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„Über 50 Jahre bei der Feuerwehr schafft nicht jeder“

Stadtwehrleiter Egbert Rohloff geht in den Ruhestand. Riesa wird er wohl den Rücken kehren.

2006 übernahm Egbert Rohloff das Amt des Wehrleiters in Riesa, ab 2007 offiziell. Nun ist er freigestellt, ab April 2020 offiziell in Rente.
2006 übernahm Egbert Rohloff das Amt des Wehrleiters in Riesa, ab 2007 offiziell. Nun ist er freigestellt, ab April 2020 offiziell in Rente. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Zwei Tage vor seiner offiziellen Verabschiedung war Egbert Rohloff noch einmal in Niedersachsen. Allerdings nicht, um noch ein paar Urlaubstage abzufeiern, sondern weil ein letztes Mal die Pflicht rief. „Wir waren zur Anlaufberatung für den neuen Gerätewagen Gefahrgut.“ Zum Gespräch bei der Herstellerfirma war auch Rohloffs Nachfolger schon mit dabei. „Das lief eigentlich sehr konstruktiv ab“, sagt er.

Seit 1. Februar ist Egbert Rohloff offiziell freigestellt. Zum letzten Pressegespräch kurz vor seiner Verabschiedung empfängt er schon in der Leitstelle der Feuerwehr-Hauptwache in Gröba, nicht mehr im Wehrleiter-Büro.

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 Der Januar sei eine Art Übergangsphase gewesen, sagt Rohloff und erzählt mit verschmitztem Grinsen, er sei die letzten Tage immer von einem Zimmer ins nächste gependelt. „Ich hab’ ja kein eigenes Büro mehr.“ Dort sitzt schon Robert Gudat, bis Ende 2018 noch Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Riesa-Stadt.

Mehr als zehn Jahre lang war Egbert Rohloff Wehrleiter in Riesa, bei der Feuerwehr ist er schon viel länger. Die Rohloffs seien eine richtige Feuerwehr-Familie gewesen, sagt er: der Vater, die Mutter, zeitweise auch der Bruder. Da war der Weg sozusagen vorgezeichnet. „1968 hab’ ich angefangen“, erzählt Rohloff, „Kommandostelle III, junge Brandschutzhelfer hieß das damals.“ 

Vier Jahre später sei es dann in die Einsatzabteilung gegangen, und am 1. Juni 1982 zur Berufsfeuerwehr in Dresden. Dass er trotzdem in Riesa sesshaft blieb, geschah nicht ganz freiwillig. „Es gab schon damals keine Wohnungen in Dresden.“ Also pendelte der junge Feuerwehrmann in die sächsische Hauptstadt und engagierte sich nebenbei noch bei der Stadtteilfeuerwehr in Weida. 

Im April 1991 begann er schließlich, auch hauptamtlich in Riesa zu arbeiten. Wehrleiter wurde er dann als Nachfolger von Reinhard Kunkel, der 2006 nach schwerer Krankheit starb.

„Über 50 Jahre bei der Feuerwehr schafft nicht jeder“, sagt Egbert Rohloff, als er mit der Aufzählung fertig ist. Auf die Frage, welche Einsätze ihm aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben sind, muss er nicht lange überlegen. Da sei zum einen die Explosion im Ölwerk. „Als Stift“ sei er da noch dabei gewesen. 

Darüber hinaus haben den 62-Jährigen vor allem die Hochwassereinsätze bewegt. „Weil man sich vor Wasser einfach nicht schützen kann“, sagt er nachdenklich. Dazu komme noch, dass vor allem das erste Hochwasser 2002 eine völlig neue Erfahrung gewesen sei, auch für die Kameraden der Feuerwehr. 

Rohloff spricht von einem „Lernkapitel“ für die Rettungskräfte. Als das Wasser wiederkam, 2013, aber auch 2006 und 2010, da habe man auf die Erfahrung zurückgreifen können. „Es gab aber auch Situationen, da konnte man es nicht allen recht machen.“ Aus seiner Sicht habe das Hochwasser vor allem eines gezeigt: „Die Feuerwehr wird einfach gebraucht.“

2006 übernahm Egbert Rohloff das Amt des Wehrleiters in Riesa, zunächst kommissarisch, ab 2007 auch offiziell. 
2006 übernahm Egbert Rohloff das Amt des Wehrleiters in Riesa, zunächst kommissarisch, ab 2007 auch offiziell.  © Edgar Schröter/Archiv

Geändert hat sich in all den Jahren vieles: Die Hauptwache wurde aufgebaut, die Leitstelle zog nach Dresden. Auch die Umstellung auf den digitalen Funk fällt in Rohloffs Amtszeit als Wehrleiter. 

„Eine Heidenarbeit“ sei das gewesen. „2007 gingen die Planungen los, 2014 waren wir fertig.“ Und dann sei da noch der große Brocken des neuen Brandschutzbedarfsplans gewesen. „Der erste bestand noch aus fünf Blättern“, sagt Rohloff amüsiert. Für den jüngsten wurde ein eigenes Büro engagiert – und dennoch später hitzig über das Ergebnis diskutiert, im Stadtrat wie auch von den Feuerwehrleuten. 

„Es war ein aufreibendes Jahr“, sagt Egbert Rohloff dazu nur. „Man sitzt zwischen den Stühlen und bekommt von beiden Seiten Feuer.“ Besonders nachdenklich stimmt den Wehrleiter, dass unter den Stadträten über den Vorschlag debattiert wurde, das hauptamtliche Personal aufzustocken. Dabei sei das langfristig nötig, damit auch tagsüber genügend Leute für die Einsätze zur Verfügung stehen.

Seit Anfang Februar muss sich Egbert Rohloff damit nicht mehr herumärgern. Offiziell geht er kommendes Jahr in Rente, dank eines Feuerwehr-Fonds muss er schon jetzt nicht mehr arbeiten. 

Er stehe zur Verfügung, wenn man ihn fragt, sagt er. Mit altklugen Ratschlägen will er sich aber zurückhalten. „Ich will mich nicht mehr groß einmischen. Jetzt sollen die jungen Leute machen.“ Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Weida wird er noch in der Übergangsabteilung bleiben, „so lange ich hier bin“.

Und dann? „Meine Frau geht kurz nach mir in Rente. Dann geht es zurück in die Heimat.“ Gebürtig stammt Rohloff aus Kosenow in Vorpommern. An die Ostseeküste möchte er auch zurück, die Wohnungssuche läuft. 

„Ein Haus wollen wir uns in unserem Alter nicht mehr leisten.“ Was dann kommt? Ein Vorhaben hat er schon gefasst: „Den Fischereischein machen, hinsetzen und angeln“, sagt er und lacht.

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