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Isergebirge: Das Wittighaus wird abgerissen

Der Holzwurm hat dem beliebten Ausflugsziel bei Bilý Potok zugesetzt. Es soll aber neu entstehen.

Das Wittighaus im Isergebirge wird derzeit abgerissen. Letzte Woche wurde das Dach abgetragen. Der Imbiss am Haus soll erhalten werden.
Das Wittighaus im Isergebirge wird derzeit abgerissen. Letzte Woche wurde das Dach abgetragen. Der Imbiss am Haus soll erhalten werden. © privat/Bressler

Den ersten Oberlausitzern ist er schon aufgefallen – der Abriss der Bergbaude Wittighaus im tschechischen Teil des Isergebirges. Sie haben Fotos gemacht und an die Sächsische Zeitung geschickt. Sie zeigen Bauzäune und vor allem Handwerker, die das Dach abtragen.

Das Gebäude aus dem Jahr 1935, das im Raum Bilý Potok (Weißbach) liegt, sei in schlechtem bautechnischen Zustand, die Balken vom Holzwurm angegriffen, heißt es aus der Verwaltung. Das seien die Hauptgründe dafür, dass die zuständigen Behörden den Abriss der beliebten Berghütte, die auf Tschechisch Smědava heißt, bewilligt haben. „Der Abriss sollte schon im März laufen, doch wegen Verzögerungen hat er erst jetzt begonnen“, sagte Jaroslav Demčák, Bürgermeister von Hejnice (Haindorf), auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. Laut ihm soll auf dem alten Fundament eine neue moderne Hütte mit vielen Fenstern entstehen, die den heutigen Bedürfnissen der Touristen besser entsprechen werde.

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„Die ursprünglichen Pläne dafür gab es bereits 2017. Der Besitzer des Gebäudes musste sie aber ändern“, so Demčák. Freunde des Isergebirges kritisieren den Abriss. Gleichzeitig sei aber vielen klar, dass die Hütte in einer Höhe von 847 Metern, die auf dem Weg vom Friedländer Zipfel nach Harrachov (Harrachsdorf) liegt, dringend hätte saniert werden müssen. Laut dem Bürgermeister von Bilý Potok, Pavel Šercl, hat das Bauamt in Hejnice den Abriss bewilligt. Auch die Naturschutzbehörden haben wohl zustimmen müssen.

Wie es nun weitergeht – selbst die Mitarbeiter der Berghütte wissen nicht viel über die Pläne. „Der Imbiss auf der Terrasse ist und bleibt offen und auch im Winter sind wir für die Skiläufer da“, versicherte eine langjährige Kellnerin.

Eine erste Wanderhütte war wohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Holzfällern, Köhlern und Viehhirten angelegt worden. Während der Marienwallfahrten zogen Pilger aus Tanvald (Tannwald) vorbei, deren Ziel die Wallfahrtskirche in Hejnice gewesen ist. Zudem befand sich dort früher eine Zollwache. Die ursprüngliche Baude wurde 1841 errichtet, sie brannte 1932 ab. Die heutige entstand nach einem Entwurf des Architekten František Zajdl. Mehrmals wurde sie teilweise renoviert. Heute kommen vor allem Wanderer hier hinaus – auch wegen Heidelbeerknödel, die dort den Sommer über gekocht werden.

Eigentümer des Wittighauses ist Jindøich Řehák. Ihm gehören auch das Montania-Hotel an der Talsperre Souš (Darre) sowie das futuristisch aussehende Hotel Antonie in Frýdlant (Friedland), für das er von der EU den dritthöchsten Zuschuss für ein privates Hotel in der Tschechischen Republik erhielt. In Tschechien ist er auch in Zusammenhang in dem Fall der Bestechung von Politiker David Rath bekannt. Rath, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und zeitweilig tschechischer Gesundheitsminister, wurde unter anderem wegen Korruption zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Hintergrund – Řehák soll dem Politiker eine hohe Summe gezahlt haben, um für seine Firma Hospimed, ein Medizintechnikunternehmen, an den Auftrag für die Ausstattung eines Krankenhauses zu kommen.

Die Polizei soll bei der Geldübergabe mitgehört haben. Řehák sei zunächst zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. In Haft musste er aber nicht, denn die Abhöraktion wurde nachträglich als Beweis nicht zugelassen.

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