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Mit Glasschmuck auf Großmutters Spuren

Zuzana Slámová stellt in Böhmen Perlen her. Sie rettet dabei auch eine Ruine.

Beim tschechischen Glasperlenhersteller G&B BIJOUX in Mšeno nad Nisou können Kinder das Fertigen von Glaskunstwerken selbst ausprobieren. Inhaberin Zuzana Slámová, eine Künstlerin, hat dieses Bild in schwarz-weiß fotografiert.
Beim tschechischen Glasperlenhersteller G&B BIJOUX in Mšeno nad Nisou können Kinder das Fertigen von Glaskunstwerken selbst ausprobieren. Inhaberin Zuzana Slámová, eine Künstlerin, hat dieses Bild in schwarz-weiß fotografiert. © Zuzana Slámová

Als Zuzana Slámová die ehemalige Mautner Textilfabrik im tschechischen Mšeno nad Nisou (Grünwald an der Neiße ) 2002 erwarb, war das Betriebsgelände in einem jämmerlichen Zustand. „Zum Glück erlebte die Glasperlen-Produktion zu dieser Zeit gerade einen großen Aufschwung und wir konnten die Fabrik rasch sanieren“, erzählt die Unternehmerin, die mit Glasperlen gewissermaßen aufgewachsen ist. Die geschickte Geschäftsfrau verdient mit diesen Perlen inzwischen ihren Lebensunterhalt und setzt so eine Tradition aus der Zeit fort, als Jablonec noch Gablonz hieß und hier die Glasschmuckherstellung florierte.

Beim Blick auf die alten Anlagen und das besondere Handwerk war Zuzana Slámová sofort klar, dass sie die Produktion so schnell wie möglich für Gäste und Touristen öffnen sollte. Das hat sie gemacht. Außerdem entstanden ein Museum mit historischen Maschinen und Werkzeugen des Arbeitsgebietes, Werkstätten und ein kleiner Laden, in dem man sich Glasschmuck, der hier Bijouterie genannt wird, nach eigenem Geschmack selbst basteln oder bestellen kann. In den kommenden zwei Jahren wird zudem eine Galerie für moderne Kunst mit einer Dauerausstellung zum Thema „Glas- und Modeschmucktradition unserer Region“ gebaut. „Diese soll eng mit dem Glasmuseum in Weißwasser zusammenarbeiten“, erzähl Slámová.

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Die 50-jährige Unternehmerin mit deutschen Wurzeln hat vor ihrem Einstieg in die Glasfertigung eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Dann knüpfte sie an die Familientradition an. Denn ihre Großmutter hatte im Jahr 1937 eine eigene Glasmanufaktur gegründet. In Huntirsch (Huntíøov) und später in Skuchrow (Skuhrov) stellten sie gewickelte und gepresste Glasperlen und Bijouterie her.

Sie lieferten ihre Ware an Händler und Exportfirmen in Gablonz und Prag, aber auch weiter nach Deutschland und Frankreich. Das Unternehmen blühte auf, und so beschäftigte man 1943 rund zwanzig Heimarbeiter.

Zuzana Slámová hat sich mit Glasperlenschmuck einen Namen gemacht und rettet nun eine Ruine.
Zuzana Slámová hat sich mit Glasperlenschmuck einen Namen gemacht und rettet nun eine Ruine. © privat

Die Firma wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. „Meine Großmutter wurde dort kurze Zeit als Verwalterin ihrer einstigen Firma beschäftigt. Später arbeitete sie nur noch als Heimarbeiterin“, berichtet Zuzana Slámová aus der persönlichen Geschichte. Den Glasperlen blieb die Firmengründerin ihr ganzes Leben lang treu und stellte die Dokumentationen, Musterkollektionen und Teile der gewickelten Glasperlen ihrer Firma auf dem Dachboden sicher. Gerade dieser Schatz, zusammen mit ihrem Unternehmergeist, wurde zum Grundstein des künftigen „Glasperlen-Weges“ von Zuzana Slámová.

Anfang der 1990er-Jahre startete die Tschechin mit einem Kredit von 20.000 Kronen. Sie besorgte sich Glasperlenbrenner und Blasebalg, Material für die Herstellung von gewickelten (man kann auch sagen gedrehten) Glasperlen, mietete eine Werkstatt, strich alte Möbel an und stellte eine Wicklerin ein. Im Jahr 1995 gründete sie die Firma G&B BIJOUX GmbH und erweiterte die Produktpalette um gepresste und geschliffene Glasperlen und andere Bijouterieteile. „Inzwischen haben wir 20 Leute im Stammpersonal und fünf Heimarbeiter. Die meisten von ihnen sind seit mehr als zehn Jahren in meiner Firma beschäftigt. Wir leben wie eine große Familie“, erzählt Slámová. Mittlerweile zählt ihr Unternehmen zu den größten tschechischen Herstellern von gepressten Glasperlen.

Dank eines Programms des Ministeriums für Regionale Entwicklung und Tourismus konnte sie die Sanierung des hinteren Traktes des Hauptgebäudes in Angriff nehmen und innerhalb von drei Jahren mehr als 800 Quadratmeter Galeriefläche schaffen. Hier soll neben der Kunstpräsentation auch ein Raum für das Gesellschafts- und Kulturleben geschafft werden. „Es freut mich, dass es mir gelungen ist, meine beiden großen Lieben zu vereinen: die Glasperlen und die Kunst“, freut sich die Engagierte.

Zuzana Slámová wurde 1971 geboren und wuchs seit ihrem siebenten Lebensjahr in Skuhrov u Jablonce (Skuchrow bei Gablonz) auf. Die Familientradition hat ihre Zukunft vorbestimmt, und so fertigt sie in Jablonec schon seit mehr als 30 Jahren Glasperlen und Bijouterie. Sie hat Wirtschaft studiert, liebt moderne Kunst und interessiert sich für Architektur sowie Design. Sie nimmt aktiv am Kulturleben teil und möchte zu Hause wie auch im Ausland, ein größeres Interesse an der Kultur und am hiesigen Traditionshandwerk wecken. Geöffnet sind Laden und Museum von Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, am Sonnabend bis 12 Uhr. Der Museumseintritt kostet zwischen 50 und 100 Kronen. Kreativkurse können unter anderem per E-Mail gebucht und angefragt werden.

Tradition und Kontakt

  • Im 16. Jahrhundert entstand in Gablonz (heute Jablonec) die erste Glashütte. Der Zweig wuchs, besonders im 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Bijouterie-Manufakturen.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die deutschen Glashersteller und ihre Mitarbeiter das Land verlassen. Einige siedelten sich im Raum Kaufbeuren in Bayern an und gründeten Neugablonz. Auch dort gibt es zahlreiche Glasschmuckhersteller.
  • Auch in Jablonec gibt es Glasproduktionsfirmen, sie sollen einige Tausend Beschäftigte haben. Außerdem existiert ein Glasmuseum.
  • Kontakt zur Firma G&B BIJOUX: [email protected], www.gbkoralky.cz/en

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