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Tschechien: Beamter bürgert Gesundheitsminster aus

Adam Vojtěch hat es schon allein wegen der Corona-Pandemie nicht leicht. Jetzt verlor er fast seinen Wohnsitz in Südböhmen, weil man sich dort "schämt".

Adam Vojtěch würde von einem Beamten in seiner Heimat ausgebürgert - im Alleingang.
Adam Vojtěch würde von einem Beamten in seiner Heimat ausgebürgert - im Alleingang. © vlada.cz

Tschechiens Gesundheitsminister Adam Vojtěch ist Kummer gewöhnt. Stichwort Corona. Da steht er naturgemäß ständig in der Kritik. Doch mit solchem Ärger einer Behörde wie jetzt hat er denn doch nicht gerechnet: Auf einem Kopfbogen seines südböhmischen Wohnorts Včelná/Bienendorf in Südböhmen wurde ihm mitgeteilt, dass er seinen festen Wohnsitz dort verliert. Geschrieben und abgestempelt hat das ein gewisser František Mareš, der im Gemeindeamt arbeitet. Aus eigenem Antrieb, ohne jede Absprache und vor allem völlig gesetzwidrig.

„Das ist mein Protest als Bürger gegen die Führung dieses Landes und namentlich gegen das Gesundheitsministerium, das laufend Verordnungen gegen Covid erlässt, die sich als verfassungswidrig herausstellen“, begründete der Wutbürger im Beamtenstatus seine Entscheidung. „Unser Dorf schämt sich für Minister Vojtěch.“

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Mareš betonte, dass er eigentlich kein Typ sei, der gern viel Wind mache. „Ich bleibe lieber in meiner Komfortzone. Als ich die Sache entschieden habe, ahnte ich auch schon, dass das Ärger geben könnte.“

Den hat er nun tatsächlich. Bürgermeister Miroslav Stránský rüffelte seinen Beamten und entzog ihm die Befugnis, über den Wohnsitz von Leuten in der Gemeinde zu entscheiden. Womöglich verliert er sogar seinen Job. Bei Gesundheitsminister Vojtěch bat der Bürgermeister um Entschuldigung für das nassforsche Vorgehen seines Mitarbeiters.

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Der Minister nahm die Sache gelassen, „zumal die klar ersichtlich völlig dem Gesetz widersprach“. Sauer war Vojtěch dagegen, dass der vorwitzige Beamte eine Kopie seines „Ausbürgerungs“-Schreibens auch in den sozialen Netzwerken veröffentlichte. Denn damit hatte dann halb Tschechien die Möglichkeit, sich auf Kosten des Ministers zu amüsieren.

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