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Tusch für eine Kapelle

Die Schlosskapelle Schleinitz besteht seit 500 Jahren. Der Verein bereitet eine Ausstellung vor. Doch er kommt an Grenzen.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

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Nossen. Sie sind unermüdlich, die Frauen und Männer vom Förderverein Schloss Schleinitz. Jeden Mittwoch treffen sie sich, werkeln im Museum, bereiten die neue Saison vor. Traditionell am Ostersonntag wird das Museum öffnen. Doch der Verein hat ein riesiges Problem. Seine Mitglieder sind überwiegend älter als 70 Jahre. Neue Vereinsmitglieder oder ehrenamtliche Helfer zu finden, ist schwierig. Zum einen gibt es heute kaum noch Leute, die die alten Handwerkstechniken wie Seile drehen oder Körbe flechten beherrschen. Seile und Körbe kommen heute aus China und Polen.

Seit 20 Jahren kann in der Kapelle wieder geheiratet werden.
Seit 20 Jahren kann in der Kapelle wieder geheiratet werden. © Claudia Hübschmann

Zum andern haben junge Leute, die im Berufsleben stehen, kaum noch Zeit für ein aufwendiges Ehrenamt. Eine Frau Anfang 40, die dem Verein beitrat, ist wieder weg aus persönlichen Gründen. Sie zog nach Wolgast. Zwar hat der Verein auf dem Papier 78 Mitglieder, doch nur etwa ein Drittel ist regelmäßig aktiv. Von diesem Drittel sind die meisten wiederum im achten Lebensjahrzehnt. Einige Vereinsmitglieder sind in den vergangenen Jahren ausgeschieden, sei es durch Tod oder schwere Krankheit.

Das hat nun erste Konsequenzen. Der Förderverein Schloss Schleinitz wird ab diesem Jahr nur noch am ersten Sonntag im September das Handwerker- und Dreschfest durchführen. Das traditionelle Kinderfest, das immer Anfang Juni stattfand, wird es dagegen nicht mehr geben. Es hatte 21 Mal stattgefunden. „Die Grenzen der Belastbarkeit sind überschritten“, sagt Vereinsmitglied Edith Wohlfahrt. Andere kleinere Veranstaltungen wie die Schleinitzer Runden, Museumsdienste, Führungen und diverse Sonderveranstaltungen wird es aber weiter geben.

Zum Handwerker- und Dreschfest sollen spezielle Angebote für Kinder gemacht werden. Das Kinderfest hatte zuletzt ohnehin eine schwache Resonanz. Im vergangenen Jahr kamen nicht mal mehr 200 Besucher. Zum Vergleich: Beim Handwerker- und Dreschtag ist die Resonanz mehr als zehnmal so groß. Das sei aber nicht der Grund für die Absage des Kinderfestes. „Es bedeutet schon einen sehr großen Aufwand für die vier Stunden“, sagt Vereinsmitglied Hartmut Oefner, selbst 75 Jahre alt.

Ein Grund sei auch, das sich kaum noch Kindergartengruppen an der Gestaltung des Kindesfestes beteiligten. Wird Schlossgespenst Hugo , das zum Kinderfest immer seinen großen Auftritt hatte, nun arbeitslos, bleibt es das ganze Jahr über im Kerker? Nein, sagt Hartmut Oefner. Hugo soll beim Handwerker- und Dreschtag mit eingebunden werden.

Das Kinderfest ist Geschichte, dafür widmen sich die Vereinsmitglieder einer anderen Geschichte. Sie bereiten eine Ausstellung zur Kapelle im Schloss Schleinitz vor. Die Kapelle wurde 1518, also vor genau 500 Jahren, eingeweiht. Außer der Ausstellung, die voraussichtlich Ende April öffnen wird, gibt es Konzerte, die teilweise von Mädchen und Jungen der Musikschule gestaltet werden, und ein Sommerkonzert.

Und es gibt noch ein kleines Jubiläum in Schleinitz zu feiern. Seit 20 Jahren ist es wieder möglich, in der Schlosskapelle zu heiraten. Am 23. August 1998 gaben sich hier Jana Kuggel und Jens Koßack aus Döbeln das Ja-Wort. Es war die erste öffentliche Trauung in der Kapelle nach 99 Jahren. Auch heute noch ist die Kapelle eine Außenstelle des Standesamtes Lommatzsch und sehr gefragt. So schlossen hier im vergangenen Jahr 23 Paare den Bund fürs Leben, das ist jedes zweite Paar, das in Lommatzsch heiratete.

Das Museum in Schleinitz ist von April bis Oktober sonn- und feiertags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Schlossführungen gibt es jeden dritten Sonntag im Monat um 14 Uhr. Auf Anmeldung sind auch außerhalb dieser Zeiten Führungen durch das Schloss möglich.