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Tschechiens Polizei findet Massaker-Opfer

15 mutmaßliche deutsche Opfer eines Verbrechensin der Nachkriegszeitsollen identifiziert werden.

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Von Hans-Jörtg-Schmidt,SZ-Korrespondent in Prag

Die Geschichten über zunehmend bekannt werdende Nachkriegsverbrechen an Deutschen im heutigen Tschechien ähneln sich. Nur die Orte ändern sich und die Namen der Opfer, so sie irgendwie noch belegbar sind. Anfang dieser Woche ist die Polizei bei schon länger andauernden Ermittlungen nahe dem Ort Dobronin (Dobrenz) in der einstigen Iglauer Sprachinsel auf menschliche Überreste gestoßen.

Wahrscheinlich handelt es sich um die Gebeine von 15 Deutschen, die dort am 19. Mai 1945 umgebracht wurden. Jetzt sollen sie in Zusammenarbeit mit dem Brünner Archäologischen Institut geborgen werden. Die Polizei will die Identität der Opfer feststellen, notfalls auch über DNA-Analysen.

Verbrechen ist lange bekannt

Der Fall ist auch in Tschechien seit Langem bekannt, weil sich auch ehemalige deutsche Bewohner aus der Gegend, die nach dem Krieg vertrieben worden waren, dafür interessierten. Die politische Wende 1989 machte es möglich, dass die Deutschen jedes Jahr einen Gedenkgottesdienst in der alten mährischen Bergstadt Jihlava (Iglau) für die fast 2000 umgebrachten Landsleute der einstigen deutschen Sprachinsel abhalten. Es bedurfte aber erst der Recherchen eines tschechischen Journalisten, um die Polizei zur Aufnahme von Ermittlungen zu bewegen.

Am 19. Mai 1945 hatte eine alkoholisierte Horde tschechischer „Revolutionäre“ unter ihrem selbsternannten Führer, dem Böhmisch-Österreicher Robert Kautzinger, 15 Deutsche aus mehreren Dörfern bei Dobrenz zusammengetrieben. Die mussten zunächst unter Schlägen selbst ihre Gräber schaufeln. Dann wurden sie erschossen oder mit Schaufeln und Hacken erschlagen. Die Mörder feierten anschließend in einem Gasthaus und brüsteten sich offen mit dem Mord.

Anklagen wurden nie erhoben

Geredet wurde über die Schreckensnacht später nur hinter vorgehaltener Hand. Tschechen, die Angaben zu den Geschehnissen machten, baten sich strengste Diskretion aus, weil sie Unannehmlichkeiten seitens ihrer Mitbewohner fürchteten. Die an dem Mord beteiligten Söhne Kautzigers arbeiteten später unter dem kommunistischen Regime bei Polizei und Staatssicherheit. Angeklagt wurden sie nie. Wie auch die mindestens acht tatbeteiligten Tschechen keine Folgen zu gewärtigen hatten. Das verhinderte das bis heute gültige Straffreistellungsgesetz von 1946, das alle derartigen Übergriffe und Gewalttaten gegen Deutsche in der Nachkriegs-Tschechoslowakei guthieß. Heute lebt keiner der einstigen Mörder mehr.