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Tsunami-Hilfe für Tamilen in Gefahr

Über die Verteilungder Unterstützung für die von der Flut Betroffenen bricht in Sri Lankaeine Regierungskrise aus.

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Von Can Merey,Colombo

Knapp sechs Monate ist es her, dass die Flutwellen weite Teile der Küste Sri Lankas verwüsteten. Fast so lange dauert der Streit über Tsunami-Hilfe für den von der tamilischen Minderheit bewohnten Teilen der Insel nun schon an – zu Lasten der Betroffenen. Mit dem Bruch der Regierungskoalition erreichte der Konflikt gestern seinen vorläufigen Höhepunkt. Die koordinierte Hilfe für die Tamilen-Gebiete und damit die Hoffnung, über diese Hilfe die Friedensverhandlungen zwischen Tamilen-Rebellen und Regierung wiederzubeleben, ist gefährdet.

Mit einer in Sri Lanka „P-TOMS“ abgekürzten Vereinbarung sollen auf verschiedenen Ebenen Komitees eingerichtet werden, um die Tsunami-Hilfe für die Tamilen-Gebiete zu regeln. Nach dem Willen von Präsidentin Chandrika Kumaratunga sollen die Rebellen der „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE), die Teile des Nordens und Ostens der Insel beherrschen, in den Gremien vertreten sein. Die nationalistisch-singhalesische JVP, Juniorpartner in der Koalition, schäumte: Damit würde eine „Terrororganisation ohne öffentliches Mandat“ legitimiert.

Koalition zerbrochen

Kumaratunga konterte in einem offenen Brief, es sei ein Erfolg, dass die LTTE nach Jahren des bewaffneten Kampfes nun mit der Regierung zusammenarbeiten wolle. Doch das Schreiben konnte die Koalition nicht retten. Kumaratunga ließ ein Ultimatum der JVP verstreichen, ohne ihre Pläne zurückzunehmen. Die JVP kündigte daraufhin gestern an, sofort in die Opposition zu wechseln. Die Regierung will nun mit einer Minderheit im Parlament weiterregieren. Kumaratunga sagte, die P-TOMS-Vereinbarung werde bis Monatsende mit Billigung anderer Oppositionsparteien als der JVP trotzdem unterschrieben.

Der Analyst Paikiasothy Saravanamuttu vom Zentrum für Politik- Alternativen in Colombo hält das allerdings noch nicht für ausgemachte Sache. Nicht nur ihn wundert, warum die Präsidentin überhaupt so lange Zeit hat verstreichen und die Situation dermaßen eskalieren lassen – zumal die LTTE ihrem Entwurf schon längst zugestimmt hat. „Wenn Kumaratunga früher unterschrieben hätte, hätte die JVP zwar aufgeschrien – aber für wie lange?“ Die Präsidentin hätte die Zeit nutzen können, in der die Stimmung im Volk durch den Tsunami noch von einem Gefühl des Zusammenrückens geprägt war.

Stattdessen haben die Pläne der Präsidentin die Gesellschaft inzwischen noch weiter gespalten. Im Norden begannen Tamilen einen Hungerstreik für P-TOMS, im singhalesisch dominierten Süden protestieren JVP-Anhänger und buddhistische Mönche gegen die Vereinbarung – während sich die Vereinigung buddhistischer Geistlicher in Sri Lanka wiederum dafür aussprach. Die Tamilen-Hilfsorganisation TRO drängt bei der Unterzeichnung zur Eile. Und sie warnt eindringlich vor einem Scheitern. „Das würde im Norden und Osten das Ende des Glaubens bedeuten, dass es eine gleichmäßige Verteilung der Hilfe geben wird“, sagt TRO-Programmdirektor Chandru Para Rajasingham. Die Betroffenen seien schon jetzt frustriert. „Seit sechs Monaten verlieren sie jeden Tag ein Stück Selbstwertgefühl und Glauben ans System.“ (dpa)