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Tschüss, Vorurteile

Julia Seifert hilft Schülern mit Behinderung, den Alltag an der Schiller-Oberschule in Neustadt zu meistern. Und noch mehr.

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© Dirk Zschiedrich

Von Katarina Gust

Neustadt. Die Tinte unter ihrem Studienabschluss ist kaum getrocknet, da drückt Julia Seifert schon wieder die Schulbank. Allerdings nicht, um selbst in der nächsten Klassenarbeit zu glänzen. Die 22-Jährige ist vielmehr für andere da. Sie begleitet Schüler, die eine Behinderung haben, durch den Unterrichtsalltag. Inklusionsassistentin heißt der Begriff, der ihre Arbeit an der Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt umschreibt. Seit August ist Julia Seifert in dieser Funktion tätig. Für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist das eine Besonderheit. Denn nur ganz wenige Schulen können auf solch eine Unterstützung setzen – obwohl der Bedarf da ist.

An der Neustädter Schillerschule gilt das für knapp 30 Kinder und Jugendliche. Einige sind Autisten, andere chronisch krank oder körperlich und motorisch eingeschränkt. Manche Behinderungen fallen sofort auf, andere sind weniger offensichtlich. So individuell wie die Schüler, so individuell ist die Arbeit von Julia Seifert. Sie begleitet die Jugendlichen je nach deren Stärken direkt im Unterricht. Zum Beispiel, damit sie komplexe Aufgabenstellungen bewältigen oder mit dem Lernmaterial klarkommen. „Sind Aufgaben zu komplex, teilen wir sie gemeinsam in kleinere Schritte ein“, erklärt Julia Seifert. Sie hilft den Schülern, Aufgaben zu lösen. Allerdings ohne die Lösung zu verraten. Sie zeigt ihnen nur den Weg dahin, fördert Stärken, hilft, wenn die Konzentration zur Neige geht. Das ist ihre Kompetenz. „Für das Fachliche ist dagegen nur der Lehrer zuständig“, betont die 22-Jährige. Sonderpädagogische Förderung heißt das, was Julia Seifert mit den Schülern macht.

Als Inklusionsassistentin will sie dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind. Vielfalt als Chance ist das dazugehörige Schlagwort. „Wenn behinderte und nicht-behinderte Kinder und Jugendliche gemeinsam lernen, ist das ein guter Anfang“, ist sie überzeugt. Julia Seifert ist nicht nur im Unterricht dabei. Auch bei Klassenfahrten oder Sportfesten mischt sie mit, bringt alle Schüler zusammen. Viel Geduld und auch Ruhe muss sie für den Job mitbringen. Feingefühl sowieso. Gemeinsam mit den Lehrern stimmt sich Julia Seifert ab, welchen Schülern sie ihre Hilfe anbieten könnte. Die Zusammenarbeit ist grundsätzlich freiwillig. Die Lehrer sprechen sich zuvor mit den Eltern ab. Julia Seifert kann sich dadurch voll und ganz auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren.

Die Zusammenarbeit mit behinderten Menschen ist für die studierte Sozialpädagogin eine Herzensangelegenheit. Bei einem Schülerpraktikum kam sie erstmals mit Behinderten in Berührung – an einer integrativen Kita in ihrer Heimat im Erzgebirge. Seitdem stand für sie fest, später einmal mit Menschen mit besonderem Förderbedarf zusammenarbeiten zu wollen. Nach dem Schulabschluss studierte Julia Seifert an der Staatlichen Studienakademie in Breitenbrunn. „Arbeit mit behinderten Menschen“ heißt die Studienrichtung. Nach dem Abschluss kam der ASB auf sie zu. Der Sozialverband ist Träger der Projektstelle, finanziert wird sie aus Mitteln der EU und des Freistaates. Auf vorerst fünf Jahre ist die Stelle befristetet. Wie es danach für sie weiter geht, darüber macht sie sich im Moment noch keine Gedanken. Erst einmal muss sich Julia Seifert in Neustadt einarbeiten. „Hier gibt es bereits ein offenes Miteinander“, verrät sie. Das mache es auch ihr einfacher.