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Tuberkulose legt Schule lahm

Nachdem vier Fälle an der Hoga in Leuben bestätigt wurden, testet das Gesundheitsamt 700 Schüler und Lehrer.

© Sven Ellger

Von Juliane Richter

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Dresden. Montagmorgen, 8 Uhr. Normalerweise stehen die Lehrer der privaten Hoga-Schule um diese Uhrzeit vor ihren Klassen und unterrichten. An diesem Morgen müssen die ersten von ihnen ins Dresdner Gesundheitsamt und sich Blut abnehmen lassen. Nur so kann festgestellt werden, ob auch sie an Tuberkulose erkrankt sind.

Mitte September hatte Hoga-Geschäftsführerin Regina Kirschstein die Nachricht vom Gesundheitsamt erhalten, dass ein Schüler der elften Klassen Tuberkulose, kurz TBC, hat. Daraufhin wurden mögliche Kontaktpersonen ebenfalls getestet. Vergangenen Donnerstag stellte sich dann heraus, dass ein Lehrer ebenfalls erkrankt ist. Mittlerweile spricht das Gesundheitsamt von noch zwei weiteren Fällen. Alle vier Betroffenen lernen oder unterrichten im Schulgebäude an der Zamenhofstraße in Leuben, in dem die Oberschule und das Gymnasium untergebracht sind.

Tuberkulose betrifft die Lunge und wird durch Tröpfchen übertragen, die ein Erkrankter beim Sprechen, Husten und Niesen absondert und die andere Personen einatmen können. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlief TBC oft tödlich. Mittlerweile ist die Krankheit jedoch gut mit Antibiotika behandelbar. „Selbst wenn eine Ansteckung erfolgte, bleiben über 90 Prozent der Menschen gesund. Ein tödlicher Verlauf liegt statistisch betrachtet bei unter einer Person pro Jahr in Dresden“, teilt das Gesundheitsamt mit. Dessen Angaben zufolge gab es in diesem Jahr, inklusive der aktuellen Fälle, bisher 45 TBC-Erkrankte in Dresden. 2015 und 2016 waren es laut Robert-Koch-Institut ebenfalls um die 40 Fälle. In den Vorjahren seit 2010 zwischen 20 und 31 Fälle.

Ergebnisse noch diese Woche

Die Untersuchungsergebnisse zur Hoga-Schule sollen noch in dieser Woche vorliegen. Die Blutproben analysiert die Landesuntersuchungsanstalt. Zu den rund 90 Proben sämtlicher Lehrer kommen noch etwa 600 Schüler-Proben hinzu. Diese werden, beginnend an diesem Dienstag, im Schulgebäude abgenommen. Während die Schule Montag und Dienstag aufgrund der Vorkommnisse geschlossen bleibt, soll der Unterricht ab Mittwoch wieder stattfinden.

Dass zwischen dem Bekanntwerden des ersten Falls und der weiteren drei Fälle fast drei Monate vergangen sind, hängt mit der Inkubationszeit zusammen. Demnach können Kontaktpersonen frühestens acht Wochen nach einer möglichen Ansteckung untersucht werden, weil erst dann die Reaktion des Immunsystems erfolgt und damit eine sichere Diagnose ermöglicht. Bis die Krankheit dann tatsächlich ausbricht, vergeht laut Gesundheitsamt noch deutlich mehr Zeit.

Das städtische Amt hat am Montag sowohl mittels einer Pressemitteilung als auch über den eigenen Facebook-Auftritt versucht, die Bevölkerung zu beruhigen. Die Schule selbst hat in den vergangenen Tagen alles darangesetzt, die Eltern umfangreich zu informieren. „Das gesamte Wochenende war das Telefon von einem Mitarbeiter besetzt, um alle Fragen der Eltern zu beantworten“, sagt Hoga-Chefin Regina Kirschstein.

Bereits beim ersten Fall im September seien jene Schüler und Lehrer schriftlich informiert worden, die mit dem ersten erkrankten Schüler näheren Kontakt hatten. „Am 25. September haben wir im planmäßig stattfindenden Schulrat noch einmal über den Fall und die Vorgehensweise informiert“, sagt Kirschstein. Das zugehörige Protokoll wurde im Anschluss an die Elternvertreter gemailt, die es an alle Eltern weiterleiten sollten. Kritik über ungenügende Informationen weist Kirschstein deshalb zurück und legt zudem Mails von Eltern und Schülern vor, die sich für die umfassende sowie ruhige Kommunikation bedanken. Der erste erkrankte Schüler konnte laut Kirschstein etwa drei Wochen nicht am Unterricht teilnehmen. Nach der Behandlung sei er vollkommen genesen wieder an die Schule zurückgekehrt.

Bisher keine Verwandten getestet

Gesundheitsamtschef Jens Heimann geht bisher davon aus, dass alle vier Fälle miteinander zusammenhängen. Es sei jedoch unklar, von wem die Ansteckung ausging. Sollten die Untersuchungen in den nächsten Tagen weitere Fälle ergeben, will das Gesundheitsamt prüfen, inwieweit zusätzliche Kontaktpersonen außerhalb der Schule ermittelt werden müssen, etwa in der Familie. Laut „Deutschem Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose“ muss ein direkter Kontakt von Angesicht zu Angesicht über insgesamt mindestens acht Stunden stattfinden, damit sich ein gesunder Mensch anstecken kann.

Weitere TBC-Fälle an anderen Schulen oder weiteren öffentlichen Einrichtungen in Dresden sind der Stadtverwaltung laut einer Sprecherin nicht bekannt.

>> Tuberkulose-Informationen des Robert-Koch-Instituts