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Tschechien geht auf Wildschweinjagd

Um die Schweinepest zu verhindern, wird im Grenzgebiet geschossen. Doch wegen Corona haben es die Jäger schwer.

Wildschweine in Tschechien sind gerade nicht leicht zu jagen.
Wildschweine in Tschechien sind gerade nicht leicht zu jagen. © Ralf Hirschberger/dpa (Symbolbild)

Tschechien geht großflächig gegen die Schweinepest vor. Seit November werden zwischen Hřensko (Herrnskretschen) in der Böhmischen Schweiz und Harrachov (Harrachsdorf) im Riesengebirge verstärkt Wildschweine gejagt. Noch gibt es in Tschechien keinen Fall von Schweinepest. Doch mit dem Auftauchen im benachbarten Sachsen und Polen rückte die Gefahr näher. „Die neuesten Fälle in Sachsen sind nicht mehr weit von unserer Grenze entfernt. In der Paarungszeit, die gerade läuft, bewegen sich die Tiere locker 50 Kilometer in einer Nacht. Die Gefahr, dass die Pest zu uns getragen wird, ist also sehr hoch“, sagt Petr Pilous, Chef der Bezirksveterinärverwaltung in Ústí nad Labem (Aussig).

Ziel der Aktion ist, die Wildschweine im Grenzgebiet wenn möglich ganz abzuschießen. Das Gebiet mit intensiver Bejagung ist 1.500 Quadratkilometer groß und erstreckt sich vor allem auf die beiden Landbuchten Schluckenauer und Friedländer Zipfel sowie im Landesinneren bis zu den Städten Děčín (Tetschen), Nový Bor (Haida), Liberec (Reichenberg), Jablonec nad Nisou (Gablonz) und Tanvald (Tannwald).

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Doch die Jäger werden froh sein müssen, wenn sie den Wildbestand bestenfalls auf das Niveau vor der Coronapandemie bringen. Die hat nämlich dafür gesorgt, dass sich die Tiere rasend schnell verbreitet haben. Schon im Frühjahr konnten wegen der Einschränkungen nur vereinzelt gejagt werden. Und auch im Herbst wurden wegen des Teil-Lockdowns keine Großjagden veranstaltet. „Und wenn jemand eingeladen hat, waren die Jäger vorsichtig, die Einladung anzunehmen“, weiß Vlastimil Waic von der Böhmisch-Mährischen Jägerunion.

Genug Futter ist da

Da helfen nicht einmal die Prämien, die der Staat für abgeschossene Tiere ausgerufen hat. In dem Jagdgebiet an der Grenze wurde die Prämie für das Auffinden eines verendeten Tieres noch einmal um 1.000 Kronen auf 3.000 angehoben (rund 111 Euro). Für den Abschuss eines Wildschweins kassieren Jäger eine Prämie von 2.000 Kronen (74 Euro).

Der Wildschweinboom wird noch durch zwei Faktoren begünstigt. Ausgerechnet 2020 ist ein sogenanntes Mastjahr. Bäume werfen ihre Früchte immer nur alle 6-10 Jahre ab, dann aber in großen Mengen, um die Überlebenschancen zu erhöhen. Die Wildschweine finden in den Wäldern also reich gedeckte Tische vor.

Dazu kommt, dass durch den Lockdown viel mehr Menschen als sonst in den Wäldern unterwegs sind, und das Wild verscheuchen und die Jäger nicht in Ruhe jagen können. „Es geht nicht nur um Touristen, sondern auch um Menschen, die ihre Hunde ausführen, Läufer, Radfahrer, auch Motorradfahrer“, erklärt Waic. Der Wildschweinbestand gilt in Tschechien schon länger als zu hoch. Immer wieder dringen die Tiere auf der Nahrungssuche bis in die Städte vor. Die ungestörte Aufzucht der Jungtiere in diesem Jahr dürfte den Bestand deutlich erhöht haben. Eine Sau bringt im Schnitt vier Frischlinge zur Welt. Die weiblichen Tiere sind nach einigen Monaten geschlechtsreif, die männlichen nach zwei Jahren. „Innerhalb von zwei Jahren könnten so aus zehn Schweinen 250 werden, wenn nicht gejagt wird“, so Waic. In Tschechien trat die Schweinepest erstmals 2017 auf. Seit vergangenem Jahr gilt das Land als frei von der Tierkrankheit.

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