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Tschechien: Abschied vom Sebnitzer Hausberg

Der Tanečnice (Tanzplan) war im Sommer ein beliebtes Wanderziel an der tschechischen Grenze. Das hat etwas mit der Küche zu tun - und mit dem Ausblick.

Von Anja Weber
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Am 31. Oktober hatte die Gaststätte auf dem Tanzplan (Tanečnice) bei Sebnitz letztmalig im Herbst geöffnet.
Am 31. Oktober hatte die Gaststätte auf dem Tanzplan (Tanečnice) bei Sebnitz letztmalig im Herbst geöffnet. © Anja Weber

Die Wandersaison in der Sächsischen wie auch in der Böhmischen Schweiz auf beiden Seiten der Grenze neigt sich dem Ende entgegen. Wer konnte, hatte die letzten Tage noch einmal für einen Ausflug genutzt. Und so war auch der Tanečnice (Tanzplan) ein beliebtes Ziel. Den etwa 600 Meter hohen Berg teilen sich die Einwohner von Mikulášovice (Nixdorf) und Sebnitz als ihren Hausberg. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man zum Beispiel am vergangenen Wochenende mehr Sebnitzer auf dem Berg getroffen hatte, als auf dem Marktplatz. Und das hat seinen Grund, einen kulinarischen.

Die Wirtsleute vom Občerstvení na Tanečnice blicken auf eine recht erfolgreiche Saison zurück. Seit dem Frühjahr sind hier unzählige Gulaschportionen, Knoblauchsuppen, mit Rauchfleisch gefüllte Klöße, Schnitzel, Hermelín (Camembert) oder Blaubeerknödel und hausgemachte Limonade und Bier über den Tresen gewandert. Die Speisekarte ist zwar übersichtlich, für einen Wanderausflug durchaus ausreichend. Und das schätzen offenbar viele. Jetzt ist damit aber erst einmal Schluss.

Die Gaststätte hatte am 31. Oktober letztmalig in der Herbstwandersaison geöffnet. Erst zwischen dem 24. Dezember und dem 2. Januar kann man wieder einkehren. Und den Termin haben sich offenbar einige der Ausflügler schon für eine Winterwanderung notiert, wie auch Werner und Hiltrud Hänsel aus Neustadt. Das Ehepaar nutzte den 31. Oktober wie viele anderer zum eher stürmischen "Abwandern". Denn der Böhmische Wind blies gar kräftig über das Plateau. "Wir kommen meist dreimal im Jahr auf den Tanzplan, um hier den Wechsel der Jahreszeiten mitzuerleben. Früher sind wir sogar mit dem Fahrrad über Mikulášovice hierher gefahren", sagt Werner Hänsel.

Schwieriger Aufstieg und ganz neue Ausblicke

Wer wie das Ehepaar Hänsel den Tanzplan in regelmäßigen Abständen immer mal wieder erklimmt, dem wird es nicht entgangen sein: Der Anblick hat sich stark verändert. Waren es in den letzten Jahren vor allem Stürme, die viele Bäume zu Fall brachten, ist es inzwischen der Borkenkäfer. Wie auch in der Sächsischen Schweiz haben hier die Forstbetriebe und Holztransportunternehmen gut zu tun. Um vor dem Winter noch einiges zu schaffen, wird in den Wäldern rings um den Tanzplan auch sonntags gearbeitet. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Experten gehen davon aus, dass auch im kommenden Jahr noch weitere befallene Bäume um den Berg gefällt werden müssen. Stürmischer Wind könnte dann noch den letzten verbleibenden Einzelbäumen den Rest geben. An zwei Standorten wurde bereits mit der Wiederaufforstung begonnen.

Der Tanzplan kann von verschiedenen Seiten erwandert beziehungsweise erradelt werden. Wer den Aufstieg vom Parkplatz Forellenschenke nutzt, sollte auf jeden Fall festes Schuhwerk tragen und nicht etwa auf einen Sonntagsspaziergang aus sein. Der steile Anstieg auf dem letzten Abschnitt ist fast komplett ausgespült. Hier empfiehlt es sich, den Trampelpfad daneben zu nutzen.

Komfortabler ist der Wanderweg über Tomášov (Thomasdorf). Diesen erreicht man ebenfalls vom Parkplatz Forellenschenke wie auch vom Sebnitzer Ortsteil Hertigswalde aus. Vorbei geht es an riesigen nicht enden wollenden Holzbergen. Der Wanderweg aus Richtung Tomášov aus ist bis auf einen kleineren Abschnitt gut begehbar, zumal er auch als Fahrstraße auf den Tanzplan dient. Während der Weg noch im Frühjahr von dichtem - zwar bereits schadhaftem - Baumbewuchs gesäumt war, stehen jetzt im Herbst nur noch vereinzelt Laubbäume, die sich bedrohlich im böhmischen Wind hin und her neigen. Die vom Borkenkäfer befallenen Bäume werden gefällt, das Holz wird aus dem Wald transportiert.

Wegen Sturm- und Borkenkäferschäden ergeben sich ganz neue Anblicke auf den Tanzplan.
Wegen Sturm- und Borkenkäferschäden ergeben sich ganz neue Anblicke auf den Tanzplan. © Anja Weber
Noch bis vor Kurzem wäre diese Aussicht vom Plateau der Gaststätte nicht möglich gewesen.
Noch bis vor Kurzem wäre diese Aussicht vom Plateau der Gaststätte nicht möglich gewesen. © Anja Weber
An einigen Stellen wurde mit der Wiederaufforstung begonnen. Die jungen Bäume werden mit Draht geschützt.
An einigen Stellen wurde mit der Wiederaufforstung begonnen. Die jungen Bäume werden mit Draht geschützt. © Anja Weber
Verlaufen kann man sich nicht. Anhand des Kartenmaterials und der guten Ausschilderung kommt man sicher auf den Tanzplan.
Verlaufen kann man sich nicht. Anhand des Kartenmaterials und der guten Ausschilderung kommt man sicher auf den Tanzplan. © Anja Weber

Tipp für Wanderer und Radler

Von Sebnitz aus ist der Tanzplan auf zwei Routen zu erreichen. Zum einen über den direkten, aber bergigen Aufstieg aus Richtung Forellenschenke und zum anderen über den etwas gemächlichen Weg über Tomášov. Wer nicht einkehren möchte, kann auch jetzt noch zum Tanzplan wandern. Ganz aktuell sollten jedoch die Wegsperrungen wegen Baumfällarbeiten oder auch Windbruchgefahr beachtet werden. Wer allerdings mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte entweder über Sebnitz-Hertigswalde-Tomášov oder über Mikulášovice den Berg erklimmen.

Der Tanzplan ist am schnellsten über zwei Routen zu erreichen, entweder vom Parkplatz Forellenschenke aus oder von Sebnitz-Hertigswalde.
Der Tanzplan ist am schnellsten über zwei Routen zu erreichen, entweder vom Parkplatz Forellenschenke aus oder von Sebnitz-Hertigswalde. © Google Maps

Ist die Gaststätte geschlossen, kann auch der Turm nicht bestiegen werden. Das Bauwerk selbst ist aber auch schon von außen imposant genug. Der zehn Meter hohe Unterbau ist aus Granitsteinen errichtet, die im Thomaswald gebrochen wurden. Aus Ziegeln besteht der obere Turmbau. Der untere Turmumfang beträgt an die 25 Meter, die Höhe wird mit 26 Metern angegeben. Die Plattform ist über 138 Stufen zu erreichen. Die Fertigstellung des Turmes war im Oktober 1904, eröffnet wurde er im Mai 1905. Er ist ein sogenannter Bismarckturm. Als solche bezeichnet man Bismarckdenkmäler, die in Form eines Turmes zwischen 1898 und 1915 errichtet wurden.

Die Gastwirtschaft gab es um diese Zeit bereits. Sie wurde 1910 erweitert. Von den damaligen Gebäuden ist nichts mehr übrig. Sie brannten am 4. Mai 1946 in den Nachmittagsstunden ab. Zwischen 1949 und 1959 befand sich der Turm im Sperrgebiet und war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Von der Gemeinde Mikulášovice und dem Betrieb Mikov wurde 1978 eine neue Gaststätte gebaut so, wie sie in ihrer jetzigen Form bekannt ist.