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Pirna

Neujahrszuwachs im Streichelzoo

Die nordböhmischen Zoos in Ústí und Děčín leiden unter den Folgen von Corona, aber es gibt Lichtblicke.

© Ingrid Veselá Volfová

Es gibt noch gute Nachrichten. Um Neujahr kam es im Zoo von Ústí nad Labem (Aussig) zu einem kleinen Geburtenboom. Dafür sorgte die Zucht der Kamerunschafe im Alleingang. „Zwei kurz vor Silvester und vier Lämmer in den ersten Tagen des Jahres“, meldet Zoo-Sprecher Matěj Kynšt. Damit gehörte diesen Tieren auch das Privileg, das erste Baby des neuen Jahres zu stellen. Es ist ein kleiner Hammel.

Nachwuchs bei den Kamerunschafen ist jedoch nichts ungewöhnliches. Geburten um den Neujahrestag sind typisch für diese afrikanische Art, deren Junge wegen ihres kurzen Fells häufig mit Ziegen verwechselt werden. Im einzigen Bergzoo Tschechiens sind sie sehr populär, denn sie bilden den Streichelzoo der Einrichtung. Kinder können das Gehege betreten und die Tiere mit einem Spezialfutter füttern.

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Rückgang um ein Viertel

Bis wieder gestreichelt werden kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Seit dem 18. Dezember sind die Zoos wieder geschlossen. In der Vorweihnachtszeit hatten die Tore der Zoos noch einmal für 14 Tage geöffnet. Aufgrund der immer noch hohen Infektionszahlen durfte der Zoo jedoch nur ein Viertel der normalen Kapazität aufnehmen. In Ústí waren das maximal 1.000 Besucher pro Tag.

Die Jahresbilanz konnte das nur leicht aufbessern. Mit 123.000 Besuchern erlebte der Zoo einen Einbruch um mehr als ein Viertel. Grund war die insgesamt mehr als drei Monate dauernde Schließzeit aufgrund der Coronamaßnahmen. Wie hoch der daraus resultierende Verlust ausfiel, ist aktuell noch nicht bekannt. Aber die Stadt Ústí als Eigentümerin überwies dem Zoo bereits eine Nothilfe in Höhe von 1,9 Millionen Kronen.

Welle der Solidarität

„Wir erlebten aber auch eine große Solidaritätswelle durch die Öffentlichkeit. Allein über Tierpatenschaften nahmen wir 400.000 Kronen mehr ein als in früheren Jahren“, sagt Sprecher Kynšt. Weitere Mittel flossen durch Spenden und den Verkauf von Souvenirs und Reklameartikeln.

Einen ähnlichen Einbruch bei den Besucherzahlen erlebte auch der Zoo in Děčín (Tetschen). „Immerhin erreichten wir die magische Marke von 100.000 Besuchern“, tröstet sich Zoo-Sprecherin Alena Houšková. Die zeitweisen Verluste von 1,5 Millionen Kronen konnten durch Mehreinnahmen bei Reklameartikeln, durch Tierpatenschaften aber auch erhöhte Preise für Eintritt und Parken zumindest teilweise ausgeglichen werden. „Zur Preiserhöhung kam es bereits Anfang des Jahres. Damals war noch nicht abzusehen, dass es zu der Pandemie kommen würde. Aber das hat uns am Ende ein Stück gerettet“, sagt Houšková.

Orang-Utan vor Weggang

Beide Zoos blicken vorsichtig optimistisch auf das neue Jahr, allerdings mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Den Zoo in Ústí plagt nämlich die ungewisse Aussicht der ruhenden Mitgliedschaft im Europäischen Zoo- und Aquarienverband EAZA.

Um die Liste von Mängeln abzuarbeiten sind Investitionen nötig, für die auch durch Corona nun aber das nötige Geld fehlt. Deshalb erwägt der Zoo, seine Orang-Utan-Zucht zweitweise aufzugeben. Wie lange das dauern wird, ist allerdings nicht abzusehen, weil der Bau eines entsprechenden Geheges in den Sternen steht. Ungewiss ist auch das Schicksal der letzten Elefantendame Delhi.

Frühere Versuche, eine Zucht zu begründen, waren gescheitert. Besser sieht es bei den Mandrillenaffen aus, die noch in diesem Jahr ein passendes Gehege erhalten sollten. Damit wären zwei wesentliche Kritikpunkte der EAZA abgearbeitet. Die Pläne für neue Gehege für Wasservögel und die Vögel Südostasiens liegen vorerst auch auf Eis.

Himalaya-Katzenbären sind neu im Zoo

Trotzdem bleibt der Zoo attraktiv, vor allem seitdem im letzten Jahr neu ein Pärchen Himalaya-Katzenbären den Zoo bevölkert. Hoffnung setzt der Zoo auch auf sein neues Gehege für die Brillenpinguine und seine Seehundzucht.

Konkrete Pläne für das neue Jahr verrät der Zoo in Děčín noch nicht. Aber auch hier brachte 2020 positive Neuerungen. „Neben einer ganzen Reihe von Zuchterfolgen und völlig neuen Tierarten war das auch die Eröffnung des Besucherkomplexes über die Tiere aus den kalten Regionen der Erde“, sagt Zoo-Sprecherin Alena Houšková.

Beide Zoos hoffen natürlich auf eine baldige Wiedereröffnung. Doch dazu wird es wohl nicht so schnell kommen. Eine teilweise Öffnung der Zoos ist erst in der dritten Risikostufe vorgesehen. Obwohl die Infektionszahlen kontinuierlich zurückgehen und schon seit über einer Woche die vierte Risikostufe erreicht ist, hält die tschechische Regierung die Maßnahmen der fünften und höchsten Risikostufe aufrecht, um ein Wiederanschwellen der Zahlen durch schneller übertragbare Mutationen zu verhindern.

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