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Twitter schützt Dresden bei der nächsten Flut

Wissenschaftler planen ein Millionenprojekt. Eine Krisen-App soll nützliche Infos von Falschmeldungen trennen.

Von Stephan Schön

Dresden. In Sachsen entsteht eine neue Art von Flutschutz. Deiche, Staubecken und neue Hochwasserwände allein reichen nicht aus, um Menschen und Häuser zu schützen. Dresdner Wissenschaftler wollen eine Krisen-App entwickeln, mit der sich Hilfe im Katastrophenfall besser als bisher organisieren lässt. Die Voraussetzungen dafür biete das Web 2.0 mit seinen sozialen Netzwerken, vor allem aber mit Twitter, sagt Lutz M. Hagen, Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft (IfK) an der TU Dresden.

Während der letzten Elbeflut vor anderthalb Jahren waren Zehntausende Helfer vor allem über Facebook zu den Krisenorten geschickt worden. Schneller hatte die Katastrophenhilfe in einem solchen Ausmaß noch nie funktioniert. Der Nachteil: Nicht immer waren die Informationen präzise, manchmal auch schädlich, weil falsch.

Aus der Flut gelernt haben die Kommunikationswissenschaftler von Lutz M. Hagen schon während des Hochwassers. Über eine erst kurz zuvor fertig programmierte Schnittstelle hatten sie im Juni 2013 sieben Tage lang alle Twitter-Informationen aufgezeichnet, die etwas mit der Dresdner Flut zu tun hatten. 8 900 Tweets, also Kurzinfos, wurden so gespeichert. Von wem kam welche Information, wer hat sie weitergeleitet und vor allem: Waren diese Tweets nützlich? Für die Sächsische Zeitung haben die TU-Forscher nun erstmals einige Daten zusammengefasst. Mit überraschenden Ergebnissen, wie selbst Internet-Professor Lutz M. Hagen eingestehen muss. „Twitter wandelt sich in Krisenzeiten und wird zu einem Organisator.“ An die 90 Prozent der Tweets waren sachliche Infos, nur etwa 10 Prozent Meinung, berichtet IfK-Mitarbeiterin Jana Fischer. Sie wertet eben die Daten aus. Und anders als bei Facebook gingen diese Twitter-Infos nahezu in eine Richtung. Genau das will nun ein Forschungsverbund nutzen, dem neben der TU Dresden vor allem das Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, Hilfsorganisationen und auch der Sächsische Landkreistag angehören.

Ein Projektantrag über 3,8 Millionen Euro ist dafür bereits beim Bundesforschungsministerium eingereicht. Eines der wichtigsten Ziele sei die Programmierung einer Helfer-App, die im Katastrophenfall in Echtzeit Infos gibt – nutzbar auf jedem Smartphone. Das mächtige Werkzeug im Hintergrund sind dann Großrechner, die sämtliche Datenströme im Netz sammeln, sichten und sortieren. Und die selbst bei massenhaften Downloads nicht zusammenbrechen. Schneller als damit ist Hilfe nie organisiert worden, sagt Hagen. In drei Jahren etwa könnte das neue Hilfsmittel bei Flutkatastrophen funktionieren.