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Dresden

Tunnelbauer gehen jetzt in die Tiefe

Die Drewag baut eine begehbare Röhre nach Pieschen. Wegen der Elbe ist besonderer Aufwand nötig.

So wird der Tunnelbau funktionieren: Hydraulikpressen drücken den Bohrer voran und die Betonfertigteile in die Röhre.
So wird der Tunnelbau funktionieren: Hydraulikpressen drücken den Bohrer voran und die Betonfertigteile in die Röhre. © Visualisierung: Drewag/Eiffage, Foto: Rene Meinig

Neben dem Volksfestgelände arbeiten derzeit Bauleute. Ein Stück elbabwärts wollen sie Dresdens ersten begehbaren Elbtunnel errichten, sodass künftig Spezialisten für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durch die Röhre kommen. Die Drewag lässt den knapp 250 Meter langen Tunnel bauen, damit sie das rechtselbische Gebiet zwischen der Hafencity und Pieschen ans zentrale Fernwärmenetz anschließen kann. Künftig verläuft die Hauptleitung durch die Röhre weiter bis zum Heizkraftwerk Mickten hinter dem einstigen Sachsenbad.

Der Tunnelbau ist eine große ingenieurtechnische Herausforderung. Errichtet wird eine 3,2 Meter hohe begehbare Röhre, die innen 2,6 Meter misst. Solche Leitungstunnel heißen in der Fachsprache Düker. Das kommt aus dem Holländischen und bedeutet Taucher.

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Nächste Woche beginnen die Bauleute am Volksfestgelände damit, die Baugrube auszuheben und ein gewaltiges Stahlbetonbauwerk zu errichten, das bis in eine Tiefe von 22 Metern reicht, teilt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann mit. Das geschieht im sogenannten Senkkastenverfahren folgendermaßen: Auf der Oberfläche wird abschnittsweise ein 13 Meter langes und neun Meter breites Stahlbetonrechteck gebaut, dessen erstes Teil stahlverkleidete Spitzen hat. Hebt der Bagger die Baugrube aus, senkt sich der Kasten in den Untergrund, weshalb das Verfahren so genannt wird.

Auf das erste kommen noch zwei weitere hohe Stahlbetonteile, die hinabrutschen und die Grube sichern. Letztlich wird in den Fluten des Grundwassers eine dicke Betonsohle betoniert. Über der Oberfläche schützen vier Meter hohe Wände die Grube. Damit ist sie selbst vor einem so großen Hochwasser wie im August 2002 flutsicher. Rings um die Baugrube wurden einen Meter starke Stahlrohre in den Untergrund gerammt, die die Baugrube bei Hochwasser vor dem Anprall großer schwimmender Teile schützen. Am Neustädter Elbufer errichten die Tunnelbauer einen Neustädter Gruben-Zwilling für die Röhre.

Sind diese Arbeiten abgeschlossen, kommt die Stunde der Tunnelbohrmaschine. Deren Werkzeug ist eine 3,2 Meter große propellerartig rotierende Scheibe. Mit diesem sogenannten Hydroschild werden Erde und auch Gestein abgetragen, mit einem Ton-Wasser-Gemisch unter Druck ausgespült, das auch den Bohrer schmiert, und letztlich durch das Loch abtransportiert. Das geschieht knapp sieben Meter unter dem Elbgrund. Hydraulikpressen drücken den Bohrer voran und auch die Betonfertigteile in die Röhre. Auf diese Weise wächst der Elbtunnel um bis zu zehn Meter pro Tag. Die Bohrung soll im Frühjahr 2020 beginnen. Geplant ist, dass der Tunnel Ende nächsten Jahres fertig wird.