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Eklat am Krankenbett des tschechischen Präsidenten

Ein unerlaubter Besuch des Parlamentspräsidenten Radek Vondráček beim schwerkranken Präsidenten Milos Zeman sorgt für Empörung.

Von Hans-Jörg Schmidt
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Wie krank ist Präsident Miloš Zeman?
Wie krank ist Präsident Miloš Zeman? © Filip Singer/EPA/dpa

Prag. Wie krank ist Präsident Miloš Zeman? Diese Frage bewegt die Tschechen seit Tagen. En Antwort darauf haben sie bislang nicht bekommen. Auch die Politiker stochern im Nebel. Zeman spielt in der Zeit zwischen der Wahl und der Bildung einer neuen Regierung eine mehr als nur zeremonielle Rolle. „Wir erwarten keine genaue Diagnose. Wir möchten aber schon wissen, ob der Präsident in der Lage ist, sein Amt auszuführen“, lautete deshalb unisono der Tenor aus der Politik.

Jetzt gibt es eine Diagnose, wenn auch eine völlig überraschende. Sie kommt auch nicht von einem Arzt, sondern vom zweitwichtigsten Amtsträger des Landes, dem Chef des Abgeordnetenhauses, Radek Vondráček.

Der hat Zeman am Donnerstag auf der Intensivstation des Prager Militärkrankenhauses besucht. Der Präsident war dorthin einen Tag nach den Wahlen mit einem Rettungswagen von seinem Landsitz aus gebracht worden. Zeman selbst hatte den Ärzten ausdrücklich untersagt, eine Diagnose seines Zustands an die Öffentlichkeit zu tragen. Was die Gerüchteküche massiv angeheizt hat.

Miroslav Zavoral, der behandelnde Arzt von Zeman.
Miroslav Zavoral, der behandelnde Arzt von Zeman. © CTK

Nun sorgte anstelle der Mediziner der Parlamentschef für eine „Diagnose“: „Der Präsident war guter Laune, war kommunikativ, machte sogar einen Witz. Er war der Miloš Zeman, wie ich ihn kenne, mit einem verschmitzten Lächeln. Ich kann alle Spekulationen zurückweisen, dass er sein Amt nicht ausüben könne“, erklärte Vondráček vor der Presse.

Im festen Glauben, das einzig Richtige zu tun, zeigte er wie zum Beweis ein offizielles Dokument vor, mit dem der Präsident die erste Sitzung des neuen Parlaments für den 8. November einberufen hat. „Der Präsident hat das eigenhändig in meiner Anwesenheit unterschrieben“, betonte der Parlamentschef. Organisiert worden war der Besuch Vondráčeks vom Leiter der Präsidialkanzlei, Vratislav Mynář.

Das Problem: Zemans behandelnder Arzt, der gleichzeitig dem ganzen Klinikum vorsteht, wusste nichts von dem überraschenden Besuch am Krankenbett seines Patienten auf der Intensivstation. Und dementsprechend schäumt er nun. „Niemand von uns war vorab informiert worden. Und bei dem Gespräch war auch niemand vom Personal des Krankenhauses zugegen.“ Derzeit hätten ausschließlich Familienangehörige Zugang zum Bett des Präsidenten.

Radek Vondracek (r.) empfing im August Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Radek Vondracek (r.) empfing im August Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. © dpa

Ausdrücklich distanzierte sich der Mediziner auch von der „Diagnose“, die Vondráček nach seiner „Visite“ über den Zustand des Präsidenten abgegeben hatte. Was nun neue Debatten über die Schwere der Erkrankung Zemans ausgelöst hat. Die gipfeln in der Sorge, dass es dem Präsidenten womöglich gar nicht so gut gehe, wie es dem Parlamentspräsidenten erschien.

Die Leitung des Klinikums forderte die Polizei auf, von sofort an niemanden mehr zu Zeman vorzulassen, der dafür nicht die Zustimmung der Ärzte habe.

Auch das politische Prag fragt sich jetzt, was die Präsidialkanzlei geritten hat, dem Parlamentspräsidenten hinter dem Rücken der Ärzte den Zugang zu Zeman zu ermöglichen. Es stelle sich unter anderem auch die Frage, ob Vondráček vor seiner „Visite“ auf Covid getestet worden sei oder womöglich die Gefahr einer Ansteckung bestanden habe.

Im Verlauf des Donnerstags hatte sich die Ehefrau Zemans, Ivana, an die Öffentlichkeit gewandt und namentlich die Journalisten gebeten, keine weiteren Spekulationen mehr über den Gesundheitszustand des Präsidenten anzustellen. Das sei zumindest „unethisch“. Ivana Zemanová bat darum, ihrem Ehemann die Zeit zu geben, um wieder zu Kräften zu kommen. Wie es ihm derzeit wirklich gehe, sagte sie allerdings auch nicht.