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Turow kostet Tschechien 60 Millionen Euro

Das Geld ist nötig, um die Grenzregion nach der Bergbau-Erweiterung weiter mit Trinkwasser zu versorgen. Dafür zahlen soll aber Polen.

Blick in den Tagebau bei Zittau, der das polnische Kraftwerk Turow mit Braunkohle beliefert.
Blick in den Tagebau bei Zittau, der das polnische Kraftwerk Turow mit Braunkohle beliefert. © Matthias Weber

Auf 1,5 Milliarden Kronen (rund 60 Millionen Euro) schätzen tschechische Wirtschaftler die Kosten für Maßnahmen, um nach der Erweiterung des Bergbaus in Turów die Trinkwasser-Quellen auf ihrer Seite der Grenze sicherzustellen. Das Umweltministerium hat die Pflicht, diese Summe der Europäischen Kommission zu melden und eine Entschädigung zu fordern, informiert die Region Liberec (Reichenberg).

"Bis jetzt investierten wir selbst in diese Maßnahmen mehrere Millionen Kronen", sagt Hauptmann Martin Půta. Er begrüßte, dass die tschechische Regierung an der Seite der Bewohner steht. "Leider sieht es so aus, dass Polen darüber mit uns nicht verhandeln möchte." Die für die Versorgung verantwortlichen Gemeinden und Wasserwerke könnten kein Risiko eingehen. "Dazu noch in einer Lage, wo Polen einen Krisenplan abgelehnt hat", sagt der Regionalchef.

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Ein Überwachungsnetz mit 65 Messpunkten

Die finanzielle Belastung sollte nicht der tschechische Steuerzahler tragen, sondern der Verantwortliche, also die Bergbaufirma, erklärt Martin Půta. Die Region Liberec soll auf ihre Kalkulation bis 12. Oktober eine Rückmeldung bekommen. Am 13. Oktober wird dann in Uhelná bei Hrádek nad Nisou (Grottau) mit Bohrarbeiten für die Installation von Messanlagen begonnen. Entstehen soll ein Überwachungsnetz mit 65 Messpunkten, die die Bewegungen des Bodens und die Auswirkungen der Grube in Turów auf das tschechische Gebiet kontrollieren werden.

"Die Nordböhmische Wassergesellschaft (Severočeská vodárenská společnost) bereitet Projekte für die notwendigen Maßnahmen vor, und erwartet das Geld dafür vom Staat ", so der Generaldirektor der Firma Bronislav Špičák. 

Laut Josef Datel, einem Experten des Forschungsinstituts für Wasserwirtschaft, verschlechtert die Lage auch die allgemeine Trockenheit und die Klimaveränderungen. Durch den Bergbau sollen die Grundwasserquellen auf tschechischem Gebiet um 64 Meter gesunken sein, wobei noch viele Haushalte dort auf eigene Quellen angewiesen sind.

Tschechien hat erst  vorige Woche einen weiteren Schritt getan, gegen die Erweiterung des Tagesbaus zu klagen. Grund ist die Sorge um das Grundwasser im Grenzgebiet. Unterstützung kommt von der bündnisgrünen EU-Abgeordneten für Sachsen Anna Cavazzini. Sie fordert, dass die deutsche Seite nachzieht. Der Betreiber des Kraftwerks und Tagebaus lässt derzeit die Abwasser-Reinigungsanlage für 30 Millionen Euro modernisieren, um etwas für den Umweltschutz zu tun. Er will noch bis 2044 Kohle abbauen, weshalb die Grube erweitert werden soll. 

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