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Zittau will Liberec inspirieren

Tschechiens fünftgrößte Stadt will sich um den Kulturhauptstadt-Titel 2028 bewerben - dabei soll die Dreiländereck-Region einbezogen werden.

Blick auf das Rathaus und den Marktplatz in Liberec.
Blick auf das Rathaus und den Marktplatz in Liberec. © Jan Skvara

Arbeit und nochmals Arbeit. Das ist laut Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) die Aussicht für nächstes Jahr, falls die Stadt Liberec (Reichenberg) sich tatsächlich um den Titel "Kulturhauptstadt Europa 2028" bewerben möchte. In der Gebietsgalerie unter dem Jeschken organisierten beide Partnerstädte mit der Region Liberec am Mittwoch eine grenzüberschreitende Kulturraumkonferenz, an der Akteure aus allen drei Regionen teilnahmen - zum Erfahrungsaustausch und der Weiterentwicklung von Projekten. "Wir haben einen gemeinsamen Kulturraum, deswegen ist es immer wichtig, neue Impulse für die Zusammenarbeit zu suchen", sagt der Liberecer Jaroslav Zámečník.

Kreativwirtschaft, Film oder traditionelles Handwerk, besonders die Glas- und Textilindustrie waren die Schwerpunkte der Konferenz. Geplant ist eine gemeinsame digitale Karte von Kulturschaffenden und Veranstaltern sowie eine noch engere Zusammenarbeit der Kulturinstitutionen. Laut Claudia Muntschick von der Gesellschaft Kreatives Sachsen soll die Region als Land der Möglichkeiten, mit einer wunderbaren Landschaft, christlichen und sagenreicher Tradition thematisiert werden. "Zittau bietet Liberec Know-how und Erfahrungen aus ihrer Bewerbung um den Europastadt-Titel", sagt Thomas Zenker, der mit seiner Stadt für 2025 daran scheiterte. Bis jetzt gewannen ihn in Tschechien nur Prag und Plzeň (Pilsen).

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Zur Kultur gehört auch die Wirtschaft

"Man darf nicht die Industrie und Privatunternehmer vergessen, ohne große Firmem kommen wir auch in der Kultur nicht weiter", meint Petr Vondřich, Betreiber der Webseite Jizerské ticho (Isergebirgsstille), der das Kreative Tschechien bei der Konferenz vorstellte. "Der Textilfabrikant Liebieg – nur als ein Beispiel - hat vor rund 100 Jahren in Liberec eine ganze Menge von bedeutenden Bauten hinterlassen – das ehemalige Stadtbad – die heutige Galerie, ihre Kunstsammlungen, Rathaus, Bahnhof, Volksgarten, das Museum- oder die ehemalige Handelskammer, auch die Liebiegwarte und Liebiegvillen, die er für Textil-Mitarbeiter ausbauen ließ", berichtet er. Auf seine Frage, ob bei der Konferenz auch ein Vertreter der Unternehmerbranche vertreten sei, meldete sich niemand.

Vondřichs Meinung nach kämpft die tschechische Grenzregion noch immer mit den Folgen der Nachkriegsentwicklung und Vertreibung der deutschen Bevölkerung. "Obwohl die Stadt Liberec die fünftgrößte in Tschechien ist, steht sie in Sachen Lebensqualität erst an der 87. Stelle". Derzeit leben fast 1,5 Millionen Menschen im Dreiländereck. 

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