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Trauer um den Herrn des Zwiebelmusters

Mit 88 Jahren starb der langjährige Chef von Český porcelan im tschechischen Dubí.

Bis zuletzt innovativ - Vladimír Feix mit einem Kaffeebecher to go aus Porzellan.
Bis zuletzt innovativ - Vladimír Feix mit einem Kaffeebecher to go aus Porzellan. © Steffen Neumann

Er war der Patriarch der Porzellanfabrik von Dubí (Eichwald). Vladimír Feix führte das traditionsreiche Unternehmen mehr als 50 Jahre. Am Montag ist er plötzlich gestorben, teilte die Manufaktur mit.

„Als ich als 15-jähriger 1947 die Lehre in der Manufaktur antrat, konnte ich noch mit der Straßenbahn aus dem Elternhaus in Trnovany (Turn) in die Porzellanfabrik fahren“, erzählte Feix in einem der vielen Gespräche mit der Sächsischen Zeitung. Er lernte in der schweren Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, schaute sich viel von den sudetendeutschen Facharbeitern ab, die nicht vertrieben wurden, um die Kontinuität zu erhalten.

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Arbeitsvertrag mit Service

Er hielt die Porzellanfabrik nach 1989 im Geschäft, als andere Hersteller der Branche bankrott gingen. Feix kaufte die Fabrik vom Staat. Später holte er noch die Fabrik für figürliches Porzellan Royal Dux in Duchcov (Dux) in Familienbesitz. „Der persönliche Kontakt ist die Voraussetzung eines guten Geschäfts“, war sein Credo. Das Flaggschiff der Fabrik war für Feix immer das Zwiebelmuster. Die Lizenz aus Meißen erhielt Dubí schon 1886. Feix hielt daran fest, als es in den 1990ern weniger gefragt war. Vor allem in Fernost riss das Interesse nie ab. Nach Deutschland liefert die Fabrik nicht nur Zwiebelmuster, sondern vor allem Pötte.

Als Chef und Eigentümer war Feix ein sozialer Unternehmer. Für seine Belegschaft, zu über 90 Prozent Frauen und oft in zweiter und dritter Generation, ließ er eine firmeneigene Kita und Wohnungen bauen. Ein Starterpaket für Geschirr mit dem Zwiebelmuster gehörte ebenso zum langfristigen Arbeitsvertrag wie günstiges Mittagessen in der Kantine. Das erwies sich als kluger Schachzug. Jede Mitarbeiterin war bestrebt, die eigene Kollektion ständig zu erweitern.

Feix ließ das alte Kino in ein Porzellanmuseum umbauen und unterstützte die Kleinstadt, deren Ruf vor allem in den 1990er durch die grassierende Prostitution gelitten hatte, nach Kräften.

Für Nachfolge gesorgt

Feix ließ das alte Kino in ein Porzellanmuseum umbauen und unterstützte die Kleinstadt, deren Ruf vor allem in den 1990er durch die grassierende Prostitution gelitten hatte, nach Kräften.

Für die Nachfolge hat der Firmenchef, der das Unternehmen bis zuletzt selbst leitete, schon lange gesorgt. Ein Sohn führt Royal Dux, der zweite ist Betriebsleiter in Dubí. Der Abschied vom Porzellanliebhaber findet standesgemäß in der venezianischen Kirche der Unbefleckten Empfängnis statt.

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