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Türöffnung für 600 Euro

Ist das noch Marktwirtschaft oder schon Wucher? Ein Sebnitzer fühlt sich als Opfer und zog vor Gericht.

© Symbolbild/dpa

Von Yvonne Popp

Sebnitz. Es sollten die letzten Handgriffe im Haus seines Auftraggebers werden. Doch am Ende kamen sie einem Handwerker aus Sebnitz teuer zu stehen. Bei einem kurzen Gang vor das Haus fiel die Tür hinter ihm zu. Drinnen aber steckte noch der Hauptschlüssel, nebst den beiden Ersatzschlüsseln im Schloss.

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Also suchte der Mann via Handy im Internet nach einem Schlüsseldienst. Gleich die erste Telefonnummer, die angezeigt wurde, rief er an. „Ich kam bei einer Hotline heraus“, erzählt der Handwerker am Amtsgericht in Pirna. Deren Mitarbeiterin habe ihm zugesichert, dass in 15 bis 20 Minuten jemand bei ihm sein wird, um die Tür zu öffnen. Leider, so räumt der Geschädigte dann ein, habe er am Telefon nicht nach den Kosten gefragt.

Wenig später sei der Angeklagte, zusammen mit einem weiteren Mann, bei ihm erschienen, berichtet der Handwerker weiter. Über die Einsatzgebühr von 159 Euro und die Anfahrtspauschale von 20 Euro sei er auch sogleich informiert worden. Dass später noch weitere Kosten hinzukommen würden – damit habe er jedoch nicht gerechnet, erklärt der Geschädigte.

Weder hatte ihn der Angeklagte davon in Kenntnis gesetzt, dass seine Arbeitszeit im 15 Minuten-Rhythmus zu je 39,50 Euro taktiert ist, noch dass er für das neue Zylinderschloss einen Preis von 189 Euro aufrufen würde. Insgesamt 627,01 Euro sollte der Sebnitzer am Ende für die Türöffnung zahlen, jedoch nicht auf Rechnung. Er sollte entweder bar oder mit EC-Karte zahlen, in jedem Falle aber sofort. Der Handwerker zahlte, schaltete danach aber die Polizei ein. „Ich fühlte mich getäuscht“, sagt er vor Gericht. Doch nicht nur er fühlt sich als Opfer von Denis W.. Auch eine junge Frau aus Dresden sollte für die Türöffnung 601,54 Euro zahlen. Einem weiteren Mann aus Dresden berechnete er 538,73 Euro. Sie alle waren aber davon ausgegangen, nur die Einsatzgebühr und die Anfahrtskosten bezahlen zu müssen. Alles in allem wären das rund 200 Euro gewesen.

Die Verhandlung gegen den deutschen Staatsangehörigen lief schleppend an. Der für Juni bereits geplante Prozessauftakt platze genauso wie der Nachfolgetermin eine Woche später. Auch die neuerliche Sitzung droht zu scheitern, weil der Verteidiger seinen Flug nach Dresden verpasst hatte. Mit zweistündiger Verspätung kann dann das Strafverfahren wegen Wuchers gegen Denis W. am vergangenen Montag dann doch noch eröffnet werden.

Der 28-jährige Feinmechaniker äußert sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Das übernimmt sein Verteidiger. Dieser sieht im Tun seines Mandanten nichts Verwerfliches. Zwar gäbe es vom Bundesverband Metall Preisempfehlungen für Türöffnungen, bindend seien diese jedoch nicht. Was sein Mandant den Geschädigten berechnet habe, falle unter die unternehmerische Freiheit, erklärt er dem Gericht und weist darauf hin, dass die Geschädigten, gleich nach Eintreffen seines Mandanten an der jeweiligen Wohnung, den Auftrag zur Türöffnung unterschrieben haben. In diesem sind kleingedruckt auch die Vertragsmodalitäten hinterlegt, allerdings so winzig, dass selbst die Richterin eine Lupe braucht, um den Text entziffern zu können. Mit ihren Unterschriften hätten die Geschädigten die Bedingungen akzeptiert, argumentiert der Verteidiger und regt die Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit.

Dem kann das Gericht nicht nachkommen. Auch eine Einstellung unter Zahlung einer Geldauflage kommt nicht infrage, da es bereits ein rechtskräftiges Urteil vom Amtsgericht Kamenz gibt. Das hatte den Deutschen bereits im April dieses Jahres wegen Wuchers zu einer Geldstrafe von 1 200 Euro verurteilt. Daneben gibt es ein weiteres Verfahren gegen Denis W. Das wird nun mit dem schon laufenden Prozess verbunden. Das Gericht wird im August weiter verhandeln.