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Wegen Turow-Folgen: Weitere Messungen im Grenzgebiet

Tschechien will herausfinden, wie sich der polnische Tagebau auf das Grundwasser auswirkt. Dazu liefen jetzt Tests.

Von Petra Laurin
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Vorbereitung für Beobachtungen des Grundwasserspiegels.
Vorbereitung für Beobachtungen des Grundwasserspiegels. © Roman Sedlácek

Im tschechischen Grenzort Uhelná (Kohlige) zu Polen sind in den vergangenen Tagen weitere Messungen durchgeführt worden, die mit den Auswirkungen und Erweiterungsplänen des Tagebaus Turow zusammenhängen. "Der Boden hat bei den Tests tatsächlich gebebt", berichtet Einwohner Roman Sedláček auf der Internetseite der Stadt Hrádek nad Nisou (Grottau).

Experten setzten bei den Probemessungen auf eine Technik, die auf der sogenannten Reflex-Seismik basiert. Diese sollen geologische Angaben über die Umgebung der Hrádeker Ortsteile Uhelná und Oldřichov na Hranicích (Ullersdorf) präzisieren. Laut dem Geophysiker und Mitglied des Forscherteams Tomáš Chabr ist die Geologie des Grenzgebietes relativ kompliziert. Der kontinentale Gletscher hat sie einst stark beeinflusst, erstreckte er sich doch bis dahin. "Aus hydrogeologischer Sicht ist es notwendig, möglichst viel über die jeweilige Situation zu wissen, um gut zu verstehen, wie die Wasserverhältnisse an der Grenze fungieren", erklärt er.

Die Messungen einer Fachfirma dauerten mehrere Tage. Ein spezieller Terrainwagen mit einem Pochwerk erstellte mechanische Stöße entlang der abgegrenzten Bodenlinie. Es wurden seismische Wellen erzeugt, die im Boden räsonierten und schallten, bevor sie die Oberfläche erreichten. Entlang der rund 800 langen Messlinie waren 160 Sensoren platziert, die die Reaktion in verschiedenen Abständen von der Quelle der Stöße maßen. Die Aufzeichnungen verarbeiten nun Experten des Tschechischen Geologischen Dienstes. Die Ergebnisse sollen helfen, die am besten geeigneten Standorte für zusätzliche Messbohrungen zu finden. Darüber hinaus werden langfristige Daten zum Grundwasser erfasst.

Im Vorjahr liefen an der Grenze schon Lärmmessungen. Es gibt an der Grenze auch eine Station, welche die Staubbelastung erfasst. Die Beobachtungen zum Grundwasserspiegel kontrollieren die tschechischen geologischen Dienste schon längere Zeit. Auch Zittau ist von den Bergbau-Folgen betroffen.

Betreiber PGE will in Turow noch bis 2044 Kohle fördern. Dagegen hat Tschechien voriges Jahr eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof eingereicht. Das Land hat ernste Befürchtungen, dass die umliegenden Gemeinden ihre Trinkwasserquellen verlieren. Betroffen sind ungefähr 30.000 Leute um Hrádek (Grottau) und Frýdlant (Friedland). Im Sommer 2021 folgte das Urteil: Der Betrieb soll sofort gestoppt werden, bis es eine juristische Klärung gibt. Doch Polen wehrt sich seither und fördert weiter Kohle. Seit September muss das Land deswegen 500.000 Euro Strafe am Tag zahlen. Die Fronten sind verhärtet. Am Donnerstag nun war Tschechiens neue Umweltministerin Anna Hubáčková vor Ort, um sich mit der Lage vertraut zu machen.