merken
PLUS Pirna

Tschechien investiert massiv in Erzgebirgs-Lückenschluss

Aktuelle Reparaturarbeiten sind nur der Anfang. Nun warten alle auf Dresden.

Bis Anfang Juli werden auf der Strecke Bahnschwellen und Schienen ausgetauscht.
Bis Anfang Juli werden auf der Strecke Bahnschwellen und Schienen ausgetauscht. © Ivan Douša

Am tschechischen Grenzbahnhof Moldava (Moldau) im Erzgebirge ist es derzeit ruhig. Seit letzter Woche fährt hier kein Zug mehr. Zwischen den Stationen Dubí (Eichwald) und Moldau ist die Bahnstrecke gesperrt. „Messungen haben ergeben, dass auf dem Gleisbett die Grenzwerte für einen sicheren Bahnbetrieb überschritten wurden“, erklärte Nela Friebová, Sprecherin der Schienennetzverwaltung Správa železnic (SŽ). Die Sperrung kommt zur Unzeit. „Wir hatten uns nach der Pandemie schon auf Gäste gefreut. Und nun das“, klagt Michal Cuc, Gemeindevertreter von Moldau. Die Bahnstrecke ist vor allem bei Touristen beliebt, weshalb die Züge außerhalb der Saison nur an Wochenenden fahren. In den Sommermonaten Juli und August aber verkehren die Triebwagen täglich. Auch regelmäßige Direktverbindungen aus Ústí nad Labem (Aussig) bringen Touristen auf den Erzgebirgskamm. Seit 2015 steigen die Passagierzahlen kontinuierlich. Schon allein die Fahrt auf der denkmalgeschützten Strecke ist ein Erlebnis, das gern auch von deutschen Touristen genossen wird.

Nicht nur deshalb drängen Politiker beiderseits der Grenze, die seit 1945 unterbrochene Bahnstrecke von Freiberg ins nordböhmische Most (Brüx) zu schließen. Die Strecke könnte in der Zukunft im Zusammenhang mit dem geplanten Lithiumabbau eine wichtige Rolle spielen. Der deutsche Teil endet immer noch unverändert hinter Holzhau. Bis nach Moldau fehlen knapp 8,5 Kilometer Gleis. Seit drei Jahren werden die Bemühungen von Gemeinden an der Strecke, Vereinen und Politikern in einer deutschen und tschechischen Interessengruppe gebündelt. Auf tschechischer Seite koordiniert Petr Fišer die Aktivitäten. Trotz der Nachricht von der Sperrung kann er einen weiteren Meilenstein für den Lückenschluss vermelden. Správa železnic plant nämlich massive Investitionen in die Ertüchtigung der Strecke. „Die aktuelle Situation zeigt nur den Investitionsbedarf“, sagt Fišer.

Anzeige
Familienabenteuerland Sachsen
Familienabenteuerland Sachsen

Die schönsten Regionen Sachsens, die besten Ausflugsziele und kulinarischen Highlights. Hier gibt's Geheimtipps, die garantiert noch nicht Jeder kennt.

Was in Zukunft geplant ist unterstreicht, welche Priorität Tschechien der Bahnverbindung beimisst. Wenige Tage bevor die Strecke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste, schrieb die Schienennetzverwaltung einen Großauftrag über 3,8 Milliarden Kronen, umgerechnet 152 Millionen Euro, aus. Hauptziel ist „der langfristige Betrieb der Bahnstrecke“, heißt es in der Auftragsbeschreibung. Der Auftrag umfasst die Sanierung der Strecke und der Bahnstationen sowie die Modernisierung der Bahntechnik. Über den Zeithorizont kann Správa železnic noch keine Angaben machen. „Wir stehen am Anfang“, sagt Friebová. Anders sieht es mit der aktuellen Sperrung aus. Die Arbeiten haben bereits begonnen und sollen bis Anfang Juli, pünktlich zum Start des Sommerbetriebs, fertig sein.

Steve Ittershagen, langjähriger Landtagsabgeordneter für die CDU und seit Juni neuer Geschäftsführer des Welterbevereins Montanregion, der sich auf deutscher Seite mit der IG Muldentalbahn für den Lückenschluss einsetzt, sieht die tschechischen Investitionen in die Strecke als „ermutigendes Bekenntnis für die Zukunft des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs“. Leider bleibe der Freistaat ein ähnliches Signal bislang schuldig. Schon vor zwei Jahren hatte Wirtschaftsminister Martin Dulig eine Potenzialanalyse angekündigt. Doch der Prozess ist offenbar ins Stocken geraten. Die Analyse liegt immer noch nicht vor. Es wurde lediglich die LIST GmbH (Landesinstitut für Straßenwesen) mit dem Vergabeprozess der Umweltstudie betraut. Immerhin vermeldet das Wirtschaftsministerium SMWA: „Es konnte ein Büro für eine weitere Untersuchung, vornehmlich der entscheidenden Umwelt- und Naturschutzbelange, gefunden werden“, heißt es. Erste Ergebnisse kündigte das SMWA für den Herbst an.

Ittershagen fordert vom Ministerium trotzdem mehr Tempo. „Die Situation ist für uns unbefriedigend“, beklagt er. Ittershagen verweist auf die Möglichkeit der Nutzung von EU-Geldern. „Die Kosten, den Abschnitt zu schließen, sind im Vergleich zu dem, was jetzt Tschechien in die Hand nimmt, niedrig. Und wir bekommen dafür sogar noch EU-Mittel“, so Ittershagen.

Korrektur am 17. Juni:

Im obigen Beitrag waren leider einige Zahlenangaben nicht korrekt. Wir bitten, das zu entschuldigen und korrigieren hiermit:

Weiterführende Artikel

Tschechiens Premier schürt Angst vor Migranten

Tschechiens Premier schürt Angst vor Migranten

Die Tschechen wählen bald ein neues Parlament. Die Umfragen führt Premier Andrej Babiš derzeit nicht an. Nun versucht er, Wähler am rechten Rand zu gewinnen.

In die aktuellen Reparaturen des Bahngleises zwischen Moldava (Moldau) und Dubí (Eichwald) investiert die tschechische Schienennetzverwaltung Správa železnic (SŽ) 40 Millionen Kronen (1,6 Mio. Euro). Im Herbst sind weitere Reparaturen unterhalb von Dubí geplant.Parallel sucht SŽ ein Planungsbüro, welches das Projektvorhaben zur umfassenden Sanierung der kompletten Strecke von Osek nach Moldava erstellt. Das Volumen dieses Auftrags liegt bei 3,8 Millionen Kronen (152.000 Euro). Wie hoch die Kosten für die komplette Sanierung sind, lässt sich laut SŽ noch nicht sagen. Frühere Schätzungen gingen von einem Investitionsbedarf von 35 Millionen Euro aus. (stn)

Mehr zum Thema Pirna