten. Hohe Geldbeträge abzuheben, kann eine Strategie sein, den Gebührenanteil zu minimieren. Das lohnt sich für alle, die regelmäßig in Tschechien sind. Der Kurs der Krone ist relativ stabil und legte in den letzten Jahren tendenziell eher zu.

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Cashback im Supermarkt in Tschechien

Wer wenig Bargeld braucht, hat aber noch eine andere Alternative. Man kauft bei einem großen Supermarkt wie Tesco oder Globus ein, zahlt in Euro und lässt sich den Restbetrag in Kronen auszahlen. Diese Art Cashback läuft ganz ohne Gebühren und zu einem vergleichbar guten Kurs. Dagegen muss, wer überall woanders gleich in Euro zahlt, eher einen schlechteren Kurs erwarten. Das gilt für Restaurants und Hotels genauso wie für Freibäder oder Schlösser. Zumal nicht einmal sicher ist, ob immer Euro akzeptiert ist.

Vorsicht bei Wechselstuben

Wer Bargeld braucht, kann auch ganz konventionell Geld wechseln. Allerdings empfiehlt sich dabei, eine Geschäftsbank zu wählen. Zwar gibt es seit zwei Jahren ein Gesetz, das die bis dato oft unlauteren Geschäftspraktiken der immer noch zahlreichen Wechselstuben einhegt. So kann man innerhalb von drei Stunden ohne Angaben von Gründen einen Rücktausch verlangen. Auch sind die Stuben verpflichtet, die Kurse transparent anzuzeigen. Die Erfahrung zeigt aber leider, dass der Rücktausch häufig verweigert wird. Dann hilft nur der Gang zum Anwalt, was die meisten Touristen scheuen.

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Am Ende empfiehlt sich doch, vorzugsweise mit Kreditkarte zu zahlen. Diese Zahlungsart ist in Tschechien deutlich weiter verbreitet als in Deutschland. Selbst kleinste Beträge können mit Karte gezahlt werden. Zusätzliche Gebühren fallen in den seltensten Fällen an. Dabei muss beachtet werden, immer die Zahlung in Kronen zu verlangen: „Prosím, platit v korunách.“

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