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Deutschland & Welt

Tschernobyl soll Touristen-Hotspot werden

Für dieses Jahr werden erstmals über 100.000 Besucher in der Sperrzone um das explodierte Atomkraftwerk erwartet. In Zukunft sollen es noch mehr werden.

Am Mittwoch wurde die neue Schutzhülle über dem explodierten Reaktor in Tschernobyl offiziell übergeben. © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Prypjat (dpa) - Die Sperrzone um das explodierte Atomkraftwerk Tschernobyl sollen nach Vorstellung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mehr Touristen besuchen. Sie solle zu einem "wissenschaftlichen und Touristenmagnet" werden, sagte er am Mittwoch bei der offiziellen Übergabe der neuen Schutzhülle über dem explodierten Reaktor. "Wir müssen heute diesem Territorium neues Leben geben." Tschernobyl solle der Welt gezeigt werden: Wissenschaftlern, Ökologen, Historikern und Touristen, sagte er.

2018 besuchten über 70.000 Menschen die Sperrzone, darunter fast 50 000 Ausländer. Für dieses Jahr werden erstmals über 100.000 Besucher erwartet. In das Gebiet um die Atomruine gibt es geführte Touren. Um es zu befahren, ist eine Anmeldung nötig. Zuletzt hatte die amerikanisch-britische Serie "Chernobyl" für eine breite Aufmerksamkeit für die Katastrophe gesorgt.

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Der vierte Block des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl war am 26. April 1986 bei einem missglückten Experiment explodiert. Die radioaktive Wolke verstrahlte große Gebiete im heutigen Weißrussland, in der Ukraine und Russland.

Das internationale Baukonsortium Novarka übertrug der Ukraine die Verantwortung für die neue Schutzhülle. Neben der Instandhaltung und Nutzung sei Kiew nun auch für die Demontage des ersten Sarkophags verantwortlich, der schnell nach der Havarie errichtet worden sei, teilte die EU-Vertretung in Kiew auf Facebook mit. Die Europäische Union habe der Ex-Sowjetrepublik seit 1991 mit knapp einer Milliarde Euro für die Atomsicherheit geholfen.

Die Kosten für den neuen Stahlbogen zur Abdeckung des brüchigen Beton-Sarkophags lagen bei mehr als zwei Milliarden Euro. Die über 100 Meter hohe Stahlkonstruktion wurde bereits im November 2016 über den Block geschoben. Künftig soll ein Kran die radioaktiven Trümmer demontieren. Erste Tests starteten im April dieses Jahres. Die Konstruktion soll die Umwelt für 100 Jahre schützen. (dpa)