merken
PLUS Zittau

Mit dem Boahnl ans Turower Meer?

Der Verband Pro Bahn wünscht sich für Löbau/Zittau S-Bahnen, eine Strecke ins Isergebirge, Schnellzüge nach Dresden, Prag und Berlin. Und noch viel mehr.

Fährt die Schmalspurbahn eines Tages Badegäste an den Turower See? Wenn es nach dem Fahrgastverband "Pro Bahn" geht, dann ja.
Fährt die Schmalspurbahn eines Tages Badegäste an den Turower See? Wenn es nach dem Fahrgastverband "Pro Bahn" geht, dann ja. © Fotos: Matthias Weber; Montage: SZ-Bildstelle

In die Eisenbahnwelt kommt immer mehr Bewegung: Regionale Politiker aus dem Dreiländereck setzen sich für eine Schnellzugtrasse von Prag über Liberec, Zittau und Görlitz nach Berlin ein. Seit Längerem wird über den Zipfelzug, der Liberec, Zittau und das Oberland mit dem Schluckenauer Zipfel und dem Elbsandsteingebirge verbinden soll, debattiert. Die Initiative Pro Herrnhuter Bahn kämpft für die Wiederbelebung der Strecke Oberoderwitz-Herrnhut-Löbau. Nur noch eine Frage der Zeit ist die Elektrifizierung der Strecke Dresden-Löbau-Görlitz. Und auch die Elektrifizierung der Strecke Bischofswerda-Oberland-Zittau ist vorgesehen. Befeuert werden die Bemühungen von der Bundesregierung, die das Potenzial der Bahn wiederentdeckt hat und stillgelegte Strecken darauf prüfen will, ob sie wieder in Betrieb gehen können. Außerdem wäre jetzt Geld für diese Projekte durch die Milliarden des Bundes für den Kohleausstieg da.

Passend dazu haben Zittau und Liberec in ihrem kürzlich veröffentlichtem Entwicklungskonzept für die Region weitere Wünsche festgehalten. Dazu haben sich nun die Bahnfreunde vom Landesverband Mittelsachsen des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" geäußert - und wünschen sich noch viel mehr: 

Anzeige
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!

Kondition, Koordination und Konzentration: die unvergessliche Weihnachtsfeier mit der Sie und Ihre Kollegen ins Schwarze treffen.

S-Bahnen nach Ebersbach, Görlitz, Tanvald und Jelenia Góra

Zittau und Liberec wünschen sich, dass das Rückgrat der Eisenbahnverbindung zwischen ihnen - die Strecke von Varnsdorf/Dresden über Zittau nach Liberec - als S-Bahn-Netz ausgebaut werden. Die Züge sollten bis Tanvald und Rumburk sowie über Görlitz bis ins polnische Jelenia Góra verlängert werden. Die Bezeichnung „S-Bahn“ ist nicht zufällig gewählt. "Sie steht als Synonym für eine leistungsfähige schnelle Bahnverbindung mit Taktfahrplan (mit mindestens Stundentakt), ausgeprägter Vernetzung mit den übrigen Verkehrsmitteln des ÖPNV und komfortablen Schnittstellen zum Umstieg vom motorisierten Individualverkehr und Radverkehr", heißt es im Entwicklungskonzept. Als Beispiel für ein bereits funktionierendes S-Bahn-Netz über Grenzen hinweg nennen sie unter anderem das zwischen dem westfälischen Gronau und dem niederländischen Enschede.

Grundvoraussetzung dafür ist die Sanierung des polnischen Abschnitts zwischen Zittau und Liberec mit der Einrichtung eines Haltepunkte in Porajow. Darüber verhandeln die drei Länder seit mehr als einem Jahrzehnt. Zudem soll die Verbindung von Zittau über Liberec hinaus bis Jablonec zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden.  

Der Fahrgastverband begrüßt die S-Bahn-Idee. Aber sie geht ihm noch nicht weit genug. Er denkt großräumiger und schlägt weitere Linien beziehungsweise Verlängerungen vor: 

  • Löbau/Bischofswerda-Zittau-Liberec-Turnov (elektrischer Betrieb, mit Direktanschluss nach Prag) - das würde die Reaktivierung der Strecke Oberoderwitz-Herrnhut-Löbau voraussetzen
  • Zittau-Görlitz-Weißwasser/Hoyerswerda (elektrischer Betrieb)
  • Bad Schandau-Sebnitz-Rumburk-Seifhennersdorf-Varnsdorf-Zittau-Liberec-Tanvald-Jelenia Góra; vor Fertigstellung der dafür benötigten Neubaustrecke Seifhennersdorf-Rumburk: Löbau-Ebersbach-Eibau-Seifhennersdorf-Varnsdorf-Zittau-Liberec-Tanvald-Jelenia Góra (nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke soll der Löbauer Ast weiterbetrieben werden, da er in Ebersbach und Löbau wichtige Verknüpfungen - zum Beispiel an die Strecke Dresden-Bautzen-Görlitz-Breslau - herstellt)
  • Pirna-Sebnitz-Krásná Lípa-Rybniště-Varnsdorf-Zittau-Liberec
  • Liberec-Frýdlant v Čechách-Černousy-Zawidów-Zgorzelec-Görlitz
  • Liberec-Tanvald/Jelenia Góra-Breslau

Zudem fordert er noch engere Taktzeiten auf den bestehenden Strecken und bessere Verbindungen Richtung Görlitz, Cottbus und Berlin.

Schnellzüge nach Berlin und Prag

Zittau und Liberec unterstützen die Idee einer durchgehenden Schnellzug-Verbindung von Prag über die beiden Städte und Görlitz nach Berlin. Der Bund hat in den Kohleausstiegsplänen mit den Ländern festgelegt, dass von Berlin bis Görlitz eines Tages ein ICE fahren soll. Auch die Strecke Görlitz-Zittau könnte elektrifiziert und für Schnellzüge ausgebaut werden. Die Tschechen ringen seit Jahren um den Ausbau Prag-Liberec. "Für eine durchgehende Schnellzugverbindung Berlin–Zittau–Liberec–Prag fehlt dann noch der Ausbau des Schienenabschnitts Liberec–Zittau", heißt es in dem Entwicklungskonzept.

Das untermauert der Fahrgastverband. "Die derzeitigen nationalen Anstrengungen zum Ausbau der Bahnstrecken Berlin-Görlitz-Zittau sowie Liberec-Prag sind begrüßenswert, dürfen jedoch nicht an den Staatsgrenzen enden", schreibt  Moritz Filter, Sprecher der Pro Bahn-Regionalgruppe Ostsachsen. Wenn eine elektrifizierte Schnellzugtrasse durch das Neißtal nicht geht, "kann die Einbeziehung der Herrnhuter Bahn eine sinnvolle Alternative darstellen." Der Schnellzug würde dann also von Zittau über Löbau nach Görlitz fahren. 

Schnellzüge Zittau-Dresden über Löbau

Zittau und Liberec wünschen sich einen Schnellzug, der mit Strom fährt und die Strecke Dresden-Zittau in weniger als einer Stunde Fahrzeit schafft. Zum einen könnten dann Menschen in der Oberlausitz wohnen und in Dresden arbeiten. Zum anderen würde "dem verbreiteten Gefühl des Abgehängtseins im Grenzraum wirksam entgegengewirkt", heißt es im Entwicklungskonzept. Bisher denken Bahn AG, Bund und Land über die Elektrifizierung der Strecke Bischofswerda-Oberland-Zittau nach. Man könnte aber auch von Dresden bis Löbau fahren und dort Richtung Südosten abbiegen. "Was den Erhalt und die Sanierung der Bahnstrecke Oderwitz–Löbau voraussetzt." 

Auch der Verband spricht sich für den Ausbau der Schnellzugstrecke von Dresden über Löbau nach Zittau und Liberec aus. Damit könne sowohl das Mittelzentrum Löbau angebunden als auch die Verbindung von Liberec und Zittau an Bautzen geschaffen werden, heißt es in seiner Stellungnahme. "In jedem Fall stellt diese (Verbindung Löbau-Oderwitz, Anm. der Red.) eine Entlastung für die an die Kapazitätsgrenze stoßende Strecke Bischofswerda-Zittau dar."

Neue Eisenbahnbrücke nach Polen

Zittau und Liberec sehen in ihrem Konzept den Bau von neuen Neißebrücken nach Polen vor. So soll unter anderem die zwischen Hirschfelde und Turoszów erneuert werden.

Der Fahrgastverband wünscht sich, dass langfristig wieder Züge Richtung Bogatynia (Reichenau) rollen. Bis zum Kriegsende wurde die Strecke befahren. Deshalb "sollte der Bau als kombinierte Bahn-/Fußgängerbrücke ausgeführt werden", heißt es in der Stellungnahme.

Direktverbindung ins Isergebirge

Der Fahrgastverband hat noch viel mehr Ideen als schon im Entwicklungskonzept von Zittau und Liberec stehen. Er wünscht sich eine direkte Zugverbindung aus der Oberlausitz ins Isergebirge. Die Bahnverbindung soll von Zittau über Hirschfelde, Bogatynia, Friedland, Jindřichovice pod Smrkem (Heinersdorf an der Tafelfichte) und Mirsk (Friedeberg am Queis) bis nach Gryfów Śląski (Greiffenberg) führen. "Dazu könnte zwischen Gryfów und Jindřichovice die alte Trasse genutzt werden, wobei es auf der polnischen Seite bereits konkrete Planungen für die Reaktivierung des Abschnitts Gryfów-Mirsk gibt", so der Verband. "Auch zwischen Hirschfelde und Bogatynia könnte größtenteils die bestehende, teils stillgelegte Strecke genutzt werden, wohingegen zwischen Bogatynia und Friedland ein etwa zehn Kilometer langer Streckenneubau erforderlich wäre." Die Verbindung könnte auch der künftigen Nutzung der Bergbaufolgelandschaft Turów dienen und das Erholungsgebiet Turow-See aus allen Himmelsrichtungen erschließen.

Schmalspur-Bahnhof Turow-See

Weiterführende Artikel

In einem Rutsch bis ins Altvatergebirge

In einem Rutsch bis ins Altvatergebirge

Vom Glatzer Schnee- über das Riesen- und das Zittauer Gebirge bis in die Sächsische Schweiz soll eine Touristenstraße von europäischem Rang entstehen.

Kommt jetzt die Sudetenstraße?

Kommt jetzt die Sudetenstraße?

Neue Straßen, Grenzübergänge, Zugstrecken, Windräder - die Planer definieren gerade die Entwicklung der Oberlausitz. Noch können Sie mitreden.

So könnte der Zug über den Eigen fahren

So könnte der Zug über den Eigen fahren

Für eine Schnellzugtrasse von Prag über Zittau und Görlitz nach Berlin müsste die Neißetalbahn verlegt werden. Jetzt ist eine alte Studie dazu wieder aufgetaucht.

Der Fahrgastverband geht sogar noch weiter: Warum nicht die Zittauer Schmalspurbahn bis zum künftigen Turower See - im Volksmund angesichts der Größe schon Turower Meer oder Ostsee genannt - verlängern? "Entlang der Zittauer Chopinstraße ließe sich – dem Verlauf der alten Bahntrasse folgend – ein etwa zwei Kilometer langer Abzweig nach Sienawka errichten, das sich direkt am Rand der heutigen Braunkohlegrube befindet", heißt es in der Stellungnahme. "Neben einer grenzüberschreitenden Integration dieses künftigen touristischen Anziehungspunktes würde auch das Erholungsgebiet Weinau von der Südseite angebunden."

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau