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Streuner bekommt Asyl im Tierheim

Vor Kurzem wurden zwei Hunde aus dem Nachbarland an der Grenze gefunden. Sie sind keine Einzelfälle.

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© Frank Baldauf

Von Mareike Huisinga

Pirna. Mit treuen Dackelaugen guckt die Hündin Susie Annett Strohbach an. Prima, gleich gibt es Fressen. Die Tierheim-Mitarbeiterin füllt schnell und großzügig den Napf auf, über den sich Susie sofort hungrig her macht. Nachdem die Dackeldame alles ratzeputz aufgefressen hat, blickt sie nochmals zu Annett Strohbach. Vielleicht gibt es ja noch ein kleines Leckerli? Bingo. Die Tierpflegerin lässt sich nicht lumpen und holt eine Knabberstange aus ihrer Tasche. Noch eine Streicheleinheit, dann sind die Katzen dran.

In dem Tierheim Pirna in Krietzschwitz ist die Belegung momentan international. Denn Susie heißt gar nicht Susie, sondern trägt einen tschechischen Namen, den aber niemand im Heim kennt. Am 21. Mai hat ein Forstarbeiter die herumstreunende Hündin in der Nähe von Rosenthal gefunden. Da ganz offensichtlich weder Herrchen noch Frauchen dazugehörte, brachte er den Vierbeiner ins Pirnaer Tierheim. Glücklicherweise war der Dackel standardmäßig gechippt. Das brachte in diesem Fall zwar keinen Hinweis auf den rechtmäßigen Besitzer, aber immerhin auf die Nationalität des Tieres. „Über das länderübergreifende Haustierregistrier-System Tasso, konnten wir erkennen, dass der Hund aus Tschechien stammt, aber nicht angemeldet ist“, erklärt Annett Strohbach.

So erhielt die Dackeldame zunächst den Kosenamen Susie. Sofort wurde die Hündin auf die Facebook-Seite des Tierheimes gestellt, in der Hoffnung, der tschechische Besitzer sucht auch jenseits der Grenze im Netz nach seinem Liebling. Doch bisher leider Fehlanzeige. „Bei uns hat sich niemand gemeldet“, sagt Strohbach. Unterdessen wurde Susie im Tierheim geimpft, entwurmt und entfloht. Und sie hat gute Aussichten, bald ein neues Zuhause zu bekommen. Denn eine Frau aus Meißen möchte die Dackeldame nach der regulären Frist von drei Wochen zu sich holen. Sie reservierte das Tier bereits. Eine gute Lösung für alle, schließlich scheint es, dass Susie in gute Hände kommt. „Die Meißnerin kennt sich mit Dackeln aus, sie hatte bereits welche“, berichtet die Tierheim-Mitarbeiterin.

Susie ist allerdings kein Einzelfall. Erst Anfang Mai griffen Beamte der Bundespolizei in Hellendorf bei Bad Gottleuba einen Schäferhund auf und brachten ihn nach Krietzschwitz. Auch er war gechippt, sodass die Herkunft aus Tschechien festgestellt werden konnte.

Das gleiche Spiel wie bei Susie begann. Der Hund wurde bei Facebook gepostet, aber diesmal erhielt der Besitzer so den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib seines Haustieres. „Der Eigentümer wohnt in Petrovice und hat sein Tier bereits wieder bei uns abgeholt“, sagt Strohbach.

Jedoch musste Herrchen eine Pensionsgebühr von rund 150 Euro an das Tierheim zahlen. Was er ganz offensichtlich gerne gemacht hatte. „Denn der Mann war sehr froh, seinen Hund wiederzubekommen. Man sah ihm die Freude an“, erinnert sich Annett Strohbach und muss lächeln.

Im Jahr kommt es ungefähr viermal vor, dass tschechische Hunde in Grenznähe gefunden werden, die dann zunächst im Pirnaer Tierheim Asyl bekommen. In den meisten Fällen können die Mitarbeiter den rechtmäßigen Besitzer ermitteln. Hilfreich sind dabei auch die guten Kontakte des Tierheimes zu einigen tschechischen Bürgermeistern, sagt Annett Strohbach.

Überhaupt hat das Tierheim Erfahrung mit ausländischen Hunden. Bei einer Routine-Kontrolle im Oktober 2014 hatten Bundespolizisten geschmuggelte junge Welpen in einem Transporter auf der A 17 entdeckt. Um sie zu versorgen, brachten die Beamten die Fundhunde in das Tierheim nach Pirna-Krietzschwitz. Die Tiere konnten zeitnah vermittelt werden.

2014 wurden vier Fälle von illegalem Hundeschmuggel auf der A 17 entdeckt. 2013 waren es 18 Welpen, die vorwiegend aus Osteuropa importiert wurden. Dabei handelte es sich um Moderassen, wie zum Beispiel Labrador, Mops und Dackel, sagt Tierheimleiterin Meika Jehn.