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Versöhnungskreuz erinnert an Massaker

Am 10. Mai 1945 haben Russen und Tschechen 365 Deutsche getötet. Lange ein Tabu-Thema. Doch nun gibt's ein Denkmal in Rovensko.

Im Beisein von Tschechen und Deutschen wurde das Versöhnungskreuz aus Stein kürzlich eingeweiht.
Im Beisein von Tschechen und Deutschen wurde das Versöhnungskreuz aus Stein kürzlich eingeweiht. © Andreas Herrmann

Von Andreas Herrmann

Was sich am 10. Mai 1945 im kleinen Ort Rovensko in Nordböhmen abspielte, war eines der schlimmsten Massaker an Deutschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Zahlreiche Zivilisten wurden dabei umgebracht.

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Auslöser war, dass ein bereits gefangen genommener SS-Mann einen sowjetischen Oberleutnant erschossen hatte. Danach entlud sich die Wut russischer Soldaten und auch tschechischer Zivilisten gegenüber deutschen Flüchtlingen und gefangenen Wehrmachtsangehörigen, die sich im Ort aufhielten. Wer eine Waffe hat, einschließlich anwesender Einwohner von Rovensko, feuert in die Gruppe der Gefangenen. Am Ende sind 365 Menschen tot. Noch am Abend und in der Nacht brachte man die Leichen weg und begrub sie im Feld oberhalb der Schule. Straßen und Bürgersteige wurden mit der Feuerwehrspritze gereinigt. Alles „weggewaschen“. Es entstand eines der größten Tabus von Rovensko. Ein Geschehen, über das man nicht redet, das Eltern ihren Kindern nicht erzählten, an das sich lieber niemand erinnerte.

Doch 76 Jahre später, im Mai 2021, wurde nahe dem Ort der Tragödie ein Kreuz der Versöhnung errichtet. Die Idee entstand während der letzten Jahre in der Gemeinde der Brüderunität in Rovensko. Das Schweigen durchbrochen hatte der Journalist Pavel Matys gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Kateøina. Sie befragten auch Zeitzeugen, was sich an jenem 10. Mai 1945 in Rovensko abgespielt hat. Dazu kam mit Hana Jalušková, Pfarrerin der Brüderunität in Rovensko, eine engagierte Mitstreiterin vor Ort, die die Idee eines Denkmals einbrachte. Auch ihr Sohn Matouš, der Literaturhistoriker ist sowie die Ortsbürgermeisterin Jiøina Bláhová und der Historiker Dr. Jan Boris Uhlíø gehören zu den Initiatoren.

Die künstlerische Arbeit wurde an den Bildhauer und Restaurator Ivan Podobský gegeben, der im Rovenskoer Ortsteil Køečovice ein Atelier hat. Es ist ein Kreuz, erinnert aber auch an eine geduckte menschliche Gestalt. Hinein graviert sind die Worte „Nesu bremeno Vini“ – „Ich trage die Last der Schuld“. Der Sandstein stammt aus dem Steinbruch in Dubenec.

„Wer ein solches Kreuz aufstellt, bekennt sich zu seiner Schuld und bittet um Versöhnung“, sagte Pfarrerin Benigna Carstens aus Herrnhut, die als Vertreterin der Herrnhuter Brüdergemeine zur Einweihung des Versöhnungskreuzes nach Rovensko gekommen war.

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