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Turm hält Sturm stand

Die interaktive Skulptur auf dem Altmarkt Bischofswerda ist robuster als gedacht. Zurzeit aber außer Betrieb.

© Uwe Soeder

Von Gabriele Naß

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Die Winterstürme der letzten Wochen haben den Mediaturm auf dem Altmarkt nicht wanken lassen. Wertarbeit. Lediglich eine Sicherheitsschraube hatte sich kürzlich gelöst, wodurch der interaktive Kern, der Kalaidozyklus, nur noch an zwei von drei Stahlstangen hing. Bei der Berechnung der Statik der Anlage wurde mit Ausfällen wie diesem kalkuliert. Gefahr für Passanten und Kunstwerk habe daher zu keiner Zeit bestanden, hieß es im Bauamt der Stadt auf Anfrage.

Mitarbeiter vom städtischen Bauhof hatten die Anlage trotzdem kürzlich mit einem rot-weißen Bauzaun für einige Tage gesichert. Eine Rückfrage beim Erbauer, dem Dresdner Künstler Uwe Hempel, war nötig, um den Sturmschaden einzuschätzen. Zusammen sei dann entschieden worden, dass Hempel nicht anzureisen braucht und Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die Reparatur ausführen. „Die Kunstobjekte sind alles meine Kinder, auch das Bischofswerdaer . Klar hängt man da dran“, sagt Uwe Hempel auf Anfrage.

Schutz vor Gewittern gebaut

Blitzschutz brauchte das 2007 mit dem Umbau des Altmarktes entstandene Wahrzeichen nachträglich. Im Sommer letzten Jahres war die Fläche unterm Turm deswegen schon einmal Baustelle. Unscheinbar am Stahlfuß wurde die Technik zum Schutz vor Gewittern damals ebenfalls von Mitarbeitern des Bauhofes angebracht. Probleme mit eindringender Feuchtigkeit ins Allerheiligste der Anlage sollen inzwischen geklärt sein. Das sagt auch der Künstler. Am Anfang war die interaktive Funktion häufiger ausgefallen, weil im Schacht unter dem Turm die sensible Technik nicht ausreichend geschützt war.

Zurzeit ist die eigentliche Attraktion aber auch nicht in Betrieb. Vorm Winter wurde der Strom abgestellt, erst im Frühjahr wird sich der Kalaidozyklus wieder drehen lassen. Durch einen Schachtdeckel im Pflaster unter dem Turm steigt dann ein Mitarbeiter des Bauhofes zum Stromschalter. Eine Pause im Winter hält die Stadt Bischofswerda aus Sicherheitsgründen für sinnvoll. Liegt gefrorener Schnee auf dem Kunstobjekt, besteht die Gefahr, dass etwas herunterfällt und jemanden trifft. Sie ist größer, wenn die Anlage in Betrieb ist, weil der Kristall sich dann bewegt. Und zwar dann, wenn Passanten durch Bewegung über eine im Boden liegende, unsichtbare Lichtschranke den Impuls auslösen. Der Impuls löst nicht aus bzw. ist anfällig, wenn Schnee am Boden liegt. Noch ein Grund, weswegen die Anlage auf dem Altmarkt wie Brunnen und künstlichen Wasserläufe im Winter abgestellt wird.

Kristall aus zwanzig Dreiecken

Es war am 26. Juli 2007, 10.45 Uhr , als Zuschauer Beifall klatschten. Mitarbeiter der Max Aicher GmbH und Künstler Uwe Hempel hatten es geschafft. Die vier Trägersäulen der Stahlkonstruktion, die im Volksmund Galgen heißt, standen. Und die zwei Tonnen schwere Turmspitze, die 12,27 Meter in die Höhe ragt, war aufgesetzt. Alles passte. Maßarbeit. „Wunderbar“, sagte der Künstler. Die Detailarbeit begann noch am selben Tag. Zuerst wurden in der Turmspitze jene drei Edelstahlstangen verankert, die das Herz des Kunstwerkes, den Kalaidozyklus, bis heute tragen. Uwe Hempel nennt das den „dynamisch beweglichen Kristall“. Er hatte damit einen Wettbewerb der Stadt Bischofswerda gewonnen und den Auftrag zum Bau erhalten. – Der „Kristall“ ist aus zwanzig Dreiecken zusammengesetzt. Durch die via Lichtschranke ausgelösten Impulse verändert es seine Form, und die mit Wasserstrahltechnik ausgeschnittenen Bilder werden sichtbar. Allen gemeinsam ist: Sie zeigen Stadtgeschichte; Wappen, Brand, Gewerke, den Anschluss ans Eisenbahnnetz. Freie Dreiecksflächen kann die Stadt nutzen, um in Leuchtschrift Informationen an ihre Bürger weiterzugeben. Das wurde mal genutzt, mal nicht. Offen ist die Zukunft dieser Form der Information. – In Betrieb ging das Kunstwerk im September 2007 zur Weihe des Altmarktes im Rahmen der Festwoche „780 Jahre Bischofswerda“. Es steht genau an der Stelle, an der im 16. Jahrhundert das erste Rathaus gebaut wurde. 91 000 Euro hat sich Bischofswerda die Kunst in der Stadtmitte kosten lassen. Der große Ärger vieler Bürger.

www.hempelglasmetallkunst.de

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